Das Sonntagsgespräch : „Das deutsch-griechische Verhältnis verbessern“

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Panagiotis Memetzidis, Vorsitzender der Griechischen Gemeinde im Kreis, spricht über die Schuldenkrise in seiner Heimat - und über Vorurteile in Deutschland.

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02. März 2014, 08:00 Uhr

Panagiotis Memetzidis aus Quickborn ist Vorsitzender der Griechischen Gemeinde des Kreises Pinneberg. Im Sonntagsgespräch berichtet er von den Zielen der Gemeinde und erklärt, warum Geld nicht ausreicht, um die Krise in seinem Heimatland zu beheben.

Was macht die Griechische Gemeinde in Bönningstedt?
Panagiotis Memetzidis: Die Gemeinde gibt es in Bönningstedt bereits seit 1974. In den Siebzigern kamen viele Griechen in den Ort, um in der Rugenbergener Mühle zu arbeiten. In der Gemeinde wollten wir unsere Traditionen sowie Kultur und Sprache weiter pflegen. Außerdem halfen wir bei der Integration in die deutsche Gesellschaft. An diesen Zielen hat sich bis heute nichts geändert. Wir sorgen dafür, dass untereinander Kontakte bestehen und wollen dazu beitragen, das deutsch-griechische Verhältnis zu verbessern. Unsere Veranstaltungen sind deshalb nicht nur für Griechen, sondern für jeden offen und werden auch gut angenommen.

Was ist der Grund für Ihr Engagement?
Ein Grund ist sicher meine kleine Tochter, die jetzt zweieinhalb Jahre alt ist. Sie soll zusätzlich zur normalen Schule auch Griechisch lernen. Als ich in der Zeitung gelesen habe, dass die griechische Schule in Bönningstedt keinen Lehrer mehr hat und vor dem Aus steht, wollte ich helfen. So wurde ich zum Vorsitzenden der Gemeinde. Inzwischen können unsere Kinder in Hamburg die griechische Sprache lernen. Langfristiges Ziel ist, wieder Unterricht in Bönningstedt anzubieten. Dafür müssen wir Einnahmen generieren. Das geht nur, wenn wir Veranstaltungen organisieren. Das Geld brauchen wir auch, um unser Freundschaftshaus in der Bahnhofstraße zu renovieren und die Betriebskosten zu tragen.

Inwieweit ist die Krise in Ihrem Heimatland Thema in der Gemeinde?
Wir haben sie sogar selbst zu spüren bekommen. Der Lehrer, der unseren Kindern Griechisch beibrachte, kam plötzlich nicht zurück, weil ihn der griechische Staat nicht mehr bezahlte. Über die Entwicklung sind wir sehr traurig. Früher war Gelassenheit und Fröhlichkeit ein Markenzeichen unseres Landes. Das ist vorbei. Die Löhne liegen teilweise bei 380 Euro pro Monat. Dabei sind die Lebenshaltungskosten nicht niedriger als in Deutschland. Unter diesen Voraussetzungen kann sich die wirtschaftliche Situation gar nicht verbessern. Die Verursacher der Krise werden zu Recht zur Verantwortung gezogen. Aber die Mehrheit kann nichts für die Probleme.

Sehen Sie Möglichkeiten aus der Krise herauszukommen?
Einfach nur Geld zu überweisen, reicht nicht. Gerade die Deutschen könnten die Griechen mit ihrem Know-how unterstützen und helfen, funktionierende Verwaltungsstrukturen aufzubauen. Griechenland bräuchte einen 20-Jahres-Plan, um wieder auf die Beine zu kommen. Das Land muss sich auf seine Stärken konzentrieren und beispielsweise versuchen, noch mehr Touristen anzulocken. Auch Photovoltaik-
anlagen müs
sten sich lohnen. Die Ausbeute dürfte aufgrund des sonnigen Klimas wesentlich größer sein als in Deutschland. Es wäre außerdem ein Gewinn für beide Länder, wenn viele qualifizierte Griechen ein paar Jahre in Deutschland arbeiten und ihr Wissen dann in Griechenland weitergeben.

Sind Sie noch häufig in Griechenland?
Ja. Ostern, Weihnachten, im Sommer sowieso – eigentlich immer, wenn es meine Arbeit erlaubt. Schließlich lebt ja ein Großteil meiner Familie noch dort. Ich bin gerne in Griechenland und in Deutschland, habe also zwei Heimaten.

Können Sie helfen, Vorurteile abzubauen?
Das ist eines unserer Hauptziele. Vorurteile gibt es auf beiden Seiten. Die werden durch bestimmte Medien leider verstärkt. Berichte in einigen deutschen Zeitungen erwecken teilweise den Eindruck, dass alle Griechen in Saus und Braus leben. In Griechenland werden im Gegenzug Vergleiche zum Nationalsozialismus bemüht. Beides ist völliger Quatsch. Ich kann nur an jeden appellieren, sich Griechenland einmal anzuschauen. Es ist ein wunderschönes Land mit vielen Sehenswürdigkeiten und freundlichen Menschen.

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