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Leibnizschule in Elmshorn : Das Bildungsministerium lehnt den Antrag auf staatliche Anerkennung der Oberstufe ab

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Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Das schleswig-holsteinische Bildungsministerium hat der Leibniz-Privatschule in Elmshorn erneut die staatliche Anerkennung ihrer Oberstufe verweigert.

Elmshorn | Das schleswig-holsteinische Bildungsministerium hat der Leibniz-Privatschule in Elmshorn erneut die staatliche Anerkennung ihrer Oberstufe verweigert. Daher müssen die Schüler des Abiturjahrgangs im kommenden Frühjahr ihre Prüfungen unter verschärften Bedingungen ablegen.

Die Entscheidung des Ministeriums sei am Montag der vergangenen Woche in einem Gespräch mitgeteilt worden, sagte Rektorin Barbara Manke-Boesten, zugleich Geschäftsführerin der Privatschule. Sie kritisiert: „Das Ministerium hat uns viel zu spät informiert. Es ist ungehörig gegenüber den Schülern, sie so lange im Unklaren zu lassen, nach welcher Prüfungsordnung sie ihr Abitur ablegen müssen.“ Während Abiturienten an staatlichen Schulen und in staatlich anerkannten Oberstufen privater Einrichtungen drei schriftliche und eine mündliche Prüfung absolvieren müssten, seien es an staatlich nicht anerkannten Schulen vier schriftliche und vier mündliche.

Schülervertreterin Merle Ziegler fühlt sich ungerecht behandelt: „Die Entscheidung sollte laut Ministerium schon im August fallen. Man kann die Schüler nicht so kalt im Stich lassen.“

Manke-Boesten ärgert sich über das Verhalten der Behörde: „Uns ist in Gesprächen signalisiert worden, auf einem guten Weg zu sein. Uns wurde die Anerkennung für den jetzigen Abiturjahrgang in Aussicht gestellt.“ Zudem sei nicht mitgeteilt worden, welche Kriterien die Schule überhaupt erfüllen müsse, um die Anerkennung zu bekommen. „Außerdem liegt uns weder für das vergangene noch für dieses Jahr ein schriftlicher Ablehnungsbescheid vor.“ Sobald diese einträfe, wolle sie prüfen lassen, ob die Ablehnung juristisch anfechtbar ist.

Das Ministerium widerspricht. Die Kriterien für eine Anerkennung seien „mehrfach schriftlich“ und in einer „Vielzahl von Gesprächen und Prüfungen“ auch mündlich kommuniziert worden, heißt es auf Anfrage dieser Zeitung. Eine Anerkennung sei nicht in Aussicht gestellt worden. Die Leibnizschule hatte mehrfach Schlagzeilen gemacht, weil zahlreiche Schüler Abiturprüfungen oder Vorprüfungen nicht bestanden hatten.

„Das ist ärgerlich und ungerecht“

Nachdem das Bildungsministerium in Kiel der Leibniz-Privatschule in Elmshorn erneut die staatliche Anerkennung ihrer Oberstufe verweigert hat, ist Elternvertreter Stefan Blöcker auf Zinne. „Das ist ärgerlich und ausgesprochen ungerecht“, sagt Blöcker. Die Prüfungsordnung für externe Abitur-Prüfungen, die an der Leibnizschule gilt, sei niemals für allgemeinbildende Schulen gemacht worden. Sie sei für Prüflinge auf dem dritten Bildungsweg gedacht. „Für private Waldorfschulen dagegen gibt es Sonderregeln, die weniger streng sind als die Prüfungsordnung für Externe“, sagt Blöcker.

Der Elternvertreter wirft der Bildungsbehörde mangelnde Gesprächsbereitschaft vor. „Wir haben uns im Januar schriftlich an das Ministerium gewandt. Im April kam dann eine völlig nichtssagende Antwort. Ein Schreiben an den zuständigen Staatssekretär sowie an Ministerin Britta Ernst (SPD) sei bis heute unbeantwortet. Blöcker vertritt mit zwei Müttern die Interessen der Eltern von insgesamt etwa 950 Schülern und Kindergartenkindern an der Leibnizschule. Blöcker fordert die rasche Anerkennung. „Und sollte sie weiter verwehrt werden, dann muss das Ministerium transparent machen, wo die Gründe liegen.“

Die Leitung der Leibnizschule war in der Vergangenheit von Eltern heftig kritisiert worden. Zahlreiche Abiturienten waren in der Prüfung 2014 durchgefallen. Die Schule führte deswegen Vorprüfungen ein, die etwa ein Drittel des Jahrgangs nicht bestand. Viele Schüler verließen die Schule. Rektorin Barbara Manke-Boesten sah damals die Verantwortung beim Bildungsministerium, weil die Anforderungen in der Abi-Prüfung unangemessen hoch seien. Gestern sagte sie im Gespräch mit dieser Zeitung: „Die Anerkennung zu haben ist schön. Aber unsere Schüler sind gut genug, auch unter verschärften Prüfungsbedingungen zu bestehen. „Wir werden in den Ferien auf das Abitur vorbereitet. Mehr kann man nicht machen“, sagt Schülervertreterin Merle Ziegler. Das Ministerium habe die Schüler aber viel zu lange im Unklaren darüber gelassen, zu welchen Bedingungen sie geprüft werden.

Hinweis bereits im Oktober

Das Bildungsministerium wehrt sich gegen die Vorwürfe. Nötige Unterlagen sowie die Auswertung der Abiturergebnisse hätten erst nach Schuljahresbeginn vorgelegen. Bereits Mitte Oktober habe es den Hinweis gegeben, dass die Anerkennung voraussichtlich nicht möglich sei.

Manke-Boesten hatte auch angegeben, ihr sei eine baldige Anerkennung in Aussicht gestellt worden. Dazu teilt das Ministerium mit: „Derartige Aussagen hat es nicht gegeben.“ Zum Vorwurf, es habe keine schriftlichen Ablehnungsbescheide gegeben, teilt das Ministerium mit: „Die Leibnizschule wird, wie auch im vergangenen Jahr, ein ausführliches Schreiben erhalten. Hierzu kann die Schule Stellung nehmen, erst danach wird ein Ablehnungsbescheid erteilt.“ Im vergangenen Jahr sei „im Einvernehmen mit der Schule“ auf einen Bescheid verzichtet worden.

Welche Kriterien entscheidend für die Ablehnung waren, teilte das Ministerium mit Verweis auf „ein laufendes Verwaltungsverfahren, in dem Betriebsgeheimnisse der Leibniz-Privatschule betroffen sind“, nicht mit. Auch die Frage, ob die hohe Lehrerfluktuation an der Schule Einfluss auf die Bewertung hatte, blieb somit unbeantwortet.

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erstellt am 10.Nov.2015 | 14:00 Uhr

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