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Strengere Auflagen : Das Aus für den Ewer „Gloria“?

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Das Bundesverkehrsministerium will die Sicherheitsauflagen verschärfen. Der Betreiberverein fürchtet nun um das Elmshorner Traditionsschiff „Gloria“ - und will zur Not aus dem Ewer ein Sportboot machen.

shz.de von
erstellt am 21.Feb.2017 | 14:00 Uhr

Elmshorn | Steht das Aus für das Elmshorner Traditionsschiff, den Ewer „Gloria“, kurz bevor? Das befürchtet der Eigentümerverein der „Gloria“, seit Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) in der vergangenen Woche im Streit um strengere Sicherheitsauflagen für Traditionsschiffe zu keinen weiteren Zugeständnissen mehr bereit war. „Wir betreiben die ,Gloria’ vollständig ehrenamtlich, seit zwölf Jahren und unfallfrei,“ erklärt Ulrich Grobe, Geschäftsführer des Betreiber-Vereins. „Warum Dobrindts Staatssekretär Enak Ferlemann trotz aller seiner Beteuerungen dieses ehrenamtliche Engagement für unser maritimes Erbe nicht würdigt, verstehen wir nicht. Natürlich muss der Betrieb der Traditionsschiffe sicher sein. Aber man muss die Kirche im Dorf lassen.“

Zwar hatte Dobrindt seinen ersten Verordnungsentwurf im Oktober bei den Brandschutzauflagen auf Druck der Verbände etwas abgeschwächt. Doch für Schiffe wie den Ewer „Gloria“ erhält die neue Verordnung immer noch eine Vielzahl an Vorschriften, die organisatorisch, baulich, finanziell und personell nicht umsetzbar sind. Der Betreiberverein müsste zum Beispiel an Stelle eines 30 Kilo schweren Ankers und einer 50 Meter langen Kette zwei 80 Kilo schwere Anker und jeweils eine 165 Meter lange Kette anschaffen. Allein um diese Anker zu heben, bräuchte die „Gloria“ einen Kran an Bord. Und durch das zusätzliche Gewicht würde das ganze Schiff nach vorne kippen.

Künftig höhere Ansprüche an die medizinische Ausbildung des Schiffspersonals

Außerdem stellt Dobrindt künftig höhere Ansprüche an die medizinische Ausbildung des Schiffspersonals. Auf der „Gloria“ fahren in erster Linie Senioren als Besatzung mit – und das ehrenamtlich. Grobe sagt: „Das ist für uns überhaupt nicht zu leisten“.

Das sind nur zwei der zahlreichen Punkte aus der Verordnung, die auf der „Gloria“ laut Betreiberverein nicht umsetzbar sind. Eine Fragestunde, die zu dem Thema im deutschen Bundestag stattgefunden hat, hält Grobe für eine Farce: „Statt mit den betroffenen Betreibern von Traditionsschiffen gemeinsam vernünftige Regelungen zu erarbeiten, wird vom Verkehrsministerium von oben herab eine Alibi-Anhörung verordnet.“ Unter anderem hatte der parlamentarische Staatssekretär Enak Ferlemann (CDU) erklärt, man müsse dafür sorgen, dass sich die Passagiere an Bord sicher fühlen können. Grobe hält dagegen, dass es in der gesamten Traditionsschifffahrt seit Bestehen der bisherigen Richtlinie bei den rund 110 zugelassenen Traditionsschiffen in Deutschland gerade einmal acht untersuchte Unfälle gegeben hätte. Grobe meint: „Keiner dieser Unfälle hätte durch die neuen Vorschriften verhindert werden können.“

Immerhin konnte erreicht werden, dass die für die Schiffs-Kontrolle zuständige Berufsgenossenschaft Verkehr (BG-Verkehr) von den neuen Vorschriften Ausnahmen zulässt. Das wird die „Gloria“ laut Grobe aber auch nicht retten: „Um das Schiff als Ewer überhaupt weiter betreiben zu können, müsste etwa die Hälfte der neuen Vorschriften per Ausnahme außer Kraft gesetzt werden. Es ist aber wohl kaum anzunehmen, dass die BG-Verkehr die von ihr maßgeblich beeinflussten Vorschriften nicht konsequent anwenden wird.“

Grobe hofft, dass die neue Bundesregierung die Verordnung aufhebt

Wenn die Verordnung nicht in letzter Sekunde gestoppt wird, beabsichtigt der Betreiberverein, mit Ablauf der Übergangsfrist den Betrieb der „Gloria“ als Traditionsschiff einzustellen. Was danach mit dem Schiff geschieht, ist noch nicht sicher. Fest steht für Grobe, dass die nach neuer Verordnung vorgesehenen Umbauten des Schiffs nicht stattfinden werden. „Umbauten, die das Schiff nicht mehr wie einen Ewer aussehen lassen, kommen für uns nicht in Frage. Wir werden uns unser Engagement auch durch eine nicht mehr leistbare Bürokratie nicht nehmen lassen.“ Grobe hofft, dass die neue Bundesregierung nach den Wahlen die Verordnung wieder aufheben wird. Falls nicht, werde der Verein die „Gloria“ wohl künftig als Sportboot weiter betreiben – auf Spendenbasis.

Die Traditionsschiffer stehen mit ihrer Kritik nicht alleine da. Der Elmshorner SPD-Bundestagsabgeordnete Ernst Dieter Rossmann, der sich mit anderen Politikern aus den nördlichen Bundesländern und den Regierungen von Schleswig-Holstein und Hamburg bis zuletzt für den Erhalt der Traditionsschiffe eingesetzt hatte, kritisiert die Verordnung Dobrindts scharf: „Bedauerlicherweise hat das Bundesverkehrsministerium sich über alle Bitten, Argumente und Ratschläge hinweggesetzt.“ Bei dieser Hartleibigkeit könne man fast glauben, bei Dobrindt gelte nur als Tradition, „was einen Trachtenhut aufhat.“

Die Verordnung wird jetzt der EU-Kommission vorgelegt. Wenn diese ihren Segen gibt, wird die Richtlinie voraussichtlich noch vor Beginn der Sommersaison in Kraft gesetzt. Bis Ende 2018 dürfte der Ewer danach noch unter den Regeln der alten Verordnung fahren. Danach wäre Schluss.

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