Danke an Retter in der Not

In einem solchen Rettungswagen fuhren die Notfallsanitäter Laura Mielke und Kevin Singhoff den kleinen Sahin Dieckmann innerhalb von 21 Minuten von Pinneberg ins Kinderkrankenhaus nach Altona.
In einem solchen Rettungswagen fuhren die Notfallsanitäter Laura Mielke und Kevin Singhoff den kleinen Sahin Dieckmann innerhalb von 21 Minuten von Pinneberg ins Kinderkrankenhaus nach Altona.

Sahin Dieckmann (10) sagt Sanitätern der RKiSH Danke / Tiefe Platzwunde muss mit sechs Spritzen betäubt werden

kowalewski-300x300.jpg von
18. Oktober 2018, 16:03 Uhr

Schock an einem friedlichen Sonnabendmorgen im September: Der zehnjährige Sahin Dieckmann fällt von der Leiter und verletzt sich so schwer am Oberschenkel, dass Vater Serkan Dieckmann sofort den Notruf wählt. Innerhalb weniger Minuten sind die Notfallsanitäter der Rettungsdienst-Kooperation in Schleswig-Holstein (RKiSH) bei den Dieckmanns in Pinneberg Quellental angekommen und bringen den Junge in Windeseile ins Krankenhaus. Mittlerweile sind die Fäden gezogen und Sahin geht es wieder gut – jetzt wollten Vater und Sohn den Rettern Danke sagen: Sie besuchten Laura Mielke und Kevin Singhoff in der Pinneberger Wache in Thesdorf – ausgestattet mit zwei großen Packungen Schokolade.

„Ich wollte vielen Dank sagen für die kompetente Arbeit, aber auch für das Zwischenmenschliche“, sagt Dieckmann. „Sahin ist ganz toll und einfühlsam versorgt worden, von den Sanitätern und später auch im Krankenhaus. Für mich als Vater war das alles super schnell.“ Sahin selbst überreichte die Dankesschokolade zur Freude der beiden Retter. Mielke und Singhoff zeigten ihm die Wache – und sie ließen den Tag des Unfalls gemeinsam noch einmal Revue passieren.

Was genau war passiert? Sahin berichtet: „Mein Vater und ich haben ein Gartenhäuschen aufgebaut. Ich stand auf der Leiter und habe ein Brett aufgehoben und dabei nicht gemerkt, dass die Leiter zur Seite gekippt ist.“ Er landet seitlich darauf – an seinem Oberschenkel klafft eine tiefe Platzwunde. „Das Bild hat mich ein paar Tage verfolgt“, gesteht Dieckmann – dabei ist er einiges gewöhnt: Er ist Kamerad in der Freiwilligen Feuerwehr Pinneberg und als Ersthelfer ausgebildet. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich so Panik kriege“, sagt er. „Das eigene Kind ist ein ganz anderer Fall.“ Trotzdem handelt er besonnen: „Papa hat eine Decke auf die Wunde gelegt und mich ins Haus getragen“, sagt Sahin. „Er hat am ganzen Körper gezittert“, erinnert sich Dieckmann.

Durch den Tumult merkt der Rest der Familie allmälich, was passiert ist. Sahins Mutter holt Tabletten und den Stoffdino Treci. Dieckmann legt einen Verband an und holt etwas zum Kühlen aus dem Gefrierschrank – „Ich glaube, es war Sauersalat“, sagt Sahin. So finden die Notfallsanitäter die Familie vor, als sie sechs Minuten nach dem Notruf eintreffen – bei zwölf Minuten liegt die Hilfsfrist im Schnitt in Schleswig-Holstein.

Mielke und Singhoff erinnern sich noch genau an Sahin. Singhoff erläutert: „Wir waren eigentlich gerade auf dem Weg zu einem anderen Einsatz. Wir standen günstig, als der Anruf kam.“ Singhoff ist ausgebildeter Notfallsanitäter und an diesem Tag als Zweierteam mit Mielke, die noch in der Ausbildung ist, in einem der sechs Pinneberger Rettungswagen unterwegs. Die Leitstelle wählte sie aus, da sie am dichtesten am Einsatzort dran waren.

Vor Ort schauen sich die beiden die Verletzung an. Singhoff berichtet: „Es hat nur ein bisschen geblutet, aber es war sehr tief. Wir haben entschieden, nicht nach Pinneberg zu fahren, sondern direkt ins Kinderkrankenhaus nach Altona.“ Zwischen dem Pinneberger Regio-Klinikum und dem Kinderkrankenhaus Altona besteht eine Kooperation – Singhoffs Überlegung als verantwortlicher Notfallsanitäter ist, dass Sahin in Altona wegen der kindergerechteren Ausstattung womöglich besser versorgt werden kann. Der Junge kommt auf eine Trage und der Rettungswagen fährt mit Horn und Blaulicht ab. „Wir mussten uns durch einen Stau und Baustellen schlängeln“, erinnert sich Mielke. Trotzdem erreichen sie die Notaufnahme innerhalb von 21 Minuten. Die Behandlung dort erfolgt ebenfalls rasch. Singhoff erläutert: „So eine Wunde hat eine hohe Infektionsgefahr und erfordert eine schnelle Versorgung.“

Was die beiden Notfallsanitäter dann nicht mehr selbst miterleben: „Die Ärzte waren sich nicht sicher, ob sie Sahin lokal betäuben oder unter Narkose setzen sollten“, sagt Dieckmann – Sahin entscheidet sich für die Betäubung. „Ich habe sechs Spritzen bekommen, das hat so gebrannt“, sagt er. Die Krankenschwester lenkt ihn während des Nähens allerdings ab mit einer tiefgründigen Diskussion über Dinosaurier – Treci ist natürlich dabei. „Sie kannte sich so toll aus“, sagt Dieckmann, der noch immer beeindruckt ist.

Nach anderthalb Stunden konnte Sahin das Krankenhaus verlassen. Dafür ist Dieckmann sehr dankbar. „Es war eine Verkettung richtiger Entscheidungen vom Disponenten bis zur Entgegennahme im Krankenhaus“, sagt er. Auch Sahin ist froh, dass es so glimpflich lief. „Jetzt ist alles wieder okay“, sagt er.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen