Freiwilligen-Aktion : Dank Elmshorner Muskelkraft zurückgebracht

Drei Seile, daran jeweils zwei Freiwillige, dazu Helfer mit Absperrbändern und ein Oldtimer-Trecker als Bremswagen – so bewegte sich der Bauwagen durch die Stadt nach Hainholz.
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Drei Seile, daran jeweils zwei Freiwillige, dazu Helfer mit Absperrbändern und ein Oldtimer-Trecker als Bremswagen – so bewegte sich der Bauwagen durch die Stadt nach Hainholz.

Zwei Jahre stand der Bauwagen des Stadtteilvereins Hainholz bei den Urban Gardenern im Kranhausgarten. 50 Helfer zogen ihn nun zurück.

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05. Februar 2018, 12:30 Uhr

Elmshorn | Freiwillige zu finden, um einen zwei Tonnen schweren Bauwagen zu Fuß über die Straßen Elmshorns zu ziehen, das war am Sonntag kein Problem. Im Gegenteil: Der Tross musste regelmäßig anhalten: „Es sind noch Leute da, die ziehen wollen und noch nicht gezogen haben“, verkündete Organisator Michel Gast per Megafon und forderte zum Tauschen auf. An dem grün-blauen Bauwagen waren vorn zwei Seile und ein Gurt befestigt. Jeweils zwei Leute, Erwachsene und Kinder durcheinander, griffen zu und brachten den großen Wagen mit Muskelkraft ins Rollen. Außen liefen Helfer, die mit rot-weißen Flatterbändern den Transport absicherten. Wer gerade nichts zum Ziehen hatte, begleitete den Transport zu Fuß von der Berliner Straße in die Hamburger Straße, dann über den Hainholzer Damm und den Rethfelder Ring auf eine Wiese am Spielplatz zwischen Hochhäusern.

Der Bauwagen gehört dem Stadtteilverein Hainholz, der ihn von der Stadt Elmshorn bekam. Zwei Jahre lang stand er bei den Urban Gardenern im Kranhausgarten, jetzt sollte er zurück: „Er hat unter Vandalismus gelitten“, stellte Michel Gast vom Stadtteilverein fest. Aber wie sollte das schwere Gefährt nach Hause kommen? Aus der Geschichtswerkstatt Hainholz kam schließlich die Idee, viele Helfer zum Ziehen zu animieren. Gestern ging es los, an die 50 Leute fassten mit an und nach zwei Stunden waren genau 1600 Meter – ein Messrad zur exakten Entfernungsmessung war mit dabei – zurückgelegt. Am Ziel gab es als Dank Wurst vom Grill und Salate.

Ganz ohne Motor ging es allerdings nicht: Hans-Peter Krohn aus Heidgraben war mit dem Trecker seines Vaters dabei, einem Oldtimer von 1968. Er fuhr die meiste Zeit am Seil hinter dem Bauwagen her und diente als Bremswagen, um das Gefährt im Notfall schnell und sicher zum Halten zu bringen. Außerdem zog Krohn mit seinem Trecker den Bauwagen durch die Badewanne. Eine besondere Aufgabe erfüllte auch Bettina Hansen, Michel Gasts Mutter: Sobald der Bauwagen stillstand, legte sie einen Holzklotz vor eines der Räder, damit er nicht wegrollte. Alexander Kahl begleitete den Transport mit dem Fahrrad. Auf dem Gepäckträger war ein batteriebetriebenes Megafon befestigt, über das Gast Anweisungen an die Helfer verkündete.

Eine positive Überraschung bereiteten die begleitenden Polizisten den Bauwagen-Ziehern: Sie erlaubten es, die Berliner Straße gegen die Einbahnrichtung zu benutzen. Mit ihrem Streifenwagen sicherten sie das Manöver ab. Das sparte rund 500 Meter gegenüber der eigentlichen Planung mit dem normalen Verkehrsfluss. Das machte die Aktion zwar schneller, aber bei den vielen Freiwilligen war das gar nicht so wichtig, bilanzierte Gast hinterher: „Die Strecke war jetzt eigentlich ein bisschen kurz.“ Immerhin, die Hainholzer Kinder konnten gegen Schluss nochmal ihre Kräfte beweisen: Sie zogen den Bauwagen ohne Hilfe von Erwachsenen etwa 20 Meter weit.

Am Hainholzer Spielplatz soll der Bauwagen erstmal renoviert werden: Dach und Fenster sind undicht, Graffiti sollen entfernt werden. Ideen für die Nutzung gibt es schon viele. Sobald sich ein ehrenamtlicher Betreuer dafür findet, könnte eine Spielzeugausgabe starten. Gast spielt mit dem Gedanken, Jam Sessions auf der ausfahrbaren Plattform des Wagens zu veranstalten. Der nächste Termin steht jedenfalls schon fest: Am 17.  März, bei „Elmshorn macht Putz“, treffen sich die Hainholzer nach zwei Jahren wieder an ihrem Bauwagen.

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