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Pinneberger Tageblatt

16. Dezember 2017 | 18:05 Uhr

"Dahin gehen, wo die Kinder sind"

vom

shz.de von
erstellt am 02.Mai.2013 | 01:14 Uhr

Frage: Mein Verein: Als wir Kinder waren bedeutete das emotionale Bindung. Pure Identifikation. Nach der Schule ab zum Training. Das ist Geschichte. Weil es mehr Freizeitangebote gibt. Weil Schule nur selten noch mittags endet. Wie reagiert der VfL auf diesen Paradigmenwechsel? Hönke: Indem wir dorthin gehen, wo die Kinder sind, nämlich direkt in die Schulen. Richtig ist, dass es schon lange keinen Automatismus mehr gibt, und die Kinder nach der Schule selbstverständlich in den Sportverein gehen. Wehklagen hilft an dieser Stelle aber nicht weiter. Wir haben glücklicherweise die Strukturen, um in die Schulen gehen und Kooperationen eingehen zu können. Der VfL Pinneberg kooperiert mit den Pinneberger Schulen, engagiert sich in der Nachmittagsbetreuung. Wird die Kooperation in Zukunft ausgebaut? Auf jeden Fall! Derzeit führen wir 27 Sport-AG´s an den Pinneberger Schulen durch. Seit 2005 hat der VfL Pinneberg sogar die Trägerschaft der Betreuungsgruppe an der Grundschule Thesdorf übernommen. In diesem Jahr bieten wir erstmalig eine Ferienbetreuung für die Kinder dieser Betreuungsgruppe an. Ein Mitarbeiter von uns bietet Betreuungsangebote an der Johannes-Brahms-Schule an und im letzten Sommer haben wir mit großem Erfolg an allen Pinneberger Grundschulen eine Kinder-Olympiade durchgeführt.

Und die Entwicklung geht weiter. Ich kann mir etwa schulübergreifende Sport-AG´s und sogar die Gründung einer "Schulsportabteilung" im VfL Pinneberg vorstellen. Letztlich ist es sogar möglich, dass wir einen Teil des Schulsportunterrichts abdecken. Welche Rolle spielen Kurzzeitprogramme in Zeiten landauf, landab sinkender Mitgliederzahlen für den VfL Pinneberg? Auch hier haben wir es mit gesellschaftlichen Veränderungen zu tun. Die klassische Mitgliedschaft mit lebenslanger Treue geht zurück. Dafür sehen sich die Menschen, die unser Sportangebot nutzen, verstärkt als Kunden, und erwarten für ihr Geld konkrete Gegenleistungen. Zudem wollen sich viele nicht mehr unbefristet an einen Verein binden.

Diesem Trend, den ich persönlich sehr bedauerlich finde, da er dem Grundgedanken des Sportvereins als Solidargemeinschaft widerspricht, begegnen wir durch Kurzzeitangebote, Kurse und befristete Mitgliedschaften. Sportvereine werden immer mehr als Dienstleistungsunternehmen begriffen. Welche Bedeutung hat der ursprüngliche Vereinsgedanke noch für Sie? Welche das Ehrenamt? Ich persönlich bin davon überzeugt, dass die Werte des gemeinwohlorientierten Sports heute sogar wichtiger denn je sind. Soziale Schlüsselqualifikationen wie etwa Teamgeist, Toleranz, Fairness oder Leistungsbereitschaft werden ins unserem Verein Tag für Tag vorgelebt. In einer Welt, in der jeder nur noch an sich denkt, nehmen Sportvereine eine überaus wichtige Rolle für das Gemeinwohl ein.

Dies gilt insbesondere für das Ehrenamt. Das Ehrenamt ist nach wie vor eine tragende Säule unserer Gesellschaft und unseres Vereines. Ohne ehrenamtliches Engagement könnte unser Verein sein Angebot nicht ansatzweise aufrechterhalten. Haupt- und Ehrenamt ergänzen sich im VfL Pinneberg auf ideale Art und Weise. Alle, die bei uns im VfL Pinneberg tätig sind, sind positiv motiviert und mit Leidenschaft dabei. Es gibt kaum eine gesellschaftliche Kraft, von der soviel Kreativität und Energie ausgeht, wie vom Sport. In der Vergangenheit hakte es immer in der Kommunikation mit dem Bau- und dem Schulamt. Seit Januar hat der Kommunale Servicebetrieb (KSP) das Sagen, wenn es um Sporthallen und Plätze geht. Wie sind die ersten Erfahrungen mit dem KSP? Sehr gut. Von der positiven, offenen und klaren Art von KSP-Chef Jan Gawryluk bin ich begeistert. Dabei hat er mir nicht nur gute Nachrichten übermittelt, wie etwa die Sperrung der neuen Halle an der Johannes-Brahms-Schule. Aber ich war jederzeit über den aktuellen Stand informiert. Schade nur, dass er bald in den Ruhestand geht. Ich hoffe natürlich, dass sein Nachfolger seinen Kommunikationsansatz weiterführen wird. In den vergangenen Jahren nutzte der VfL Sportanlagen auf dem Gelände der Eggerstedt-Kaserne. Damit ist voraussichtlich 2014 Schluss. Bricht dann der Notstand aus? Wir werden dann ganz klar zu wenig Platzkapazitäten zur Verfügung haben. Dieser Umstand ist ein weiterer Beleg dafür, dass wir in Pinneberg dringend einen Kunstrasenplatz brauchen. Ich habe die Hoffnung, dass in unserer Stadt ein neuer Kunstrasenplatz entstehen wird, noch nicht aufgegeben. Gleichzeitig müssen wir gemeinsam mit den anderen Pinneberger Sportvereinen darüber nachdenken, wie wir gemeinsamen die vorhandenen Ressourcen effektiver nutzen können. Hier muss die Stadt unterstützend tätig werden. Ein Blick in die Zukunft: Wo steht der VfL Pinneberg im Jahr 2020? Da wo er hingehört: Mittendrin im sportlichen und gesellschaftlichen Leben unserer Stadt!

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