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Ihre Politkarriere begann beim Bügeln : Cornelia Möhring: Die Linken-Direktkandidatin über Beruf und Familiäres

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Wer ist die Privatfrau hinter der politischen Cornelia Möhring? shz.de hat die Linken-Direktkandidatin besucht.

shz.de von
erstellt am 29.Aug.2017 | 14:30 Uhr

Elmshorn | Cornelia Möhring ist viel unterwegs. Zurzeit mehr als ohnehin schon. Wenn nicht zuhause im Kreis Plön, dann für ihre Partei in Berlin. Und wenn nicht in Berlin, dann im Kreis Pinneberg. Den will sie auch in den kommenden vier Jahren im Bundestag vertreten. Ihre Vertretung für zuhause ist dafür schon eingearbeitet. Aber der Reihe nach:

Geboren wurde Möhring in Hamburg-Altona. Die ersten drei Jahre verbrachte sie im Schanzenviertel. Zur Schule ging es 1966 in Niendorf. „Im letzten Jahrgang, der noch zu Ostern eingeschult wurde“, erinnert sich die 57-Jährige. Auf die Grundschule folgte zunächst das örtliche Gymnasium Bondenwald. Allerdings nur bis zur siebten Klasse. „Ich weiß gar nicht mehr genau wie oft ich die Russisch-Stunden versäumt habe“, sagt Möhring und schaut dabei zur Seite. Heute bereue sie das. Sie musste runter. Mit der mittleren Reife in der Tasche, die sie auf der Realschule Niendorf Markt machte, begann sie eine Ausbildung zur Industriekauffrau. „Eigentlich wollte ich Krankenschwester werden, aber dafür war ich damals mit 16 Jahren leider zu jung“, erklärt sie mit einem Seufzen. Ihr Vater habe ihr deshalb die Ausbildung im Industriebereich nahegelegt. „Weil das in seinen Augen etwas Vernünftiges war“, so Möhring. Weitere berufliche Erfahrungen sammelte sie anschließend bei Mineralölkonzernen oder Verlagen. Länger irgendwo ausgehalten habe sie es aber nirgendwo.

Im Jahr 1992, schrieb sie sich an der Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik (HWP) für ein sozialwirtschaftliches Studium ein. Die Schwerpunkte: Organisationssoziologie und Sozialpsychologie. Als Diplom Sozialwirtin hängte sie im Anschluss den Aufbaustudiengang Sozialökonomie an. Die Schwerpunkte dieses Mal: Feministische Forschung und Frauenarbeit – ebenfalls mit Diplom-Abschluss zur Sozialökonomin.

Seit 2000 ist Möhring als Beraterin in der Organisationsentwicklung und Konfliktbearbeitung und für Betriebs- und Personalräte als Gesellschafterin bei der Beratungsfirma Perspektiven GbR.

Linke-Mitglied seit Tag eins

Ihr politischer Weg begann mit der Gründung der Linkspartei. Mitglied ist sie seit Tag eins. Dabei empfand sie Parteipolitik immer als ein Gräuel. „Anfang der 1980er Jahre hatte ich einen Bezug zur Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend und der Deutschen Kommunistischen Partei. Viel mehr aber auch nicht“, sagt sie und zuckt dabei leicht mit den Achseln. Engagiert und aktiv war sie hingegen schon immer. Beispielsweise im Elternbeirat der früheren Schule ihres Sohnes. „Beim Bügeln habe ich dann damals einen Bericht im Fernsehen über die linke Partei gesehen und dachte mir: Ja, das Projekt ist richtig gut‘“, sagt Möhring und lächelt. Über eine Online-Anmeldung wurde sie Fördermitglied. Nach einer Einladung zu einem Parteitreffen im heimischen Kreis Plön, stellte Möhring fest, dass bei der Vertreterwahl gar keine Frau gewählt wurde. „Als Fördermitglied und Feministin war ich natürlich verwundert, dass keine einzige Frau meine Interessen vertreten sollte“, so Möhring Ein Jahr später ließ sie sich zur Wahl aufstellen.

Bis zum September 2010 war sie eine der beiden Landesvorsitzenden der Linken in Schleswig-Holstein. Bei den Bundestagswahlen 2009 und 2013 konnte die Politikerin über Platz eins der schleswig-holsteinischen Landesliste ihrer Partei in den Bundestag einziehen. Ihre Funktionen: Frauenpolitische Sprecherin und stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion sowie stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Dass dieses politische Engagement viel Zeit in Anspruch nimmt, steht außer Frage. Von der Familie erhält sie trotzdem volle Rückendeckung. „Seit ein paar Jahren haben wir eine bezaubernde Katze, die vertritt mich dort ganz gut. Mein Mann ist also zuhause genug beschäftigt, wenn ich mal wieder unterwegs bin. Außerdem hat er sicherlich auch kein Problem damit, wenn er mal alleine ist und die Dinge tun kann, zu denen er Lust hat“, sagt Möhring und fängt an zu lachen.

In jeder Stadt geht’s erstmal ins Museum

Wenn sie doch einmal Abstand und Zeit zum Entspannen benötigt, malt sie gern. „Früher habe ich auch Skulpturen angefertigt, was mir großen Spaß gemacht hat. Dazu komme ich mittlerweile leider viel zu selten“, sagt sie mit einem Bedauern in der Stimme. Genauso wenig Zeit bleibt für eine weitere Leidenschaft: Segeln. Ansonsten ist sie ebenso gern mit dem Rad unterwegs. „Dabei muss man aber die Welt um einen wahrnehmen können und nicht im Höchsttempo entlang der Radwege fahren“, so Möhring. „Ich möchte ja nicht nach den Magnesiumtabletten hecheln und dabei von E–Bike–Fahrern überholt werden“, ergänzt sie und lacht erneut.

Wenn sie nicht mit dem Drahtesel unterwegs ist, liest sie gern ein gutes Buch. Krimis stehen dabei ganz oben im Kurs. „Nach einem gutem Krimi brauche ich aber immer erst einmal etwas anderes“, so Möhring. Deswegen liegt zurzeit auch die „Traumsammlerin“ von Patti Smith auf ihrem Nachttisch. Für ihren schönsten Ort im Kreis trifft sie sich mit unserer Zeitung im Industriemuseum Elmshorn. „In jeder Stadt, in der ich bislang das erste Mal war, bin ich zunächst ins städtische Museum gegangen. Einfach, um die Geschichte der Stadt besser kennen zu lernen“, erklärt sie und fährt fort: „Die Atmosphäre ist einfach toll. Man erfährt wie wichtig Elmshorn als vermeintlich kleine Stadt damals für die Industrie war“. Möhring ist sogar Fördermitglied des Museums.

„Wobei zu meinem weiteren Lieblingsort auf Helgoland hätte ich Sie auch gern eingeladen, das war aber zu aufwendig“, schiebt Möhring ergänzend nach. „Den Ort liebe ich“. Ein Ort, an dem sie dieses „Da-bin-ich-Gefühl“ bekomme. Und dieses Gefühl möchte sie weiter als Vertreterin des Kreises in Berlin haben. Auch, wenn sie dann weiter viel unterwegs sein wird. Ihr Mann werde sich schon beschäftigen können.

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