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Pinneberger Tageblatt

23. September 2017 | 00:39 Uhr

Cooler Rap gegen Schulbau-Misere

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Protestlied Schüler der Klasse 9 c nehmen Song und Video auf, um auf die maroden Pavillons aufmerksam zu machen

von
erstellt am 07.Jul.2017 | 16:55 Uhr

„Und so wurde uns klar: Hier gibt es kein Zurück. Man verkauft uns hier ein Ghetto/als den neusten Shabby chic./ Seht es endlich ein, dass es bei uns nicht zieht./Wie bescheuert muss man sein, dass man den Unterschied nicht sieht.“ Diese Rap-Zeilen singt Rajk Hammond-Norden (15), während er über das Gelände der Johann-Comenius-Schule (JCS) geht. An den heruntergekommenen Pavillons vorbei.

Die 9  c der JCS hat auf Grundlage von Coolios Rap „Gangsta’s Paradise“ Song und Video selbst produziert. Auch die Musik wurde von den Schülern eigenhändig eingespielt. Die Idee dazu hatte Musiklehrer Arno Gertz. Im Zuge des musisch-ästhetischen Projekts entstand dann dieses kleine Kunstwerk. Drei Monate lang haben die Jungen und Mädchen daran gearbeitet. Mit viel Herzblut. „Es war total schwer. Einmal habe ich den Song der Klasse vorgetragen. Die haben gleich gesagt: So geht das nicht“, erinnert sich Rajk. Viel Freizeit ging drauf: Regisseur Linus Ossmann schnitt das Video zu Hause.

Protest gegen die Schulbau-Misere mal ganz anders. Wenn alles andere nicht hilft und gute Appelle abprallen. Jetzt wehren sich die Schüler: Mit Musik und Texten. Sie greifen zu modernen Medien. Erst kürzlich berichtete Felix von der Laden („Dner“), einer der bekanntesten YouTuber Deutschlands, über Pinnebergs Schulbaumisere. Dann hielt Christoph Wiesner von der Stadtschülervertretung im Rat eine flammende Rede auf die Pressefreiheit. Und mit dem Protestlied machen nun die JCS-Schüler auf die maroden Pavillons an ihrer Schule aufmerksam.

„Wenn die Schüler in die neunten Klassen kommen, haben sie für ein Jahr Unterricht in den Pavillons“, sagt Leiterin Uta Holst-Timm. Oder wie es im Rap heißt: „Doch nachdem ich in der Achten war/hieß es Sachen packen. Und als jeder voll beladen war, wurde klar, welches Spielchen hier im Gange war./Ey, was soll der Scheiß?/Ist das ne Schule hier oder Gangsta’s Paradise“?

Rajk weiß, wovon er singt: „Ein Teil der Fenster in den Pavillons lässt sich nicht öffnen, sie sind zugenagelt. Es kommt keine Luft herein. Die Wände sind versifft“, beschreibt er die Zustände in den maroden Baracken. Die Mängelliste ist lang: Es gibt keinen Wasseranschluss, im Sommer ist es zu heiß und im Winter zu kalt. Keine guten Voraussetzungen für effizienten Unterricht.

Musiklehrer Gertz ist stolz auf seine Schüler: „Es ist beeindruckend. Wir haben die Situation an der Schule künstlerisch verarbeitet. In Rap-Sprache. Es sind Worte, die ich sonst nicht durchgehen lassen würde“, sagte er. „Wenn es um dieses Thema geht, wird man etwas salzig“, ergänzt Rajk augenzwinkernd.

Im Schulausschuss am Mittwoch hatte der Rap der 9c Premiere. Er wurde den Politikern vorgespielt – auch im Hinblick darauf, dass der JCS-Neubau zur Abstimmung stand. Läuft alles nach Plan, sollte das Gebäude, das die Pavillons ersetzen soll, 2020 fertig sein.

Doch die Skepsis bei den Schülern bleibt bestehen: „Allen Schülern der fünften Klassen wurde bis jetzt erzählt, das sie die Ersten sein werden, die in den Neubau kommen. Auch meiner Freundin. Sie kommt jetzt in die elfte Klasse“, sagt Lisa Wolf (14).

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