Springreiten : Cooler Abgang und mutige Premiere

Mutiger Auftritt: Janne Friederike Meyer mit Anna am Großen Wall in Klein-Flottbek.
Mutiger Auftritt: Janne Friederike Meyer mit Anna am Großen Wall in Klein-Flottbek.

Calle Cool verweigert bei letztem Derby-Auftritt in Klein Flottbek zweimal. Janne Meyer von Nachwuchspferd begeistert.

shz.de von
18. Mai 2015, 15:07 Uhr

Hamburg | Wie ein Denkmal stand er oben auf dem großen Wall. Einige Minuten ließ sich Calle Cool vom Hamburger Publikum in Klein Flottbek feiern. Es schien gerade so, als würde sich der stolze, dunkelbraune Holsteiner Wallach final verneigen, Abschied nehmen vom großen Springsport – und sagen wollen: Das war’s jetzt.

2012 und 2014 hatte der 18-Jährige den Hetlinger Springreiter Nisse Lüneburg zum Derbysieg in Hamburg getragen. Am vergangenen Sonntag, bei der 86. Auflage des Traditionsturniers, hatte Calle Cool seinen letzten Auftritt. Einen weiteren, dritten Derbysieg, wie von vielen Experten prognostiziert, ließ er allerdings nicht folgen. Auf dem Großen Wall verweigerte Calle Cool zweimal in Folge den Abstieg und den anschließenden Oxer. Applaus gab es trotzdem. Das Hamburger Publikum hatte nicht vergessen.

Warum aber ausgerechnet das erfahrenste Pferd im Feld den Großen Wall scheute, den es jahrelang mit Bravour meisterte, dafür hatte ein sichtlich enttäuschter Nisse Lüneburg im Anschluss an den kurzen Auftritt mit Calle Cool kaum eine Erklärung: „Er war kurz irritiert. Vielleicht vom Klicken der Kameras am Wall, vielleicht vom Wehen der Fahnen auf dem Wall. Auf jeden Fall habe ich ihn danach nicht mehr in den Griff bekommen.“

Richtig gut in den Griff bekommen hatte hingegen die Schenefelderin Janne Friederike Meyer ihre erst achtjährige unerfahrene Stute Anna. Als hätte sie nie etwas anderes getan, nahm Anna am Sonntag bei ihrer Premiere im Derby-Park die Hürden und rutschte souverän vom Wall. Wie eine Einheit wirkten Pferd und Amazone bereits zuvor bei der zweiten Qualifikation, als ihnen der erste fehlerlose Ritt gelang. Von dem war das Duo auch am Derby-Tag nicht weit entfernt. Lediglich am berüchtigten „Pulvermanns Grab“ leistete sich die mutige Anna - leicht irritiert vom noch ungewohnten Wassergraben - einen Fehler (Einsprung), sodass es nicht zum Stechen reichte – ein guter vierter Platz stand am Ende zu Buche.

Nicht die favorisierten Profis Meyer, Lüneburg, Carsten-Otto Nagel (Wedel) oder Andre Thieme siegten beim Derby, sondern ein Amateur: Altenpfleger Christian Glienewinkel aus Celle gelang vor 20.000 Zuschauern der einzige Nullfehlerritt aller 31 Starter.

Dennoch zeigte sich Janne Meyer zufrieden mit ihrem Auftritt: „Mir ist nach unserem Ritt nach Jubeln zumute. Bei Anna bin ich komplett ohne Worte. Ich bin ohne Sporen und Gerte geritten. Sie hat mich dann einfach mitgenommen.“ Anna, da waren sich am Sonntag viele Springsport-Experten sicher, wird in den kommenden Jahren noch von sich Reden machen.

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