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Kreis Pinneberg : Chefs mit kleinen Unterschieden

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Mann und Frau: Im Interview berichten Marco Petersen und Ann Christin Hahn, beide aus dem Kreis Pinneberg, über die Anforderungen an der Unternehmensspitze.

Kreis Pinneberg | Nur etwa jede dritte Führungskraft in Deutschland war 2012 weiblich (28,6 Prozent), so das Statistische Bundesamt. Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) will deshalb gesetzlich nachhelfen – mit einer Geschlechterquote. „Das Geschlecht ist ein wichtiges Einordnungsmerkmal, wir lernen frühzeitig entsprechend zu denken und zu handeln“, so Celia Letzgus, Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde Halstenbek. Aber gibt es tatsächlich Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Führungskräften? Im Interview ließen uns Marco Petersen, Geschäftsführender Gesellschafter von Mail Boxes Etc. Elmshorn, und Ann Christin Hahn, Geschäftsführerin von LASERmobil in Tornesch, wissen, wie sie im Chefsessel handeln, denken und fühlen.

Wer kümmert sich um Ihre Kinder?
Petersen:
Meine Frau hat einen Teilzeitjob und ist nachmittags für sie da. Morgens bringe ich sie zum Kindergarten und versuche abends rechtzeitig da zu sein, um sie ins Bett zu bringen.
Hahn: Ich habe keine Kinder.

Kind oder Karriere? Mussten Sie sich diese Frage schon stellen?
Petersen: Schwierig. Eher Karriere. Ich bin meinen Mitarbeitern gegenüber verantwortlich. Allerdings müssen geschäftliche Probleme auch mal zurückstecken, wenn familiäre aufkommen. Manchmal lösen sich Probleme aber auch ganz von allein und man muss sich gar nicht erst entscheiden.
Hahn: Die Frage stellt sich mir nicht. Ich bin überzeugt davon, dass sich das nicht gegenseitig ausschließt. Mein Unternehmen existiert seit zehn Jahren und ist stabil genug, dass ich für Kinder kürzer treten könnte.

Welche Anforderungen stellen Sie an sich selbst?
Petersen: Ich möchte immer gewinnen. Das wollte ich früher schon. Ich war Leistungssportler und habe mich immer geärgert, wenn ich zweiter wurde.
Hahn: Dinge so gut zu durchdenken, dass ich in der Lage bin, klare Vorgaben und Abläufe zu definieren. Dabei bin ich innerlich oft ruhelos und spüre einen Drang, der mich antreibt, das Unternehmen weiterzuentwickeln.

Hatten Sie schon immer das Ziel, in einer Führungsposition zu arbeiten?
Petersen:
Ja. Das war mein Anspruch als ich nach Frankfurt ging, um in der Finanzbranche zu arbeiten.
Hahn: Ja, das war immer mein Plan. Den Entschluss, irgendwann ein eigenes Unternehmen aufzubauen, hatte ich bereits gefasst, bevor mein Vater diesen Schritt gegangen ist.

War Ihr beruflicher Weg steinig?
Petersen: Etwas erreichen zu wollen ist immer steinig. Kunden zu überzeugen und für sich zu gewinnen erfordert Ausdauer.
Hahn: Als besonders steinig habe ich ihn nicht empfunden, aber als Unternehmerin bin ich immer wieder in Situationen gekommen, die viel Kraft gekostet haben.

Hatten Sie aufgrund Ihres Geschlechts schon einmal Vor- oder Nachteile?
Petersen: Nein, nicht dass ich wüsste.
Hahn: Es gibt beides. Ich falle als Frau an der Spitze eines technischen Unternehmens natürlich viel mehr auf als ein Mann. Auch hatte ich in den ersten Jahren ein wenig das Gefühl, bei meinen Kunden eine Art Beschützerinstinkt auszulösen. Ich konnte sehr offen sein, ohne dass man mir Fallstricke daraus gebaut hat. Nachteile gab es natürlich auch. Als ich mit Anfang 20 über meine berufliche Zukunft nachgedacht habe, wurden einige Optionen aufgrund des Geschlechts direkt ausgeschlossen. Ich wollte damals im Industrieanlagen- Vertrieb arbeiten. Mir wurde gesagt, dass ich in diesem Beruf männlichen Entscheidern im Alter von mindestens 50 Jahren gegenüber sitzen würde und dass sich viele keine Anlage von einem jungen Mädchen verkaufen lassen würden. Das war aber nicht schlimm, ich habe mich dann für etwas anderes entschieden. Grundsätzlich überwiegen die Vorteile, das liegt wahrscheinlich daran, dass ich die Nachteile nicht bewusst suche oder wahrnehme.

Begegnet man Ihnen mit Vorurteilen aufgrund dessen, dass Sie männlich oder weiblich sind?
Petersen: Nein.
Hahn: Nein.

Welche Eigenschaften sollte eine Führungskraft haben?
Petersen:
Disziplin und Zielstrebigkeit. Aber es ist auch sehr wichtig, Mitarbeiter zu verstehen, da jeder von ihnen individueller Betreuung bedarf. Eine weitere Eigenschaft ist Flexibilität, um Anforderungen, Kunden- und Mitarbeiterwünschen gerecht zu werden. Schubladendenken ist hier fehl am Platz.
Hahn: Eine Führungskraft muss in der Lage sein, zeitnah gute Entscheidungen zu treffen. Sie muss klare Vorgaben und Regeln aufstellen und mit den Mitarbeitern fair umgehen. Ihnen vermitteln, worauf ich Wert lege, zum Beispiel im Umgang mit Kunden und bei der Bearbeitung der Aufträge. Gute Führungskräfte bieten ihren Mitarbeitern Klarheit.

Wie lösen Sie Konflikte unter Mitarbeitern?
Petersen:
Ich versuche, beide Seiten zu hören und zu verstehen. Man sollte reflektieren, ob und welche Kritikpunkte oder Feedback gerechtfertigt sind. Manchmal muss man auch die „Chefkarte“ spielen, wenn man beispielsweise unter Zeitdruck ist, um deutlich zu machen, dass es jetzt so oder so läuft.
Hahn: Ich beobachte zunächst, ob es ein vorübergehender Konflikt ist. Ist das nicht der Fall, suche ich manchmal das Gespräch. Manchmal werde ich aber auch vorher darauf angesprochen, dass es Schwierigkeiten gibt. Mir liegt sehr viel an einer guten Stimmung und einem guten Miteinander im Betrieb. Dieser Zustand ist leider sehr instabil und wird durch jede neue Konstellation neu auf die Probe gestellt.

Woraus schöpfen Sie Kraft und Motivation?
Petersen: Aus der Resonanz der Kunden und aus meiner Familie. Viel Kraft schöpfe ich aus Kurzurlauben, die wir gemeinsam unternehmen.
Hahn: Meine Motivation kommt von innen. Wenn etwas nicht optimal läuft, spüre ich einen inneren Drang, die Situation zu verbessern.

Gab es innerhalb Ihrer Familie berufliche Vorbilder?
Petersen:
Meine Tante, die trotz Rückschlägen ihren Weg gefunden hat.
Hahn: Mein Vater hat sein Unternehmen gegründet, als ich ein Teenager war. Das hat mir gezeigt, welche Klippen auf einen zukommen können – mir aber auch die Scheu vor dem Schritt in die Selbstständigkeit genommen.

Ann Christin Hahn (34) ist Inhaberin und Geschäftsführerin von LASERmobil e.K. in Tornesch, das Laserbeschriftungen und -gravuren sowie einen Messe- und Veranstaltungsservice anbietet. Ursprünglich kommt Hahn aus Neumünster. Sie absolvierte ein Duales Studium an der FH Nordakademie zur Diplom-Wirtschaftsingenieurin und trat mit 21 Jahren  in den elterlichen Betrieb LaserPartner ein. Drei Jahre später gründete sie ihr heutiges Unternehmen. Mit 30 Jahren absolvierte sie berufsbegleitend den Master of Business Administration. Vor wenigen Wochen feierte LASERmobil zehnjähriges Bestehen.

 

Marco Petersen (38) ist seit viereinhalb Jahren Geschäftsführender Gesellschafter von Mail Boxes Etc. (MBE) Elmshorn, einem Versand- und Druckdienstleister. Er hat BWL an der Christian -Albrechts-Universität zu Kiel studiert, ein Auslandssemester in Kalifornien absolviert und schließlich noch einen Master-Abschluss drangehängt. Neun Jahre lang war er in Frankfurt im Bereich Unternehmensübergabe und -finanzierung tätig, zunächst als Berater, dann bei Investoren. Heute lebt er in Itzehoe und hat zwei Kinder (4 und 6 Jahre). Seine Hobbys sind seine Familie und, wenn er Zeit findet, Joggen und Radfahren.
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erstellt am 17.Sep.2014 | 13:45 Uhr

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