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„Christian“ : Chaos bei Notrufen im Kreis Pinneberg

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Technische Probleme und zu wenig Personal: Wer während des Orkans Hilfe benötigte, brauchte vor allem Geduld.

Orkantief  „Christian“ hat im Kreis Pinneberg für den größten Feuerwehreinsatz der vergangenen 20 Jahre gesorgt.  Eines ist bereits jetzt klar: Die Kooperative Regionalleitstelle West, zuständig für die Einsatz-Koordination in den Kreisen Dithmarschen, Steinburg und Pinneberg, hatte massive Probleme, die Vielzahl an Einsätzen zu bearbeiten.

Als am frühen Montagnachmittag die Lage im Kreisgebiet immer ernster wurde, sorgte ein technisches Problem in der Leitstelle für Irritationen unter den Wehren: Es konnte kein Vollalarm ausgelöst werden, die Leitstelle musste dafür auf ihr Ersatz-System zurückgreifen und die Wehren einzeln alarmieren. „Eine Alarmierung war jederzeit möglich, konnte aber nur über eine Rückfallebene erfolgen, so dass es zu einer kurzfristigen zeitlichen Verzögerung   bei der Alarmierung gekommen ist“, sagte Kreissprecher Marc Trampe. Das Problem: Die Verzögerung soll eine halbe Stunde betragen haben.

Auch personell stieß die Leitstelle mit Sitz in Elmshorn an ihre Grenzen. „Es kam aufgrund der Vielzahl der gleichzeitig eingehenden Anrufe teilweise zu erheblichen Wartezeiten“, teilte die Leitstelle  mit. Minutenlang mussten Anrufer warten, bis sie an der Reihe waren. „Zu Spitzenzeiten nahmen bis zu 15 Mitarbeiter Notrufe entgegen, drei weitere gaben  dann die priorisierten Meldungen an die Einsatzkräfte weiter“, heißt es in der Mitteilung. Schichtführer Bernhard Fiolka fügte auf Anfrage hinzu: „Wir konnten nicht mehr Plätze besetzen, als wir haben.“

Trotzdem lief auch in der Folgezeit nicht alles reibungslos. Leidtragende waren etwa die Reisenden eines  Regionalexpresses aus Hamburg: Auf Höhe Pinneberg-Thesdorf wurde ihr Zug am frühen Nachmittag gestoppt, weil die Oberleitung beschädigt war. Der Lokführer verständigte sofort die Leitstelle und bat um Hilfe. Doch nichts passierte. Erst gegen 20 Uhr traf die Freiwillige Feuerwehr Pinneberg ein, um die  40 Insassen zu befreien. Viel zu lange, wie auch Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis auf Anfrage bestätigte: „Das ist ärgerlich gelaufen und tut uns wirklich leid.“ Er habe in seiner Zeit als Bahnsprecher zwar eine solche Wettersituation noch nicht erlebt, doch die Fahrgäste mussten „viel zu lange“ warten. „Wir wollen uns zu gegebenen Zeitpunkt nochmal mit der Leitstelle kurzschließen.“ 

Retter mit mehr als 500 Einsätzen

Orkan „Christian“ sorgte am Montag dafür, dass fast alle 50 Freiwilligen Feuerwehren im Kreis Pinneberg alarmiert wurden. Dazu  leistete auch das THW aus Pinneberg, Barmstedt und Elmshorn Unterstützung. Etwa 800  Kräfte mussten im Kreisgebiet zu weit mehr als 500 Einsätzen ausrücken.

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erstellt am 30.Okt.2013 | 06:00 Uhr

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