Chancen und Schwierigkeiten

30 Sportfunktionäre, Kreismitarbeiter, Flüchtlingskoordinatoren und Integrationslotsen tauschten sich beim Netzwerktreffen in der Kreisverwaltung aus.
30 Sportfunktionäre, Kreismitarbeiter, Flüchtlingskoordinatoren und Integrationslotsen tauschten sich beim Netzwerktreffen in der Kreisverwaltung aus.

Netzwerktreffen „Sport integriert“: Es fehlen noch Integrationslotsen in Uetersen, Tornesch, Quickborn und Barmstedt

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19. Mai 2018, 16:00 Uhr

Sport hat großes Integrationspotenzial, darin waren sich die 30 Teilnehmer des Netzwerktreffens „Sport integriert“ einig. Vertreter des Kreis- und Landessportverbands sowie der Kreisstabsstelle Integration tauschten sich mit den acht Integrationslotsen in Sportvereinen und den Koordinatoren in der Flüchtlingshilfe aus. Es wurde über Erfolge berichtet und über Schwierigkeiten diskutiert.

„Sport bringt Menschen zusammen, Frauen und Männer, Inländer und Ausländer“, sagte der Vorsitzende des Kreissportverbands Sönke-Peter Hansen. Sport gebe Halt und Orientierung, gerade für Jugendliche, und könne es Minderheiten erheblich erleichtern, sich voll akzeptiert zu beteiligen. Um Flüchtlingen und anderen Migranten den Zugang zu sportlichen Angeboten zu erleichtern, hat der Landessportverband vor zwei Jahren das Projekt „Integrationslotsen im Sport“ ins Leben gerufen. Wie Karten Lübbe und Sebastian Reiter, die die Ausbildung dieser Freiwilligen übernehmen, mitteilten, sind landesweit in lokalen Sportvereinen inzwischen 45 und im Kreis Pinneberg acht Integrationslotsen beschäftigt.

„Im Sport sind Menschen verschiedener Herkunft und verschiedener sozialer Hintergründe gleichberechtigt und haben gemeinsam Spaß“, hob Petra Kärgel, Integrationslotsin beim Wedeler TSV, die Bedeutung hervor. Martje Lott von Blau-Weiß 96 Schenefeld berichtete, dass es durch einen Seepferdchen-Kurs gelungen sei, Kindern mit Migrationshintergrund die Angst vor dem Wasser zu nehmen und ihnen die Teilnahme an einem Sommerferienprogramm am See zu ermöglichen. Hassan Waseem hat seine Kricket-Sparte am Kummerfelder SV, in der Menschen aus 13 Nationen miteinander spielen, innerhalb von anderthalb Jahren von 20 auf 100 Mitglieder vergrößern können.

Karsten Tiedemann, Geschäftsführer des Kreissportverbands, wünscht sich eine Ausweitung des Projekts auf alle größeren Vereine: „Es fehlen noch Integrationslotsen in Uetersen, Tornesch, Quickborn und Barmstedt.“ Zugleich betonte er, dass viele Vereine bereits im Hintergrund für ihre Mitglieder integrativ tätig sind.

Unangenehm für alle Beteiligten ist die teils wackelige Finanzierung vor Ort. Die meisten Lotsen sind direkt bei den Vereinen angestellt. Über eine Fortsetzung der ohnehin geringen Aufwandsentschädigung wird in der Kommunalpolitik jährlich neu verhandelt. „Die ausgebildeten Menschen und das funktionierende Netzwerk sind ein großes Kapital“, mahnte Olaf Bastian vom Vorstand des Landessportverbands.

Landrat Oliver Stolz versprach, er werde sich im Hauptausschuss, in dem über die Verwendung des Integrationsfestbetrag verhandelt wird, für Finanzierungsmöglichkeiten einsetzen. Im „Handlungskonzept Integration“ des Kreises ist die „Notwendigkeit einer langfristig planbaren Finanzierung von Integrationslotsen und niedrigschwelligen Integrationsangeboten“ eigens festgeschrieben. Auch heißt es dort, der Kreis „unterstützt bei Bedarf im Rahmen seiner Möglichkeiten“.

Stolz betonte aber auch: „Die Kommunen bekommen Geld für die Integration, und man darf erwarten, dass sich die Lokalpolitiker und Verwaltungsmitarbeiter in den Ämtern zuständig fühlen.“ „Alle Fachabteilungen haben Integrationsverantwortung“, fand auch LSV-Vorstand Bastian. Landrat Stolz erinnerte daran, dass gute Integration zu besserer Bildung und damit zu besseren Chancen auf dem Arbeitsmarkt führe.

Die Lotsen und Flüchtlingskoordinatoren nutzten die Gelegenheit zum Austausch, zum Beispiel darüber, wie mehr Frauen und Mädchen an die Sportangebote herangeführt werden können. Da viele Frauen mit Migrationshintergrund traditionell zu Hause sind, sei allein die Kontaktaufnahme schwer, sagte Lotsin Kärgel. In Wedel habe sich in Kooperation mit der Flüchtlingskoordination das „Walk and Talk“ etabliert, ein Einstiegsprogramm in die Bewegung.


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