CDU lehnt Mahnmal kategorisch ab

Denkmal am Pinneberger Bahnhof: „Jede weitere Kommentierung wäre zu viel“

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27. Januar 2018, 16:39 Uhr

Der Streit um ein Mahnmal für das Denkmal am Bahnhof in Pinneberg geht weiter. „Wir können die ganze Aufregung nicht verstehen“, sagte CDU-Fraktionschef Florian Kirsch. Er hatte gemeinsam mit CDU-Ratsherr Carl-Eric Pudor sowie Leonhard Grevesmühl, kooptiertes Mitglied von der Jungen Union, gestern die Presse zu einem Ortstermin am Denkmal eingeladen. „Wir sind gegen ein Mahnmal. Jede weitere Kommentierung wäre zu viel“, sagte Pudor. Die Menschen sollten sich selbst ein Bild machen. „Es ist der äußere linke Rand, der das Denkmal als kriegsverherrlichend sieht. Aus meiner Sicht ist es das nicht“, sagte Kirsch.

Anlass für den Termin ist die geplante Demo am Dienstag, 30. Januar, zu der die Initiative „Mahnmal statt Kriegerdenkmal am Pinneberger Bahnhof“ eingeladen hat. Um 18 Uhr soll das Denkmal am Bahnhof Pinneberg verhüllt und farbig beleuchtet werden. Mit der Aktion wollen sie ihrer Forderung Ausdruck verleihen, das Kriegerdenkmal durch eine Kommentierung zu ergänzen, um es so zu einem Mahnmal zu machen. „Die Ergänzung soll verhindern, dass das Denkmal je wieder – wie ursprünglich – Krieg verherrlicht und für militaristisches und nationalistisches Denken und Handeln in Anspruch genommen werden kann“, betonte deren Sprecher Jochen Hilbert vor wenigen Tagen. Er erinnerte daran, dass der Grundstein für das Bauwerk ausgerechnet am 20. April 1934 gelegt worden sei – Hitlers Geburtstag.

Ein Mahnmal – die CDU spricht sich dagegen aus. „Wir möchten freies Denken in unserem Land und die Menschen in ihrem Denken nicht erziehen. Jeder Kommentar würde zwangsläufig eine Wertung beinhalten“, sagte der studierte Historiker Pudor. Ein Mahnmal sehe er als eine Quellenverfälschung.

Pudor erinnerte daran, dass es eine Absprache zwischen dem Kommunalen Servicebetrieb und der Unteren Denkmalschutzbehörde gebe. „Es soll eine Tafel – etwa 50 mal 50  Zentimeter groß – angebracht werden mit einem kurzen Text darüber, wann es erschaffen wurde, und woran es erinnern soll: An die Gefallenen und die Vermissten“, führt Pudor aus. Das Denkmal sei zu einer Zeit entstanden, wo Menschen in Pinneberg gelebt haben, deren Angehörige im Krieg gefallen waren und die keinen Ort der Trauer hatten. Das wisse Pudor auch aus seiner Familie: „Viele Menschen haben darunter gelitten.“

Es sei ein Ort zum Gedenken an die Gefallenen des Krieges. „Man findet sie in ganz Deutschland und man sollte die Aussagekraft belassen, die das Denkmal ursprünglich hatte. Jeder sollte sich seine eigene Meinung bilden“, fordert Grevesmühl.

Das gen Himmel gerichtete, bronzene Schwert und der Reichsadler – für die Initiative sind das martialische Symbole des Krieges – Nazi-Ikonografie. Pudor widerspricht dem: „Das Schwert steht nicht nur für Krieg, sondern in der Heraldik für die Gerechtigkeit Gottes. Der Eichenkranz geht auf die germanische Zeit zurück.“ Ein Hakenkreuz am Denkmal wurde später im Zuge der Entnazifizierung entfernt und durch ein Eisernes Kreuz ersetzt. Auch darin sieht Pudor nichts Verfängliches. „Das Eiserne Kreuz geht auf die Befreiungskriege 1813 bis 1815 zurück“, erläutert der Historiker. „Ich kann darin keine nationalsozialistischen Symbole sehen“, betont er.

Für Pudor geht die Kritik zu weit: Auch der Pinneberger Badesee sei zu der Zeit als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme entstanden. „Ich werde nicht auf Autobahnen zu sprechen kommen.“ Für die CDU steht fest: „Wir werden an der Demo nicht teilnehmen“, so Kirsch. Und Pudor gibt zu bedenken, ob die Aktion bei der Denkmalschutzbehörde angemeldet worden sei. „Es könnte bei der Verhüllung zu Beschädigungen kommen.“


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