Aus dem Pinneberger Rat : Carl-Eric Pudor im Interview: „Normal, dass nicht alles klappt“

Carl-Eric Pudor engagiert sich seit 2008 in der Pinneberger Kommunalpolitik.
Carl-Eric Pudor engagiert sich seit 2008 in der Pinneberger Kommunalpolitik.

Interview: CDU-Politiker Carl-Eric Pudor arbeitet auch ohne Ratsmandat weiter in der Fraktion.

shz.de von
04. Juli 2018, 13:00 Uhr

Pinneberg | Carl-Eric Pudor ist eines der Gesichter der Pinneberger CDU. Der Ratsversammlung gehört er jedoch nicht mehr an. Er hatte es aufgrund des Wahlergebnisses nicht mehr geschafft. Im Interview spricht Pudor unter anderem über seine weitere politische Arbeit ohne Ratsmandat und erklärt, vor welchen Herausforderungen Pinneberg steht.

Frage: Sind Sie enttäuscht, dass Sie nicht mehr der Ratsversammlung angehören?
Carl-Eric Pudor: Sicherlich. Wenn man viel Zeit und Kraft in den Wahlkampf investiert hat, um das Mandat zu bekommen und dieses Ziel nicht erreicht, bleibt das nicht aus. Aber auch wenn es im ersten Moment schmerzlich war, akzeptiere ich natürlich das Wahlergebnis.

Werden Sie auch weiterhin politisch aktiv sein?
Ich bin gerade in meinem Amt als stellvertretender CDU-Fraktionsvorsitzender bestätigt worden und werde auf jeden Fall weiter in der Fraktion mitarbeiten, unter anderem in der Teil-Fraktion Stadtentwicklung. Dazu besteht die Möglichkeit, sich in den Fachausschüssen einzubringen.

Was hat Ihnen an der Arbeit im Rat besondere Freude bereitet?
Ich bin jemand, der gerne diskutiert und sich über provokante Thesen austauscht. Deshalb habe ich viele Debatten in der Ratsversammlung genossen.

Was hat Sie geärgert?
Es hat mich genervt, wenn auf populistische Art und Weise Themen forciert wurden. Das kam bei einigen Themen vor. Ich konnte auch nicht nachvollziehen, dass einige Kommunalpolitiker sich öfters fachlichen Erfordernissen und Argumenten nicht zugänglich gezeigt haben.

Wie beurteilen Sie das Wahlergebnis in Pinneberg?
Aus CDU-Sicht lief es durchaus zufriedenstellend. Das Tragische war nur, dass unser Fraktionsvorsitzende nicht den Einzug in die Ratsversammlung geschafft hat. Unser Vorsitzender Florian Kirsch gehört dem Gremium durch den Rückzug von Bernd Hinrichs nun doch noch an. Letzterer wird der Fraktion aber sehr fehlen.

Was ist der Grund für Ihr kommunalpolitisches Engagement?
Ich war schon allein aufgrund des Einflusses meiner Eltern immer ein politischer Mensch. Ein weiterer Grund war sicherlich auch, dass ich im Büro des früheren Bundestagsabgeordneten Ole Schröder arbeitete und gefragt wurde, ob ich mich kommunalpolitisch engagieren wolle.

Politik ist für Sie also Hobby und Beruf?
Ja. Das kann aber manchmal auch ein Problem sein. Wenn ich mich tagsüber beruflich und abends dann ehrenamtlich mit Politik beschäftige, ist das nicht immer nur Spaß. Vor allem dann nicht, wenn manche Kollegen in den Gremien alles bis ins Kleinste ausdiskutieren wollen, obwohl schon sämtliche Argumente ausgetauscht wurden. Dann merke ich, dass ich ein wenig genervt bin – was zugegebenermaßen nicht gut ist.

Wieso ist die CDU Ihre politische Heimat geworden?
Wenn ich ehrlich bin, habe ich das Ole Schröder zu verdanken. Er hat mich motiviert.

Was waren die Höhepunkte und Enttäuschungen während Ihrer Zeit in der Pinneberger Ratsversammlung?
Ein Höhepunkt war sicherlich, dass wir am Ende ohne Enteignungen und weitere Konflikte die Voraussetzungen für die Westumgehung schufen und der Bau nach jahrzehntelangen Diskussionen endlich beginnen konnte. Positiv ist zudem, dass die Weichen für eine finanzielle Konsolidierung gestellt wurden und auch die fehlenden Jahresabschlüsse bald vorliegen. Negativ war aus meiner Sicht, dass einige Projekte, in die viel Zeit investiert wurde, letztendlich doch nicht zustande kamen.

Wie beurteilen Sie die Zusammenarbeit mit der Verwaltung?
Grundsätzlich sehr positiv. Dass nicht alles immer reibungslos klappt, ist völlig normal.

Vor welchen Herausforderungen steht Pinneberg in den kommenden Jahren?
Eine Herausforderung wird sicherlich sein, die Haushaltsabschlüsse endlich hinzukriegen und die finanzielle Situation der Stadt weiter zu verbessern. Wichtig wird außerdem sein, die Schulen und die Sozialeinrichtungen zu modernisieren. Mit der Sanierung der Schulen sind wir auf einem guten Weg. Dadurch kamen aber Investitionen in die Modernisierung zu kurz, zum Beispiel die Verbesserung der digitalen Ausstattung. Da steht aber nicht nur die Stadt, sondern auch das Land in der Pflicht. Bildung ist Ländersache und das Land für die Ausbildung der Lehrer zuständig. Wir können Tablets und Whiteboards kaufen, aber nicht dafür sorgen, dass die Pädagogen damit umgehen können. Die Arbeit mit digitalen Inhalten wird an den Schulen in Zukunft immer wichtiger werden. Kommunen und Land müssen an einem Strang ziehen, um dafür die Voraussetzungen zu schaffen.

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