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Pinneberger Tageblatt

12. Dezember 2017 | 19:48 Uhr

Cáceres und das schwarze Gold

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die Schlemmerhochburg in der Extremadura ist Spaniens offizielle gastronomische Hauptstadt – aber den wenigsten Urlaubern bekannt

shz.de von
erstellt am 27.Feb.2015 | 13:12 Uhr

Chefkoch Toño Pérez mag es bunt und schrill, aber traditionell: Das iberische Spanferkel versteckt er unter neongrüner Wasabi-Erbsencreme. Es folgt eine knallrote Tomaten-Suppe mit Herzmuscheln und ein Eis aus Frühlingszwiebeln. Die Austern serviert Toño würzig-pikant mit dem für die Extremadura typischen Paprikapulver Pimentón. Er kombiniert das heimische Ibérico-Schwein mit Meeresfrüchten wie Riesengarnelen.

So verwandelt der Chefkoch Traditionsgerichte der Extremadura in moderne Geschmacksexplosionen. Mit dieser verfeinerten Regionalküche wurde Toño 2014 nicht nur zum kreativsten Koch Spaniens gewählt. Sein Hotel-Restaurant Atrio in Cáceres im Südwesten des Landes trägt auch zwei Michelin-Sterne. „Bei der Qualität unserer Regionalprodukte kann man aber auch kaum etwas falsch machen“, sagt Toño bescheiden.

Die Stadt ist den wenigsten als Schlemmerhochburg bekannt. „Doch wundern sich die Besucher immer wieder, wie gut man in Cáceres und der Region essen kann“, erzählt der Sternekoch. Kein Wunder also, dass der Verband spanischer Hoteliers und Restaurantkritiker Cáceres als Gastronomie-Hauptstadt 2015 ausgewählt hat. Das ganze Jahr über locken Restaurants mit Regionalspezialitäten und Menüs, bei denen deftige Hirtengerichte wie Migas del pastor mit pikanter Paprikawurst nicht fehlen dürfen. Rebhühner, Hasen, Wildschweine und Hirsche sind feste Bestandteile der Speisekarten.

Starköche aus ganz Spanien werden 2015 nach Cáceres kommen. Es gibt bis zu acht gastronomische Reiserouten durch die Extremadura, auf denen Besucher die regionalen Weine, Käsesorten oder Wurstwaren kennenlernen können. Zudem finden in Cáceres und den umliegenden Dörfern der Provinz Tapas-Wettbewerbe und Volksfeste statt. Im Oktober feiert die Stadt Casar de Cáceres den wohl berühmtesten Käse der Region – den flüssigen Weichkäse Torta del Casar, der aus roher Schafsmilch gemacht wird. In Alcántara dreht sich im Frühling auf traditionellen Schlachtfesten alles um das iberische Eichelschwein.

Warum der legendäre Schinken zu den aromatischsten der Welt gehört, wird Besuchern schnell klar, wenn sie auf der Schinken-Route die Dehesas besuchen. In diesen menschenleeren Eichenwäldern ernähren sich die schwarzen Rassenschweine fast ausschließlich von frischen Gräsern, Wurzeln, Kräutern und am allerliebsten von Eicheln. „Drei Jahre lassen wir den Schinken lufttrocknen“, erklärt der Hersteller Carlos Bautista aus dem Bergdorf Montánchez. Zu Tausenden hängen die Schinkenkeulen von der Decke seiner Trockenkammer – es riecht nach Gras, Schinken, Schimmel, Fett und Kräutern. Die Qualität des Jamón Ibérico hat ihren Preis: 100 Gramm kosten bis zu 30 Euro. Daher nennen die Extremeños ihren Schinken gerne das schwarze Gold.

Cáceres wurde auch aufgrund seiner kulinarischen Vielfalt zur gastronomischen Hauptstadt gewählt. So gibt es Einflüsse aus der arabischen, portugiesischen, kastilischen und jüdischen Küche, erklärt Miguel Angel Gil, Leiter des gastronomischen Hauptstadtprogramms. Im Herbst gibt es auf Volksfesten Gerichte aus der arabischen und jüdisch-sefardischen Küche zu kosten. Die Mönchsritter des Alcántara-Ordens legten mit ihrer Kochkunst sogar eine der Grundlagen der französischen Küche. Napoleons Truppen überfielen 1807 das

Kulinarisch wie touristisch ist Cáceres für Überraschungen gut und will das 2015 auch zeigen. Sogar viele Spanier kennen die gastronomischen Reize der Stadt noch nicht.

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