Tornescherin hat Stammplatz erobert : Bundesligaspielerin aus dem Kreis

Nina Brüggemann spielt seit Anfang der Saison für den Aufsteiger BV Cloppenburg in der ersten Liga .

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16. November 2013, 19:00 Uhr

Training, Uni und wieder Training: „Es ist gar nicht so einfach, alles unter einen Hut zu bringen“, sagt Nina Brüggemann. Die Tornescherin ist die einzige Bundesligaspielerin aus dem Kreis Pinneberg. Seit Anfang der Saison spielt sie für den BV Cloppenburg. „Ich will mich dort in der ersten Liga etablieren“, sagt die Defensivspielerin

Der Start verlief auf alle Fälle vielversprechend. Die 20-Jährige gehörte als Innenverteidigerin zur Stammformation und hat sogar schon einen Treffer erzielt. Einen Rückschlag musste sie allerdings vor kurzem hinnehmen. Beim 2:2 ihrer Cloppenburger gegen Duisburg erlitt sie einen Bänderriss. „Das Jahr ist für mich schlimmstenfalls gelaufen“, befürchtet Brüggemann.

Ihr Vertrag beim Aufsteiger läuft bis 2015. Eigentlich war Brüggemann beim HSV schon fast zur gestandenen Bundesligaspielerin gereift. Doch 2012 erfolgte der Karriereknick, als der HSV seine Erstligatruppe aus finanziellen Gründen abmeldete. Die talentierte 20-Jährige zog es daraufhin für ein Jahr in die USA, wo sie für die Arizona State Sun Devils kickte.

Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten erwies sich fußballerisch eher als Rohrkrepierer. „Die Spielerinnen sind athletischer, hinken aber technisch und taktisch den Europäerinnen hinterher“, analysiert Brüggemann, stellt aber auch fest: „Frauenfußball ist dort richtig angesagt.“

Das gilt mittlerweile auch für Deutschland. Bei Welt- und Europameisterschaften fiebern sowieso Millionen vor den Fernsehern mit. Die Bundesliga rückt ebenfalls immer mehr in den Blickpunkt. So gibt es inzwischen auf Eurosport regelmäßige Live-Übertragungen. Ohnehin sei in den vergangenen Jahren alles professioneller geworden, erklärt Brüggemann. Auch die Leistungsunterschiede zwischen den Spitzenteams und dem Rest seien wesentlich geringer. Selbst Top-Mannschaften wie Wolfsburg, Frankfurt und Potsdam gewinnen ihre Spiele nicht mehr im Vorbeigehen. Aufsteiger Cloppenburg hat einen eher durchwachsenen Start hinter sich. „Wir hatten starke Gegner“, sagt die 20-Jährige. Den Kontakt zu den Niedersachsen stellten ehemalige Mitspielerinnen aus Hamburg her, die ebenfalls in Cloppenburg aktiv sind.

Die Professionalisierung zeigt sich bei den Frauen nicht nur auf dem Spielfeld, sondern auch in anderen Bereichen. So hat Brüggemann beispielsweise einen Berater, der sich unter anderem um ihre Verträge kümmert. Doch das heißt nicht, dass wie bei den Männern riesige Summen zu verdienen sind. „Man kann mit Sicherheit nicht alleine vom Fußball leben“, sagt die bodenständige Tornescherin. Deshalb hat sie ein Studium in Oldenburg begonnen. „Es ist mir wichtig, neben dem Fußball etwas für den Kopf zu tun“, erklärt Brüggemann.

Dass sie dafür häufig mehrmals täglich zwischen Oldenburg und Cloppenburg pendeln muss, nimmt sie in Kauf. Schließlich sei es wichtig, die Ausbildung nicht zu vernachlässigen. Solche Werte seien ihr zu Hause vermittelt worden. Ihr Vater Detlev Brüggemann dürfte auch ihr größter Fan sein.

Der Leitende Verwaltungsbeamte des Amts Pinnau und stellvertretende Vorsitzende des Kreissportverbandes schaut bei den Spielen seiner Tochter zu, wann immer er die Möglichkeit hat.

Internationale Erfahrungen hat die 20-Jährige schon in den Junioren-Nationalmannschaften gesammelt. „Die A-Nationalmannschaft ist natürlich mein Traum“, sagt Brüggemann – aber eben vorerst nur ein Traum. Erst einmal sei es wichtiger, in der Bundesliga konstant gute Leistungen abzuliefern. Wenn das klappt, kommt vielleicht doch irgendwann der Anruf von Bundestrainerin Silvia Neid. Dann wäre Nina Brüggemann nicht nur die einzige Bundesliga-, sondern auch die einzige Nationalspielerin aus dem Kreis.

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