Überraschung in Rellingen : Bürgermeisterin Anja Radtke: Keine weitere Amtszeit

Anja Radtke leitet seit 2010 die Rellinger Verwaltung.
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Anja Radtke leitet seit 2010 die Rellinger Verwaltung.

Rellinger Bürgermeisterin wird im Oktober 2016 nicht erneut antreten. Als Grund nennt sie Substanzverlust und fehlende Ruhepausen.

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13. Mai 2015, 12:00 Uhr

Pinneberg | 15 Monate noch, dann ist Schluss. Rellingens Bürgermeisterin Anja Radtke wird nicht für eine weitere Amtszeit zur Verfügung stehen. Als Grund nannte die 51-Jährige den „Substanzverlust“, den sie in den vergangenen Monaten immer stärker bemerkt habe. Die Fraktionsvorsitzenden nahmen die Entscheidung mit großem Bedauern zur Kenntnis, alle hätten eine weitere Amtszeit begrüßt.

Seit dem 1. Oktober 2010 ist Radtke Bürgermeisterin der Gemeinde. „Es ist eine tolle Aufgabe, die mir viel Freude bereitet“, sagte sie gestern im Tageblatt-Gespräch. Zudem habe sie eine tolle Mannschaft, die Bürger begegneten ihr stets freundlich und auch die Zusammenarbeit mit der Politik laufe rund. Doch das sei nur die eine Seite der Medaille, so Radtke. „Ich bräuchte mehr Erholungsphasen.“ Doch diese seien mit dem Amt, so wie sie es verstehe, nur schwer zu vereinbaren. „Die Bürger verdienen es, dass die Bürgermeisterin immer für sie da ist“, sagte sie. „Und das ist kein 40-Stunden-Job.“

Sie habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, so Radtke. Doch nach reichlicher Überlegung, sei sie zu dem Entschluss gekommen, nicht mehr als Bürgermeisterin zur Verfügung zu stehen. Doch ihr Verzicht sei kein Rücktritt, vielmehr wolle sie die verbleibenden Monate mit gleicher Kraft und Motivation angehen, wie die bisherigen.

Für Montagnachmittag hatte Anja Radtke die Fraktionsvorsitzenden ins Rathaus eingeladen, wo sie ihnen ihre Entscheidung mitteilte. Der Hintergrund: Am Abend wurde während einer Sitzung des Hauptausschusses über die Bildung des Gemeindewahlausschusses gesprochen, laut Radtke der Startschuss für die im Oktober 2016 anstehende Bürgermeisterwahl. „Ich möchte den Parteien die Gelegenheit geben, sich rechtzeitig um einen Nachfolger zu bemühen“, so Radtke.

Fraktionschefs bedauern Entscheidung

Die Fraktionsvorsitzenden reagierten mit großem Bedauern. „Ich habe es befürchtet, bin aber dennoch überrascht, da ich bis zum Schluss gehofft hatte, dass Frau Radtke wieder antritt“, sagte Dieter Beyrle von der CDU. Ihre Arbeit zeichne starkes Fachwissen und Bürgernähe aus. „Sie ist eine Bürgermeisterin zum Anfassen, wie wir sie noch nie hatten“, so Beyrle

„Sehr enttäuscht“ zeigte sich auch Dr. Konrad Wolf von den Grünen, denn Radtke habe sehr gute Arbeit geleistet. „Wir waren rundum zufrieden mit ihr, haben sie sehr geschätzt.“ Insbesondere die Überparteilichkeit der parteilosen Bürgermeisterin sei vorbildlich, so Wolf.

Stets neutral, so hat auch SPD-Fraktionsvorsitzender Gunnar Koltzk Radtkes Umgang mit der Politik erlebt. „Wir hatten ein gutes Verhältnis.“ Es habe nur ganz wenige Punkte gegeben, bei denen es aus SPD-Sicht etwas zu kritisieren gegeben hätte, so Koltzk. Entsprechend hätte er sich gewünscht, dass die 51-Jährige weitermacht.

Über einen möglichen Nachfolger wollten die Lokalpolitiker gestern noch nicht spekulieren. Einig waren sich die Fraktionsspitzen aber bei dem Wunsch, möglichst einen Kandidaten aufzustellen, hinter dem alle Beteiligten stehen.

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