Für den Umweltschutz aktiv : Bürgerinitiative „Aktiver Umweltschutz Ellerhoop“ wird 25 Jahre alt

Die Mitglieder der Initiative haben sich in den vergangenen Jahrzehnten mit zahlreichen Themen auseinandergesetzt. Im Hintergrund: die zahlreichen Aktenberge.
Die Mitglieder der Initiative haben sich in den vergangenen Jahrzehnten mit zahlreichen Themen auseinandergesetzt. Im Hintergrund: die zahlreichen Aktenberge.

Initiative hat sich in der Vergangenheit intensiv mit einer geplanten Mülldeponie, der A20 und der Müllverbrennungsanlage beschäftigt.

shz.de von
19. Mai 2015, 12:00 Uhr

Ellerhoop | Die Bürgerinitiative „Aktiver Umweltschutz Ellerhoop“ wird in diesem Jahr 25 Jahre alt – und kann das Jubiläum zu Recht feiern. „Wir handeln nicht nach egoistischen Motiven, um für uns etwas zu verhindern, sondern im Sinne eines umweltbewussten Verhaltens bei Betrieben und Privatpersonen, um Schaden abzuwenden“, so Karl-Ernst Bürkner, der als Gründungsvorsitzender der Bürgerinitiative (BI) elf Jahre vorstand. Seine Devise: Stets sachlich und fachlich kompetent auftreten, Lösungsvorschläge parat halten und als Vorbild dienen. Richtige Brocken haben sie angepackt, sich intensiv in schwierige Materien eingearbeitet und mit anderen Organisationen zusammen gearbeitet. Ihre Themen: die Mülldeponie, die Müllverbrennungsanlage, die Autobahn 20 und das Trinkwasser.

Die BI wurde gegründet, als der Kreis Pinneberg einen Standort für eine große Mülldeponie suchte. „Es gab mehrere Optionen um Ellerhoop herum, eine sollte sogar am Arboretum gebaut werden“, so Bürkner rückblickend. „Damals kochte bei uns die Wut hoch bei der Vorstellung, von riesigen Bergen voller vergrabenem Müll und versickernden Giften umgeben zu sein“, sagte er. Im Arboretum wurde im Januar 1990 mithilfe der Initiatoren Bürkner und Carola Trepka der Verein von 99 Interessierten gegründet. „Wir wollten nicht inoffiziell agieren“, so Bürkner.

Das Ganze sei jedoch ein Sprung ins kalte Wasser gewesen. Die Mitglieder fuchsten sich in die Aufgabe ein, eine Deponie zu verhindern. Pressearbeit, Gespräche mit Politikern und Toxikologen, regelmäßige Diskussionen mit dem damaligen Landrat Behrend Harms, der eine Deponie befürwortete, Besuche bei Kreistagsversammlungen, Plakate erstellen, Auftritte im NDR-Fernsehen – nichts wurde dem Zufall überlassen. „Uns eröffnete sich eine neue Welt, wir lernten viele interessante Leute kennen“, blickt Bürkner zurück. „Wir mussten jedoch Zeit gewinnen, bis die Verantwortlichen selbst erkannten, dass es sich rechnet, Bauschutt und anderen Müll zu recyceln“, so Bürkner. Die Rechnung ging auf.

Dann kam das Thema Müllverbrennungsanlage der Gesellschaft für Abfallwirtschaft und Abfallbehandlung des Kreises (GAB). „Die Anlage war das größte Unglück im Kreis“, so die Mitglieder, die durch Messungen herausfanden, dass jahrelang ähnlich hohe Dioxinwerte in die Mitte des Kreises Pinneberg geschleudert worden waren wie sie 1976 in Seveso (Italien) nach dem verheerenden Chemieunfall freigesetzt wurden. Die BI setzte die Kreispolitiker unter Druck und legte etwa Zettel auf die Stühle des Kreistags. „In Ihrem Namen wurde und wird der Kreis regelmäßig mit Dioxin verseucht“, stand darauf. Der Kreistag beschloss schließlich die Schließung der Verbrennungsanlage. „Die Betreiber der Anlage haben ihre Schuld nie öffentlich eingestanden, das ist moralisch nicht vertretbar“, so Reimer Schuldt, der die BI 14 Jahre leitete und den Vorsitz am 26. März dieses Jahres an Heiko Hiller abgab. Das nächste Thema war der von der Gemeinde geplante zentrale Trinkwasseranschluss. „Die Politiker kamen damit blitzartig um die Ecke, ohne die Einwohner mitgenommen zu haben“, so Ludwig Wieprecht. Das war für ihn der Grund, in die BI einzutreten. Nach zwei Bürgerentscheiden zugunsten der Erhaltung des Kleinwasserwerks war das Thema durch.

Zur Ruhe kommt die BI nicht: Wieder geht es um die Müllverbrennungsanlage: Die großen Lüfter der Biokompostanlage auf dem Gelände würden Luftschallwellen unterhalb des menschlichen Hörbereichs produzieren, so die BI. Es gebe jedoch Anwohner, die die Geräusche als sehr quälend wahrnehmen. „Wir haben durchgesetzt, dass endlich qualifizierte Messungen der tieffrequenten Geräuschimmissionen auf Kosten der GAB stattfinden“, so die BI. Der Chef der GAB, Jens Ohde, sei ein kooperativer Partner. Betroffene können sich bei Karl-Ernst Bürkner unter (04120) 893 melden. „Bislang gab es für uns immer etwas zu tun. Wir freuen uns über die Erfolge, die allen zugute kommen.“

Dann kam die Planung der A20. Eine Variante sah die Trasse quer durch Ellerhoop vor. Durch die geschützte Bilsbek-Niederung am Arboretum vorbei. „Unser Dorf läge damit genau zwischen der A20 und A23“, sagte Schuldt. Wieder kniete sich die BI gemeinsam mit anderen Initiativen in das Thema. Große Podiumsdiskussionen, Presse und mehr brachten Solidarität aus der Bevölkerung. „Gutachter und Politiker bezeichneten uns als Raumwiderstand“. Heute können die Mitglieder darüber lachen.

Die Müllverbrennungsanlage ließ die BI nicht in Ruhe. „Ab 2010 wurde versucht, die Müllverbrennung in Tornesch-Ahrenlohe von 80.000 Tonnen Müll auf 280.000 Tonnen pro Jahr zu vergrößern“, so Bürkner. Die BI erhielt keine Antwort auf die Frage, woher so viel Müll kommen sollte. Nicht einmal die thermische Verwertung war geplant. Die BI erreichte, dass Ellerhoop klagte und die Gemeinden des Amts Rantzau finanziell beisprangen. „Wir produzierten tonnenweise Einsprüche“, so Schuldt. „Die GAB hat ihre Planungen für eine Million Euro stur durchgezogen, die wir alle über unsere Müllgebühren zu bezahlen hatten“, so Bürkner. „Nachdem erkannt wurde, dass der Standort Ahrenlohe keine wirtschaftliche Müllverbrennung zulässt, warf sie schließlich das Handtuch und verzichtete auf die mittlerweile genehmigte Erweiterung“, so Bürkner. „Wir haben dazu beigetragen, dass der Kreis vor einer riesigen Fehlinvestition bewahrt wurde.“

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen