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Zustellungsproblem : Bürger bekommen keine Post mehr

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Seit Wochen fehlende Brief- und Paketsendungen. Unternehmen verweist auf angespannte Personalsituation.

shz.de von
erstellt am 27.Sep.2017 | 10:00 Uhr

Pinneberg | Ulrike Dürkes ärgert sich. Die Briefkästen der Pinnebergerin und ihrer Nachbarn in der Reihenhausreihe im Hogenkamp sind seit knapp zwei Wochen leer. „Generell bekommen wir nur alle zwei bis drei Tage Post, das ist auch noch in Ordnung. Aber über so einen langen Zeitraum keine Zustellungen zu erhalten, ist dann doch ärgerlich.“ Keine Briefe, Keine Postkarten, keine Rechnungen – teils wichtige Sendungen kommen nicht an. „Meine Nachbarin wartet auf Rechnungen durchgeführter Renovierungen. Ich warte auf Post der Urlaubsvermieterin, der Bank und auf private Post“, sagt sie.

Keine Rückmeldung auf Anrufe und Mails

Auf der Suche nach dem Zustellungsproblem ist Dürkes bei der Post nicht weit gekommen. „Bei der Beschwerdestelle habe ich bereits zwei Mal angerufen und auch eine Mail geschrieben“, sagt sie. „Im Internet habe ich nur eine Nummer gefunden. Ich wurde anschließend an ein Callcenter verwiesen, das meine Beschwerde weiterleiten wollte“, so Dürkes. Eine Rückmeldung hat sie bisher nicht erhalten.

Dürkes und ihre Nachbarn stehen mit diesem Problem nicht allein da. Auch andere Anwohner des Zustellungsbezirks, zu dem unter anderem die Straßen Hogenkamp und Hasenkehre in Pinneberg gehören, beschweren sich. Sie kritisieren , dass Beschwerden bei der Post meist nur eine reibungslose Zustellung für einige Tage, maximal wenige Wochen zur Folge habe. Von „unzumutbaren Zuständen“ und „massiver Verärgerung“ ist die Rede. Außerdem soll die Zustellung in anderen Bezirken reibungsloser und regelmäßiger klappen.

Kommt bei Ihnen noch täglich die Post?

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Martin Petzold, wohnhaft im Tannenweg in Pinneberg, geht ebenfalls gegen das Problem an: „Seit gut einer Woche bekomme ich keine Post. Die bleibt in der Poststelle liegen. Abholen darf ich diese aber auch nicht.“ Der gesamte Bezirk rund um den Voßbarg werde seit geraumer Zeit wenig bis gar nicht befahren. „Wenn da jemand im Urlaub ist, dann liefert auch keiner aus“, so Petzold. In seiner Verzweiflung habe er sogar bei der Kriminalpolizei auf das Problem hingewiesen. „Die konnten allerdings auch nichts für mich tun.“ Die Fälle häufen sich. Auch aus weiteren Städten wie beispielsweise Elmshorn gibt es – nicht nur zuletzt – zunehmend Beschwerden. Hat die Post also schon länger mit Problemen bei der Zustellung zu kämpfen?

Beim Unternehmen gibt es unterschiedliche Ansätze der Erklärung. Martin Grundler, Sprecher der Deutschen Post DHL Group räumte bereits Ende August ein, dass es Schwierigkeiten bei erwarteten Briefen und Paketen geben könne. Er begründet die Probleme mit der seit Anfang August neu eingeführten Praxis der Briefzustellung. Im Kreis Pinneberg seien weniger Zusteller mit Fahrrädern unterwegs. Postsendungen würden stattdessen gemeinsam in Autos zu den Empfängern gebracht. Grundler nennt das eine „Verbundslösung“.

Angespannte Personalsituation

Für Jens-Uwe Hogardt, ebenfalls von der Deutschen Post DHL Group, hat diese Lösung allerdings nichts mehr mit den leeren Briefkästen der Bürger zu tun: „Die Einführung ist nun schon fast zwei Monate her. Zurzeit fehlende Briefe und Pakete haben mit der Verbundslösung nichts gemein. Außerdem haben wir das Auslieferungssystem bereits in vielen ländlichen Räumen umstrukturiert, um effektiver und kostensparender agieren zu können. Das ist also nichts Neues.“

Zwar räumt er ein, dass Firmen- und Gewerbezustellungen höhere Priorität als private Post genießen. Allerdings lägen die aktuellen Zustellungsprobleme gerade im Pinneberger Bereich an der Personalsituation. „Wir hatten gerade im Bezirk rund um den Hogenkamp in der letzten Woche eine Betriebssitzung und zwei personelle Ausfälle“, so Hogardt. Bevorzugte Bezirke – wie es einige Anwohner vermuten –, die problemloser Post ins Haus bekommen, gebe es laut des Pressesprechers ebenfalls nicht. In dieser und der kommenden Woche sollen zwei weitere Zusteller die angehäufte Post ausliefern.

Für Dürkes und ihre Nachbarin Friederike Butendeich steht jedenfalls fest: „So kann es auf Dauer nicht weitergehen. Es muss sich etwas ändern.“ Damit sie und ihre Mitbürger im Kreis zukünftig wieder ihren Briefkasten leeren können.

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