Bürger äußern ihre Bedenken

Der Alwin-Brandt-Stieg soll zur Haupt-Zufahrt des neuen Quartiers ausgebaut werden.
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Der Alwin-Brandt-Stieg soll zur Haupt-Zufahrt des neuen Quartiers ausgebaut werden.

Pläne zur Verkehrsführung im zweiten Bauabschnitt der Hasloher Neuen Mitte stößt bei Anwohnern auf Widerstand

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18. Mai 2018, 16:00 Uhr

Mit so vielen Besuchern hatte Haslohs Bürgermeister Bernhard Brummund (SPD) nicht gerechnet. Etwa 150 Bürger waren am Mittwoch zum Informationsabend „Frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit“ für den zweiten Bauabschnitt der Neuen Mitte im Schulungsraum der Feuerwehr erschienen.

„Wir sind heute Abend hier, um Anregungen, Ideen und Kritik aus der Bevölkerung zu hören“, sagte Brummund während seiner Begrüßung. Eine Sorge konnte er den Anwohnern der Ladestraße und des Alwin-Brandt-Stiegs gleich zu Beginn nehmen: „Sie werden sich an den Kosten für den Ausbau der Straßen nicht beteiligen müssen“, betonte Brummund. Der Finanzausschuss habe der Gemeindevertretung empfohlen, die Straßenausbaubeitragssatzung abzuschaffen. „Da der Beschluss einstimmig erging, ist nicht damit zu rechnen, dass der Gemeinderat anders entscheidet“, sagte Brummund.

Stefan Röhr-Kramer vom Büro WRS Architekten und Stadtplaner erläuterte anschließend das Verfahren des Bebauungsplans und die abschnittsweise Realisierung. „Im Funktionsplan, der die Grundlage für den späteren Bebauungsplan Nummer 22 darstellt, sind zwei Zufahrten zum zweiten Bauabschnitt vorgesehen: als Haupt-Zufahrt der Alwin-Brandt-Stieg, als zweite Zufahrt die Ladestraße“, erläuterte der Stadtplaner.

Entstehen sollen etwa 130 Wohneinheiten. „Die Art der baulichen Nutzung soll die Wohnbebauung sein – was bedeutet, dass auch nicht-störende Betriebe wie etwa Büros dort ansiedeln können, sofern eine Nachfrage besteht“, so Röhr-Kramer weiter.

Wie viel Fläche eines Grundstücks bebaut werden dürfe, werde ebenso festgelegt wie Gebäudehöhen und Gestaltung sowie Materialien der Gebäude. Was nun folge, seien die Fachplanungen. „Das Gelände wird vermessen, Umweltberichte sowie Lärmschutz- und Verkehrsgutachten angefertigt und die Entwässerung geprüft“, kündigte Röhr-Kramer an.

Während der anschließenden Fragerunde wurde deutlich, dass insbesondere Anwohner des Alwin-Brandt-Stiegs und der Ladestraße Bedenken haben angesichts des zunehmenden Verkehrs. „Warum wurde vom ursprünglichen Plan, der die Zufahrt ausschließlich über die Ladestraße vorsah, abgewichen?“, wollte Holger Niklaus wissen. Röhr-Kramer führte aus, dass der Stieg besser zum Ausbau geeignet sei als die Ladestraße. „Außerdem ist es sehr ungünstig, wenn das Wohnquartier nur über eine Anbindung verfügt“, sagte der Stadtplaner. Insbesondere für Einsätze von Rettungskräften oder die Müllabfuhr sei eine zweite Zufahrt wichtig.

Als problematisch sahen Anwohner weiterhin an, dass schon jetzt Begegnungsverkehr in der Bahnhofstraße sehr problematisch sei. „Am Wochenende ist da alles zugeparkt – warum wird nicht die Ladestraße ausgebaut?“, wollte ein weiterer Besucher wissen. Für das Ingenieurbüro Burfeind + Tiensch merkte Nils Burfeind an, dass es noch zu früh sei für derartige Planungen und zunächst Gespräche mit der Straßenverkehrsbehörde geführt werden müssten.

Applaus erntete ein Anwohner der Ladestraße, der das Vorhaben insgesamt in Frage stellte: „Welche Möglichkeiten haben wir, das Vorhaben abzuwenden? Wir brauchen hier Gewerbe, nicht mehr Wohnungen“, war seine Ansicht. Brummund verdeutlichte daraufhin, dass die Gemeindevertretung das Projekt mit klarer Mehrheit bereits beschlossen habe. „Wir haben in der Vergangenheit sehr zurückhaltend gebaut, müssen aber die demographische Entwicklung im Auge behalten“, sagte er. Die Anzahl der Bewohner gehe zurück, damit stünden Leerstände an Kindergärten und Schulen bevor. „Wir haben jetzt wieder eine Geburtenrate von etwa 30 Kindern im Jahr. Wir wären sonst eine schrumpfende Gemeinde“, erklärte Brummund. Es sei eine strategische Entscheidung gewesen, diesen Trend aufzuhalten und ihn umzukehren. „Die Realisierung muss schrittweise erfolgen, so dass der Ort es ertragen kann“, sagte der Bürgermeister weiter. Ob der dritte und vierte Bauabschnitt umgesetzt werde, müsse eine erneute Prüfung zu einem späteren Zeitpunkt ergeben.

Sorgen um die Infrastruktur machte sich ein weiterer Anwohner der Ladestraße: „Die Warteliste des Kindergartens ist beängstigend. Und warum gibt es keine Anbindung nach Norderstedt?“, wollte er wissen. Brummund erläuterte, dass derzeit ein Anbau an den Robinson-Kindergarten für eine weitere Krippengruppe in Planung sei.

„Für die fehlende Ost-West-Verbindung haben wir bereits zwei Anläufe unternommen und sind jeweils gescheitert“, bedauerte er. Als Möglichkeit sehe er die Zusammenarbeit mit Tangstedt, um die Buslinie, die bis dort hin fährt, über Hasloh nach Norderstedt zu verlängern. „Wir werden daran arbeiten und hoffen auf Erfolg“, sagte der Bürgermeister.

„Wir sind ganz bewusst aus der Stadt aufs Land in eine kleine Seitenstraße gezogen – und die wird jetzt zur Haupt-Zufahrt ausgebaut. Das geht auf Kosten derer, die hier schon länger wohnen und könnte ein Grund sein, dass wir wieder wegziehen“, sagte Antje Niklaus. Brummund zeigte sich verständig: „Ich kann das nachvollziehen, aber man kann nicht davon ausgehen, dass Freiflächen immer so bleiben“, sagte er. Dagegen setzte ein Alt-Hasloher: „Ich wohne hier seit 35 Jahren, und es war immer klar, dass dort gebaut werden wird“, sagte er – und erntete auch dafür viel Applaus.

Röhr-Kramer erläuterte, dass im nächsten Schritt die Fachgutachten eingeholt werden. Anschließend würden die ausgereiften Pläne vorgestellt und öffentlich ausgelegt.

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