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Aktion für Kinder : Buchbinderin öffnet Türen für die Maus

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die Uetersenerin macht mit bei „Türen auf für die Maus“ und zeigt Kindern ihr Handwerk.

Uetersen | Wenn die Buchbinderin Regina Wehrs über ihr Handwerk spricht, dann tut sie das mit einem Enthusiasmus und einer Hingabe, dass man glatt überlegen könnte, vielleicht doch noch eine Ausbildung dran zu hängen. Am Freitag, 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit, zeigt sie in ihrer Pappeterie in Uetersen drei Gruppen mit jeweils acht Kindern, wie Bücher gebunden und geprägt werden.

Der Grund: Sie macht mit bei „Türen auf für die Maus“ – eine Aktion des WDR bei dem Kinder Orte besuchen können, die ihnen sonst verwehrt bleiben. Deutschlandweit machen mehr als 600 Unternehmen, Museen, Institutionen, Forschungslabore, Vereine und Werkstätten mit. Bei der Buchbinderei kann man sich nicht mehr anmelden. Alle Plätze waren schnell vergeben. Die Türöffner führen ihre Veranstaltungen komplett in Eigenregie durch. Im Kreis ist Wehrs die einzige, die mitmacht.

Dass es zu der Aktion kam, ist dem Zufall geschuldet: „Okay, ich oute mich jetzt mal“, sagt die 52-Jährige und grinst. Sie sei ein großer Märchen-Fan. Da im Fernsehen vor Aschenputtel, Schneewittchen und Co. immer „Die Sendung mit der Maus“ läuft, habe sie zufällig den Aufruf des WDR gesehen, bewarb sich, und wurde ausgewählt. Sie arbeite ohnehin sehr gerne mit Kindern, stelle ihre Waren auch auf Märkten aus und dann dürften die jungen Besucher ebenfalls selbst kleine Bücher binden. Genau das soll auch am Tag der deutschen Einheit geschehen.

Dass der handwerkliche Beruf ihre Passion – nicht nur ihr Job – ist, wird bereits nach wenigen Sätzen deutlich. „Die Arbeit ist sehr spannend. Jedes kaputte Buch ist anders“, schwärmt sie. Manches sei Routine, besonders genießt sie es, wenn sie „alte Schätzchen“ reparieren kann. „Wenn ich ein Buch schön gemacht habe, und der Kunde grinst danach und geht glücklich raus – da hat man wirklich etwas von.“ Von einer uralten Bibel, über neue Doktorarbeiten, bis hin zu Omas zerflederrtem Kochbuch, das weitergereicht werden soll – Wehrs nimmt sich der Sache an. „Das ist wie russisches Roulette. Man weiß nie, was man bekommt, wenn die Leute mit ihren Platikbeuteln reinkommen.“

Wehrs wollte eigentlich Blumenbinderin werden, aber weil das Arbeitsamt ihr damals aufgrund eines internen Problems in der Behörde kein Praktikum verschafft hatte, versuchte sie es in der Buchbinderei „Bruns“ in Uetersen. Darauf folgte die Ausbildung, der Meisterbrief, und später die eigene Pappeterie mit Werkstatt. Heute ist sie unter der Adresse Große Wulfshagen 18 in Uetersen zu finden.

„Die Sendung mit der Maus“ berichtet über den Tag unter anderem am Freitag, 3. Oktober, 10 Uhr, im Ersten und in der „Sendung mit der Maus“ am Sonntag, 5. Oktober, 9.30 Uhr (Das Erste) und 11.30 Uhr (KiKA). Ob die Buchbindermeisterin auch im Fernsehprogramm zu sehen sein wird, stellt sich erst an dem Tag heraus.

Als Buchbinden bezeichnet man den letzten Arbeitsgang der Buchherstellung nachdem die Druckarbeiten abgeschlossen sind. Zu den einzelnen Arbeitsschritten gehört das Ordnen und Zusammenfügen der Seiten beziehungsweise Lagen – bis zum Versehen des Buchblocks mit einem Einband und der anschließenden Verzierung. Die Buchbinderei als Gewerbe ist im späten Mittelalter entstanden. In Deutschland wird der Beruf des Buchbinders in drei Fachrichtungen ausgebildet: Buchfertigung (Serie), Druckweiterverarbeitung (Serie) sowie Einzel- und Sonderfertigung. Die Ausbildung ist auf drei Lehrjahre angesetzt. Im Laufe der vergangenen Jahre ist die Zahl der Buchbinder stark zurückgegangen. Nach Angaben des Bundes deutscher Buchbinder gibt es heute 1200 handwerkliche Buchbindereien, von denen drei Viertel auf Einzelanfertigungen und kleinere Serien eingestellt sind. Sie sind die Spezialisten für Individuelles. Ihre Kunden sind sowohl Privatpersonen, als auch Bibliotheken.
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erstellt am 01.Okt.2014 | 12:00 Uhr

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