Neue Partnerschaft für die Kreisstadt : Brückenschlag in die Türkei

Sind begeistert von ihrer Delegationsreise nach Sarayköy: Baris Karabacak (hinten, v. l.), Sezen Sezer, Saim Kadir Cetinkaya und Pauline Seyfert (vorn).
Sind begeistert von ihrer Delegationsreise nach Sarayköy: Baris Karabacak (hinten, v. l.), Sezen Sezer, Saim Kadir Cetinkaya und Pauline Seyfert (vorn).

Thema wird im Hauptausschuss beraten. Die Türkische Wochenzeitung Meydan berichtete bereits über den Vorstoß in ihrer aktuellen Ausgabe.

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17. Juni 2015, 16:00 Uhr

Pinneberg/Sarayköy | Fast drei Millionen Menschen mit türkischem Migrationshintergrund leben in Deutschland. In Schleswig-Holstein hat der Kreis Pinneberg die meisten Männer und Frauen mit Migrationshintergrund. Etwa 21.000 sind es insgesamt. „Und in Pinneberg machen türkischstämmige Menschen die zweitgrößte Bevölkerungszahl aus, direkt nach den Deutschen“, sagt Baris Karabacak, Vorsitzender des Vereins Brücke der Kulturen. Etwa 6000 Menschen, deren Vorfahren oder die selbst aus der Türkei nach Pinneberg ausgewandert sind, leben in der Kreisstadt. Der 27-Jährige schlägt jetzt einen Brückenschlag in die Türkei vor.

Die Stadt Sarayköy mit ihren 30.000 Einwohnern soll Pinnebergs künftiger Städtepartner werden. Diese Liaison wäre einzigartig im Kreis Pinneberg und auch in ganz Norddeutschland eher die Ausnahme betont Saim Kadir Cetinkaya, Leiter des Kinder-und Jugendtreffs Komet in Pinneberg. Er ist deutscher und türkischer Staatsbürger. Pinneberg und Sarayköy: „Das wäre ein sehr wichtiger Beitrag zur Völkerverständigung“, betont der Pinneberger Karabacak. Er selbst hat Familie in der türkischen Stadt – und der Pinneberger war bereits mit einer Delegation vor Ort, um sich zu informieren und erste Kontakte zu knüpfen.

Sarayköy befindet sich in der Provinz Deinizli. Die gleichnamige Hauptstadt befindet sich 24 Kilometer nordwestlich. „Die Lage ist sehr ähnlich wie hier in Pinneberg. Nah an einer Großstadt“, sagt Sezen Sezer. Die 39-Jährige vom Verein Brücke der Kulturen, war gemeinsam mit Karabacak, Cetinkaya und Pauline Seyfert von der Jungen Union Pinneberg in der Türkei. Und die vier sind begeistert von ihrem Aufenthalt. Von den Menschen, von der Kultur und von der Gastfreundschaft, die ihnen in Sarayköy entgegengebracht wurde.

So berichtet die türkische regionale Wochenzeitung  Meydan in ihrer aktuellen Ausgabe über die Pinneberger.
So berichtet die türkische regionale Wochenzeitung Meydan in ihrer aktuellen Ausgabe über die Pinneberger.
 

„Wir sind so freundlich empfangen worden. Alle haben sich um uns gekümmert, uns zum Essen eingeladen und wollten wissen, wo wir herkommen“, berichtet Seyfert. „Sie haben sich wirklich für Pinneberg interessiert“, fügt sie hinzu. Sie selbst sei vorher noch nie in der Türkei gewesen. „Und die ganzen Vorurteile, die man als Deutscher vielleicht hat, haben sich überhaupt nicht bestätigt. Alle waren extrem offen und liberal. Und dort haben weniger Frauen Kopftücher getragen als hier“, sagt die Abiturientin.

Am 14. Mai setzte sich die Delegation in den Flieger. Dreieinhalb Stunden waren sie unterwegs. 2870 Kilometer legten sie bis zum Ziel zurück. Verrückt: Damit wäre die Stadt Sarayköy die nächstgelegene Partnerstadt für Pinneberg. „Das ist auch toll für Schulklassen, die dort zum Austausch hinreisen können“, sagt Centinkaya. Rockville in den Vereinigten Staaten ist 6430 Kilometer entfernt, die afrikanische Partnerregion Nzega-Distrikt, Tansania 6034 Kilometer. „Und die Türkei und vor allem die Stadt Sarayköy sind Pinneberg sehr nah. Viele Pinneberger haben dort ihre Wurzeln“, weiß Barbarac. „Wir haben sogar in Sarayköy auf dem Markt einen älteren Herrn aus Pinneberg getroffen, unglaublich“, sagt Sezer und staunt immer noch.

Die Reise der Pinneberger ging auch an den türkischen Medien nicht vorbei: Über den Besuch bei Bürgermeister Ahmet Necati Özbas Pauline berichtete die Regionalzeitung. Und Seyfert, Enkelin des stellvertretenden Bürgermeisters Klaus Seyfert, kam groß raus: „Zufällig war ein Wettbewerb um das schönste Kalb aus der Region“, berichtet die 19-jährige Abiturientin. „Da habe ich dann mitgemacht, es vor der Jury vorgeführt und am Ende sogar den zweiten Platz gemacht“, sagt sie und lächelt. Das Wochenblatt titelte in seiner aktuellen Ausgabe mit der Überschrift: „Baris K. hat sie eingeladen: Mit schwarzen Gummilatschen hat sie ganz Denizli erobert“. Diese Gummilatschen werden traditionell von den Bauern der Region getragen.

Jetzt ist die Pinneberger Politik am Zug. Morgen ist die Partnerschaft Thema im Hauptausschuss. „Ich glaube, dass viele Menschen Freude daran haben werden. Es wäre eine absolute Bereicherung für Pinneberg“, betont Centinkaya. Und Karabacak fügt hinzu: „Wir wissen, wie die Stadt finanziell aufgestellt ist. Die Partnerschaft würden wir ehrenamtlich und durch Spenden auf die Beine stellen.“ Beginn in der Bismarckstraße 8 ist um 19 Uhr.

Die 30.000-Einwohnerstadt  Sarayköy (türkisch für Palastdorf) liegt in der türkischen Provinz Denizli im Westen der Türkei, nahe der Weltkulturerbestätte Pamukkale. In der Stadt sind  zahlreiche Unternehmen aus der Textilbranche ansässig. In der Hauptsache werden Decken, Bett- und Tischwäsche, Gardinen und Vorhänge gewebt. Sehenswürdigkeiten wie die Ahmetli-Brücke über den Fluss Büyük Menderes befinden sich ganz in der Nähe der Stadt.
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