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Bildungsministerin im Interview : Britta Ernst über Inklusion und warum sich Schleswig-Holstein als Vorreiter eignet

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Bildungsministerin Britta Ernst von der SPD spricht im Tageblatt-Interview über Schulassistenten, die Integration von Flüchtlingskindern und über die Qualität an den Schulen in Schleswig-Holstein.

Die Einführung der  Schulassistenten an Grundschulen  gehört zu Ihren ersten  großen Projekten als Bildungsministerin. Wie lautet ihre Bilanz?
Britta Ernst „Die ist sehr positiv. Wir haben jetzt mehr als 500 Personen als schulische Assistenten, die die Grundschulen in Schleswig-Holstein – gerade unter dem Thema Inklusion – unterstützen. Wir wollen ihre Arbeit nach einem Jahr genau aus - und bewerten. Die Rückmeldungen sind bisher durchweg positiv. Die Schulen freuen sich über die zusätzliche Unterstützung. Unsere Perspektive ist es, Schule multiprofessionell zu denken. In der Zukunft arbeiten also Lehrkräfte zusammen mit schulischen Assistenzen, mit Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen und auch anderen Professionen. Denn nur im Team können die Schülerinnen und Schüler optimal unterstützt werden. Wir sind sehr zufrieden und glauben, dass andere Bundesländer verfolgen, was wir hier in Schleswig-Holstein machen.“

Die Schulassistenten gibt es bisher nur an den Grundschulen im Land. Wann kommen sie an den Gemeinschaftsschulen?
„Das muss man diskutieren, ob dieses System auch für die Gemeinschaftsschulen geeignet ist. Die schulischen Assistenzen der Grundschulen wurden mit 13,2 Millionen finanziert. Für den gleichen Betrag werden auch Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter beschäftigt. Sie arbeiten schwerpunktmäßig an den weiterführenden Schulen. Wir werden uns anschauen, wo man mehr Assistentinnen und Assistenten braucht. Den Ausbau in die Sekundarstufe I schließe ich nicht aus.“

Es gibt Befürchtungen, dass die Assistenten die Schulbegleiter verdrängen. Teilen Sie diese Befürchtungen?
„Unterm Strich nicht. Es gibt natürlich immer Entscheidungen, mit denen Eltern nicht zufrieden sind. Das wird im Einzelfall geprüft und gegebenenfalls korrigiert. Wir haben n den Eindruck, dass durch schulische Assistenzen nicht in jeder Stunde Schulbegleitung benötigt wird. Die Schule ist aber insgesamt besser aufgestellt und ich hoffe, dass es sich nach anfänglichen Schwierigkeiten einspielt.

An den Schulen wird die Integration  der Flüchtlingskinder  zusehends zu einem Problem.  Was kann das Land tun?
„Es gibt kein Problem. Wir haben im vergangenen Jahr 8000 Schülerinnen und Schüler in das Bildungssystem Schleswig-Holstein integriert. Wir haben ein gutes System und durch frühere Zuwanderungswellen die DaZ-Zentren (Anm. d. Redaktion: Deutsch als Zweitsprache). Und dieses atmende System hat sich absolut bewährt. Die Flüchtlingskinder bekommen schon in den Erstaufnahmen sprachliche Förderung. Ich finde, dass das hervorragend funktioniert, wenn man sich die Größe der Herausforderung klar macht. Wir sind derzeit dabei, auch an den beruflichen Schulen  DaZ-Stufen einzuführen, weil es dort viele jugendliche Flüchtlinge gibt. Unterm Strich, finde ich, haben wir wenig Probleme.“

Und was müsste generell passieren, um Schleswig-Holsteins Schulsystem noch besser zu machen?
„Wir tun schon sehr viel. Wir haben an unterschiedlichen Stellen nachgesteuert und 728 Lehrer aus freiwerdenden BAfög-Mitteln mobilisiert sowie weitere 240 neue Lehrstellen geschaffen. Wir steuern also bei den Ressourcen nach. Unser Ziel ist es, die Unterrichtsversorgung auf 100 Prozent zu verbessern, denn das klagen Eltern zu Recht ein. Außerdem haben wir wieder eine externe Evaluation eingeführt, das Schulfeedback. Wir wollen schulische Qualität feststellbar machen – und da, wo es geht, nachbessern.“

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erstellt am 08.Mär.2016 | 12:00 Uhr

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