Schenefeld : „Briefmarken sind für mich eine Art Therapie“

Gerd Fulda ist passionierter Briefmarkensammler.
Gerd Fulda ist passionierter Briefmarkensammler.

Das Sonntagsgespräch: Heute mit Gerd Fulda, Vorsitzender des Briefmarkenzirkels Schenefeld

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29. Juni 2014, 15:30 Uhr

Schenefeld | Gerd Fulda ist Gründer und Vorsitzender des Briefmarkenzirkels Schenefeld. Im Sonntagsgespräch erklärt er unter anderem, warum Briefmarken auch für Jugendliche interessant sind.


Wie ist Ihr Interesse für Briefmarken entstanden?
Ich arbeitete lange Zeit im Hotelgewerbe und musste viel Post bearbeiten, auf denen natürlich auch Briefmarken waren. Dabei habe ich die unterschiedlichsten Exemplare kennengelernt und so ist wohl meine Faszination für Briefmarken entstanden.
 

Wann haben Sie mit dem Sammeln begonnen?
Ich war ungefähr 20 als ich mit dem Sammeln anfing. Das Hobby pflegte ich bis zu meinem 73. Lebensjahr. Dann bekam ich einen Schlaganfall. Danach konnte ich zeitweise nicht mehr richtig sehen, nicht mehr gehen und war praktisch völlig funktionsunfähig. Dazu kamen auch noch Depressionen. Ich musste lange kämpfen, um wieder gesund zu werden. Mir fehlte während dieser Zeit einfach die Lust, mich mit Briefmarken zu beschäftigen.
 

Wie kam es, dass Sie sich doch wieder mit Briefmarken beschäftigten?
Ich schlug dem früheren Schenefelder Bürgermeister Günter von Appen vor zehn Jahren vor, einen Jugendzirkel ins Leben zu rufen und stieß damit auf offene Ohren. Räumlichkeiten stellte mir die Stadt zur Verfügung. Ich ging an die Schulen und warb für mein Hobby. Das war anfangs gar nicht so einfach. Nach kurzer Zeit nahm der Briefmarkenzirkel aber Gestalt an, da es in Schenefeld keine vergleichbaren Angebote gab. Viele Händler, die mich kannten, haben mich von Anfang an unterstützt. Pinzetten, alte Marken, Alben, Lupen, Kataloge – ich bekam etliche Materialien, mit denen ich die Jugendlichen motivieren konnte. Viele Betriebe helfen mir immer noch mit gebrauchten Briefmarken.
 

Was macht der Briefmarkenzirkel überhaupt?
Wir sammeln immer am letzten Sonnabend des Monats. Die Stadt stellt uns Räume zur Verfügung. Wir haben in der Straße Achter de Weiden einen geeigneten Platz gefunden, der hell genug zum Tauschen ist. In diesem Jahr richten wir außerdem im Stadtzentrum zum zweiten Mal eine Werbeveranstaltung für unseren Zirkel aus. Inzwischen sind rund 60 Mitglieder dabei. Wir sind aber kein Verein, sondern eine Interessengemeinschaft. Jeder kann kommen und gehen, wie er will.
 

Wie gelingt es, Jugendliche für Briefmarken zu begeistern?
Die Vielfalt der Motive ist enorm. Für Mädchen gibt es Tiere, für Jungen Autos oder Flugzeuge – es ist für jeden Geschmack etwas dabei. Das Interesse der Jugendlichen ist leider größtenteils nicht mehr so ausgeprägt wie früher. Computer oder Handys sind vielen wichtiger.
 

Was bedeutet Ihnen der Briefmarkenzirkel?
Die Arbeit hilft mir, mich zu entspannen und so sind die Briefmarken für mich auch eine Art Therapie. Ich habe mich inzwischen zwar größtenteils erholt. Meine Frau ist aber gesundheitlich angeschlagen und muss täglich betreut werden. Der Briefmarkenzirkel hilft mir, an etwas anderes als an Krankheiten zu denken. Das ist fast eine Art Selbsterhaltungstrieb.
Haben Sie selbst viele Briefmarken?
Ich selbst habe gar nicht mehr so viele Briefmarken. Da ich nach meinem Schlaganfall kurzzeitig mit dem Sammeln aufgehört habe und auch meine Tochter kein Interesse hatte, habe ich die meisten
weggegeben. Viele fragen mich übrigens, was sie mit ihren alten Marken anfangen können. Ich weiß zwar nicht, ob ich ein Experte bin, kenne mich aber auf alle Fälle sehr gut aus und kann viele Ratschläge geben.



 

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