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Pinneberger Tageblatt

19. November 2017 | 18:55 Uhr

Brieflose Wochen

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Im Norden von Pinneberg bekamen die Bürger nur noch sporadisch Post. Anwohner erhielten zum Teil nur einmal die Woche Post und mussten knapp 30 Briefe öffnen . Der Grund: Nach Angaben der Deutschen Post AG wurde ein Verbundsystem für die gemeinsame Zustellung von Briefen und Paketen eingeführt. Die Umstrukturierung liege an den veränderten Kommunikationswegen und sei eine wirtschaftliche Entscheidung, teilt die Post mit.

von
erstellt am 21.Okt.2017 | 16:24 Uhr

Der tägliche Gang zum Briefkasten wurde in Pinneberg in den vergangenen Wochen vermehrt zum Ärgernis. Nicht, weil etwa Rechnungen oder Mahnungen im Briefkasten lagen – ganz im Gegenteil: Der Briefkasten blieb leer.

„Seit dem 4. September bekomme ich einmal die Woche meine Post jeweils in dickeren, gesammelten Packen“, beschwert sich Uwe Kleinig aus der Kreisstadt. Für ihn ist dieser Zustand „nicht hinnehmbar“. Der Pinneberger wohnt im Borsteler Weg. Und bekommt seine Post nun schubweise.

Er sehe das Problem darin begründet, dass die Deutsche Post ihre Zustellung auf ein Verbundsystem – sprich die Zustellung von Paketen und Briefen mit einem Zusteller – umgestellt hat.

Für Kleinig sei darüber hinaus auch der Umgang mit den Kunden ein Kritikpunkt im Zusammenhang mit der ausbleibenden Postzustellung: „Bei der Post in Pinneberg gibt es keinen Ansprechpartner für verärgerte Bürgerinnen und Bürger“, erläutert er seinen Unmut. Noch nicht einmal eine Telefonnummer habe er finden können. „Man fühlt sich hilflos und frustriert“, lautet sein Fazit.

Aber nicht nur er ist von dem Problem betroffen. Auch Niels Jonas kennt das Ärgernis. Der Pinneberger wohnt in der gleichen Straße wie Kleinig. „Seit Ende September habe ich nur säumig Briefe bekommen“, erinnert er sich im Gespräch mit unserer Zeitung. Mittlerweile käme die Post regelmäßig. „Seit vergangenem Montag bekomme ich wieder Briefe – das war fast wie ein Wunder“, sagt er. Allerdings sei der Weg dahin ein langer gewesen. „Ich musste mein Anliegen erst in der Bundespolitik einbringen“, berichtet er. Dafür habe der Pinneberger mit dem SPD-Bundestagsabgeordneten Ernst Dieter Rossmann Kontakt aufgenommen.

Nichtsdestoweniger sei das Verhalten der Post für ihn nicht akzeptabel. „Wer ein solches Monopol aufrecht hält, der muss auch die Leistung erbringen“, so sein Appell an die Deutsche Post AG. Es sei bei ihm vorgekommen, dass sich Briefe aus Hamburg zehn Tage in der Zustellung befänden. „Ich konnte das anhand des Briefstempels nachvollziehen“, so der verärgerte Pinneberger. Zum Glück sei bei ihm keine verheerende Folge eingetreten. „Würde ich auf ärztliche Rezepte oder wichtige Dokumente warten, wäre ich schon längst auf die Barrikaden gegangen“, ergänzt er.

Trotzdem war es eine lästige Zeit für Jonas. „Ich habe hier zum Teil 25 beziehungsweise 27 Briefe auf einmal erhalten, die ich alle lesen musste“, beschwert er sich. Für ihn liege die Schuld dabei aber nicht bei den Bediensteten. „Die Kritik richtet sich an die verantwortlichen Leitenden – die Zusteller können da nichts für.“

Jonas vermutet hinter den Zustellschwierigkeiten Einsparmaßnahmen: „Ich denke mal, dass das alles im Rahmen von Rationalisierungsmaßnahmen und Personalkürzungen stattgefunden hat.“

Seitens der Deutschen Post AG dementiert Maike Wintjen, Pressesprecherin des Unternehmens, die Rationalisierungsmaßnahmen. „Hinter der Einführung des Verbundssystems vor einem Vierteljahr steckt eine wirtschaftliche Entscheidung“, sagt sie. Allerdings hinge das nicht mit Einkürzungsmaßnahmen zusammen. „Ganz im Gegenteil. Jetzt vor dem Saisongeschäft stellen wir mehr Zusteller ein.“

Das Verbundsystem, mit dem jetzt Pakete und Briefe durch ein Zustellfahrzeug verteilt werden, fuße auf der veränderten Kommunikationsweise: „Im Briefverkehr haben wir jährlich einen Rückgang von zwei bis drei Prozent im Bundesgebiet. Dafür hatten wir aber noch nie so viele Paketzustellungen wie aktuell“, bilanziert die Pressesprecherin.

Nichtsdestoweniger verstehe sie den Unmut der Postkunden. „Ja, wir hatten durch die Einführung des neuen Systems ein paar Schwierigkeiten am Anfang“, räumt die Pressesprecherin ein. Das liege unter anderem daran, dass durch die neue Zuschneidung der Gebiete die Zusteller in unbekannten Bezirken arbeiteten, erläutert die Sprecherin der Post.

„Trotzdem erfüllen wir unsere Pflicht aus der Post-Universaldienstleistungsverordnung, die uns vorschreibt, an allen Werktagen zuzustellen“, ergänzt sie. Das Gefühl, keine Briefe zu bekommen, verstehe sie. „Aber nicht jeder bekommt jeden Tag Post. Und Werbung wie zum Beispiel Dialogpost dürfen wir bündeln und erst verschicken, wenn ein vollwertiger Brief zugestellt werden soll – allerdings immer unter der Vorgabe, dass auch Werbung binnen vier Werktagen zugestellt wird“, sagt Wintjen.

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