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Rellingen/Itzehoe : Brandstiftung: Gefängnis für André M.

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Laut einem Sachverständigen ist André M. nicht vermindert schuldfähig. Er sei sich seiner Taten voll bewusst gewesen.

shz.de von
erstellt am 28.Mär.2015 | 15:00 Uhr

Rellingen/Itzehoe | Der Rellinger André M. ist am Freitag vom Schöffengericht in Itzehoe wegen versuchter Brandstiftung in drei Fällen zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren und drei Monaten verurteilt worden. Das Gericht blieb damit unter der Strafe von zwei Jahren und zehn Monaten, die Staatsanwalt Kjell Gasa gefordert hatte. Rechtsanwalt Thomas Pennecke hatte auf Freispruch seines Mandanten plädiert.

Der vorsitzende Richter Dominik Mardorf und seine Schöffen sahen es als erwiesen an, dass André M. am 8. September mehrfach versucht hatte, Autos anzuzünden. Nach dem dritten Versuch griffen Beamte der Kriminalpolizei zu und nahmen ihn fest. Die Polizisten hatten ihn zuvor observiert. Laut einem Sachverständigen ist André M. nicht vermindert schuldfähig. Er sei sich seiner Taten voll bewusst gewesen.

Als Richter Dominik Mardorf das Urteil verkündet, bleibt André M. regungslos: Zwei Jahre und drei Monate Gefängnis, nicht zur Bewährung ausgesetzt. „Es war eine bewusste und gewollte Entscheidung für das Böse“, sagte Mardorf in seiner Begründung. Er und zwei Schöffen waren davon überzeugt, dass André M. am 8. Februar dreimal versucht hatte, ein Auto anzuzünden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Die Verteidigungsstrategie von Rechtsanwalt Thomas Penneke ging nicht auf. Er hatte auf Freispruch plädiert. Sein Argument: Die Ermittler und andere Zeugen vor Gericht seien voreingenommen gewesen. Medienberichte hätten seinen Mandanten als „Feuerteufel“ und „Apfelfest-Bomber“ stigmatisiert. Etliche Aussagen von Kriminalbeamten zog Penneke in Zweifel. Für den Fall eines Schuldspruchs machte er geltend, dass sein Mandant unter dem Einfluss von Beruhigungsmitteln gestanden habe und deswegen vermindert steuerungsfähig gewesen sei. Pennecke kündigte an, das Urteil anzufechten.

Mardorf ließ die Einwände nicht gelten

Mardorf ließ die Einwände nicht gelten. Er sagte: „Die Zeugenaussagen ergeben ein stimmiges Gesamtbild.“ Mit Verweis auf die Aussage eines Gutachters sagte der Richter: „Es gab trotz der möglichen Einnahme von Medikamenten keine Hinweise auf eine verminderte Steuerungsfähigkeit.“ Mardorf attestierte André M. zudem ein hohes Rückfallrisiko. „Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie wieder Straftaten begehen, ist hoch“, sagte er in Richtung des Verurteilten.

Voraussichtlich in der kommenden Woche wird das Landgericht Itzehoe entscheiden, ob es eine weitere Verhandlung geben wird. Es geht um weitere Taten der Rellinger Brandserie. Die Staatsanwaltschaft hat zwei Anklagen formuliert, die zwölf Taten wie Brandstiftung und Sachbeschädigung umfassen. Die Sache wird wohl ebenfalls vor dem Itzehoer Amtsgericht verhandelt. Denn das gestrige Urteil hat bekräftigt: André M. wird voraussichtlich nicht wieder in eine Psychiatrie eingewiesen. Denn wäre das denkbar, müsste vor dem Landgericht verhandelt werden.

Dabei hatte Gutachter Dr. Thomas Bachmann, Arzt an der forensischen Psychiatrie des Klinikums Neustadt, auf Grundlage früherer Untersuchungen eine Persönlichkeitsstörung bei André M. festgestellt. Da sich der Verurteilte jedoch vor der Verhandlung nicht untersuchen lassen wollte, musste der Experte auf frühere Gutachten zurückgreifen, die unter anderem erstellt worden waren, als André M. für mehrere Jahre in einer Psychiatrie behandelt wurde.

Der Gutachter kam zu dem Schluss: eine Psychose, also eine Störung mit Wahnvorstellungen und Realitätsverlust, sei nicht eindeutig feststellbar. Es gebe im Gegenteil Zeichen dafür, dass er sein Verhalten genau reflektiere und Menschen in seinem Umfeld – etwa behandelnde Ärzte in der Psychiatrie – manipuliere. Das seien Merkmale eines Psychopathen.

So habe sich André M. einer Therapie während seines Klinikaufenthalts bis 2013 lange widersetzt, dann aber plötzlich in Aussicht gestellt, sich behandeln  zu lassen, freiwillig in der Klinik zu bleiben und nicht nach Rellingen zurückzukehren. Dies habe ihm eine positive Bewertung gebracht. Für Bachmann sei erstaunlich, dass „die Merkmale eines Psychopathen in der Klinik nicht diskutiert wurden.“ thi

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