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Gute Tänzer mit dem Auge des Tigers : Boxen: In Halstenbek lässt der Nachwuchs die Fäuste fliegen

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Auch der Box-Profi Sebastiano Lo Zito ist regelmäßiger Trainingsgast bei der Halstenbeker Turnerschaft.

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erstellt am 19.Feb.2017 | 10:00 Uhr

Halstenbek | „Gute Boxer sind gute Tänzer und haben das Auge des Tigers“, sagt Frank Lack, Trainer der Boxabteilung der Halstenbeker Turnerschaft schmunzelnd. Immer montags und mittwochs treffen sich Jungen und Mädchen aus der Region in der alten Sporthalle an der Feldstraße. Kondition, Beweglichkeit, Kraft, Schnelligkeit und Selbstbewusstsein will ihnen der Trainer vermitteln.

Lack selbst hat als Jugendlicher mit dem Boxen begonnen und ist schon seit Jahren Trainer, meistens in Hamburg. Nun sorgt er seit einiger Zeit dafür, dass Halstenbek kein weißer Fleck mehr auf der Box-Landkarte ist. Jungen und Mädchen im Alter von zehn bis 23 Jahren eifern Rocky, Klitschko und Co. nach. Beinarbeit, Schlagtechnik, Bewegungsabläufe - Lack zeigt ihnen, worauf es ankommt. Wichtig ist nicht unbedingt der härteste Schlag. „Intelligenz und Kondition schlagen Kraft“, erklärt der Trainer.

Trainer Frank Lack hat die Boxabteilung der Halstenbeker Turnerschaft ins Leben gerufen.
Trainer Frank Lack hat die Boxabteilung der Halstenbeker Turnerschaft ins Leben gerufen. Foto: Lars Zimmermann

So beginnt das Training erst einmal mit der Beinarbeit. Fußstellung, Vor-, Rückwärts- und Seitschritte - wie beim Tanzen wird alles sorgfältig einstudiert. Auch die Schlagbewegungen werden ständig wiederholt. Sogar ein Profi unterstützt die Halstenbeker Turnerschaft. Sebastiano Lo Zito ist häufiger zu Gast und gibt praktischen Anschauungsunterricht, was einen herausragenden Boxer auszeichnet. Lo Zito blieb in seinen bisherigen acht Profikämpfen ungeschlagen und wurde früher selbst von Lack gecoacht. Der Supermittelgewichtler träumt vom deutschen Meistertitel und weiß, worauf es beim Boxen ankommt. „Geduld, viel Training, Wille und Disziplin sind unverzichtbar“, erklärt Lo Zito. „Ein wenig Talent ist natürlich auch nicht schlecht“, fügt er schmunzelnd hinzu. Ohne harte Arbeit sei die Begabung allerdings nutzlos. Wer sich nicht quälen könne, müsse damit rechnen, dass das im Ring der Gegner übernimmt. Zum Boxen kam der Student durch den Film „Rocky“. Nicht umsonst nennt sich Lo Zito auf seiner Facebook-Seite „The Sicilian Stallion“. Rocky Balboa war im Kino schließlich „The Italian Stallion“.

Lo Zitos nächster Kampf steigt am 2. April ab 16 Uhr in der Großen Freiheit 36 in Hamburg. Dabei kann er auch auf die Anfeuerungsrufe seines Fanclubs bauen. „Viele von den Jungs und Mädchen schauen bei meinen Kämpfen zu“, berichtet der Supermittelgewichtler.

Zusammenhalt wird bei der Turnerschaft ohnehin großgeschrieben. „Das ist einfach eine tolle Truppe“, schwärmt Lack. Für ihn ist klar: „Jeder Boxer ist nur so gut wie das Team, das hinter ihm steht.“ In den Ring gehe zwar jeder allein. Aber auf den Kampf müsse man sich vernünftig vorbereiten. Das sei ohne Unterstützung durch Trainer und Sparringspartner unmöglich.

Modar Swwas trainiert ebenfalls mit.
Modar Swwas trainiert ebenfalls mit. Foto: Lars Zimmermann

Lack ist sichtlich stolz auf seine Jungs und Mädchen und freut sich über die regelmäßigen Fortschritte seiner Schützlinge. Der syrische Flüchtling Modar Swwas gehört zu denen, von den er besonders beeindruckt ist. „Das ist einer der bereit ist, nicht nur im Training hart zu arbeiten. Er ist enorm ehrgeizig“, schwärmt er. Das zeigt sich bei der Wahl des Vorbildes. „Muhammad Ali finde ich großartig“, schwärmt Swwas. Schnelle Beine, harte Schläge - das ist nach seiner Auffassung genau die richtige Taktik.

Dass diese nicht immer ganz leicht umzusetzen ist, erfährt Swwas beim Sparring mit Lo Zito. Der bestimmt das Kampfgeschehen und zeigt, wer der „Herr der Ringe“ ist. Sein Gegner schlägt sich jedoch wacker und versucht Lacks Anweisungen umzusetzen. „Raus aus der Ecke“, „Angreifen“, „Deckung nicht vernachlässigen“ – der Coach geht voll mit, unterstützt seine Kämpfer nach Kräften und hat in den Pausen nicht nur Getränke, sonder auch aufbauende Worte parat. Gerade die Sparringsrunden mit Lo Zito bringen seine Schützlinge enorm nach vorne, lobt Lack. „Er ist für die Jungs ein tolles Vorbild“, sagt der Trainer. Beim Sparring besteht Helmpflicht, damit niemand ernsthaft verletzt wird.

Eine starke Truppe: Die Boxabteilung der Halstenbeker Turnerschaft.

Eine starke Truppe: Die Boxabteilung der Halstenbeker Turnerschaft.

Foto: Lars Zimmermann
 

Das „Auge des Tigers“ ist aus Lacks Sicht übrigens nicht nur der martialische Titel eines „Rocky“-Films. „Ohne das Auge des Tigers geht es beim Boxen wirklich nicht“, erklärt er. Der Boxer müsse den Gegner vor dem Angriff wie ein Raubtier fixieren. Der Kontrahent sei schließlich die Beute, die er sich schnappen wolle.

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