Bogenschützen sind in Not

Die Bogenschützen in Borstel-Hohenraden haben Erfolg und gute Laune – doch in bezug auf die Trainingsmöglichkeiten auch viele Probleme.
1 von 3
Die Bogenschützen in Borstel-Hohenraden haben Erfolg und gute Laune – doch in bezug auf die Trainingsmöglichkeiten auch viele Probleme.

Die „Boho-Bogis“ vom TuS Borstel-Hohenraden finden keine Trainingsfläche / Trotz Landesmeisterschaft kurz vor der Auflösung

von
12. Januar 2018, 11:14 Uhr

Beim Training der Bogenschützen des TuS- Borstel Hohenraden in der Johannes-Schneider-Halle ist die Stimmung gut. Es wird gescherzt mit Trainerin Claudia Meik-Pinnow. Die zwölf aktiven Mitglieder der „Boho-Bogis“ sind altersmäßig gut durchmischt: Zwischen zwölf und 75 Jahren sind sie alt. Und erfolgreich: Hanna Ewert (14) ist bereits Landesmeisterin ihrer Altersklasse, Jacob Eller (12) wird dieses Jahr auf der Landesmeisterschaft den TuS vertreten. Und dennoch denkt die Truppe daran, sich aufzulösen. Der Grund sind fehlende Trainingsflächen im Außenbereich. Zwar fanden die „Bogis“ geeignete Flächen, eine Nutzungserlaubnis gab der Kreis Pinneberg aber nicht. Das jahrelange Warten auf angemessene Trainingsmöglichkeiten hat die engagierte Truppe mitlerweile entmutigt. „Ich weiß nicht mehr, wofür wir kämpfen sollen“, sagt Meik-Pinnow. „Bisher waren wir stolz, für Borstel-Hohenraden Gold zu holen. Aber wenn unsere Bemühungen immer auf taube Ohren stoßen, macht es keinen Spaß.“

Große Ansprüche haben die „Boho-Bogis“ dabei nicht. Im Winter, für Hallenturniere, sind die Maße der Turnhalle ausreichend. Doch in der Sommersaison, wenn Turniere draußen stattfinden, muss auch auf längeren Distanzen trainiert werden: 80 Meter Schusslänge sind von Nöten. Dazu brauchen die Schützen eine etwa 100 Meter lange Wiese. Dort stellen sie die Zielscheiben auf, die sie nach jedem Training wieder abbauen. Einzige Bedingung ist, dass dort nicht zu viel sonstiger Betrieb herrscht, um niemanden zu gefährden. Deswegen kommt auch der Außenplatz des TuS nicht in Frage. Auf der Flächensuche haben die „Bogis“ mittlerweile eine Odyssee hinter sich.

2012 vom Schützenverein gegründet, trainierte die Truppe zunächst auf dem Gelände des Schützenhofs. Doch mit fortschreitendem Können wurde die 33 Meter lange Bahn zu kurz. 2014 löste sich der Schützenverein auf und die Bogenschützen fanden beim TuS ein neues Zuhause. Eine passende Bahn konnte allerdings auch der TuS nicht anbieten. 2015 hatten die Schützen von den beengten Verhältnissen genug und lösten sich auf. Doch dann kam das Angebot, die Privatwiese eines Borstel-Hohenradener Bürgers außerhalb des Dorfes zu nutzen. Die „Bogis“ schöpften Hoffnung und beantragten beim Kreisbauamt, auf der Wiese trainieren zu dürfen. Der Kreis untersagte die Nutzung. Die Begründung klingt paradox: Die Flächen außerhalb des Ortes seien für sportliche Nutzung nicht vorbehalten und es dürfe nicht gebaut werden. Zwar wollen die Bogenschützen überhaupt nicht bauen – laut Vorschrift müssten sie aber bauen, wenn sie dort trainieren. Dann nämlich sei es eine Sportanlage, und die braucht Infrastruktur wie Toiletten und Parkplätze. Also bleibt die Wiese ungenutzt.

Im Gespräch mit der Gemeinde fand man eine neue Möglichkeit: die Fläche neben der Feuerwache. Erneut hat das Kreisbauamt die Anfrage der Bogenschützen abgelehnt, denn eine Nutzung für Sport sei nicht vorgesehen. Zwar befindet sich auf dem Gebiet auch eine Skateranlage, diese aber liefe unter der Kategorie „Freizeit“ und sei damit öffentlich. Laut Flächennutzungsplan ist das Grundstück für Schule, Feuerwehr, Kindergarten oder Gemeinde vorgesehen. Die nutzen sie aber momentan nicht. Somit liegt auch diese Wiese liegt weiterhin brach. Sieberkrob wandte sich direkt an den Landrat, mit der Bitte, den Bescheid noch einmal zu überprüfen. „Darauf habe ich nicht einmal eine Antwort bekommen. Das ärgert mich wirklich“, so der Vorsitzende.

Gemeinsam mit Bürgermeister Jürgen Rahn (CDU) hoffen sie nun, diese Fläche wenigstens befristet nutzen zu dürfen – bis das Ortsentwicklungskonzept zur Umsetzung kommt. Dann werde dort eventuell ohnehin angebaut. Dafür bestehe aber bei der allgemeinen Ortsgestaltung die Möglichkeit, das Dorf direkt in Mitsprache mit den Vereinen zu planen. Man hofft also, sich so über die Zeit zu retten. Spätestens im April müssten die Bogenschützen mit der Außendistanz trainieren, denn im Juni sind die Kreis- im Juli die Landesmeisterschaften. Enttäuscht sind Meik-Pinnow und Sieberkrob über die Kommunikation mit dem Amt. „Der Kreis schießt über das Ziel hinaus. Vorschriften werden ohne Verständnis für die Problematik ausgelegt“, so der Vorsitzende.

Kreissprecher Oliver Carstens verteidigt das Kreis-Bauamt: „,Bürokratisch’ lasse ich nicht auf den Kollegen sitzen.“ Die gesetzliche Lage könnten sie aber dennoch nicht übergehen. Letztlich hielte man sich an den Flächennutzungsplan – und über den habe die Gemeinde die Planungshoheit. Das Beste sei es, miteinander zu sprechen: „Die Gemeinde kann gerne noch mal auf uns zukommen, damit man im Gespräch nach einer Lösung sucht“, sagt Carstens. Das sei auch kurzfristig möglich: „Denn offenbar drängt für die Schützen die Zeit.“ Carstens betont: „Das meine ich wortwörtlich und sehr ernst.“

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen