Investor scheitert mit neuen Plänen : Bönningstedter Bauausschuss lehnt Vorschlag für weitere Supermärkte ab

Mehr als 50 Bürger verfolgten die Diskussionen über zwei neue Lebensmittelmärkte an der Kieler Straße.
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Mehr als 50 Bürger verfolgten die Diskussionen über zwei neue Lebensmittelmärkte an der Kieler Straße.

Der Flächennutzungsplan bleibt somit weiterhin unverändert bestehen.

shz.de von
22. Januar 2015, 10:00 Uhr

Bönningstedt | „Sind Sie alle wegen des Geschwindigkeitsmessgeräts hier?“, fragte Björn Kass (CDU) ironisch in die Runde. Dem Vorsitzenden des Ausschusses für Bauwesen und Umweltschutz der Gemeinde Bönningstedt war klar, warum mehr als 50 Bürger in den Sitzungssaal des alten Verwaltungsgebäudes gekommen waren: die Änderung des Flächennutzungsplans für das Gebiet zwischen Kieler Straße, Bahnhofstraße und Ahornstraße – dem bisherigen Standort des Autohauses Bunge.

Der Antragssteller plant, auf der Gesamtnutzungsfläche von 4600 Quadratmetern zwei Lebensmittelmärkte – im Gespräch sind Aldi und Edeka – und einen Drogeriemarkt sowie 138 Pkw-Stellplätze zu errichten. Ein erster Antrag für die Errichtung eines Edeka-Marktes auf einer Fläche von 1800 Quadratmetern war im vergangenen Jahr durch die Landesplanung der Staatskanzlei Kiel ablehnt worden. Am Mittwoch erfolgte der zweite Anlauf des Investors im Gemeinderat mit seinem geänderten Konzept.

Bönningstedts Bürgermeister Peter Liske (BWG) versuchte in der halbstündigen Bürgerfragestunde das Verfahren zu erläutern: „Wenn jemand einen Antrag auf Änderung der Flächennutzung stellt, dann müssen wir das als Gemeinde beraten. Die Gerüchte, dass die Gemeinde bereits über einen Supermarkt entschieden hat, sind falsch.“

Auch der Ausschussvorsitzende versuchte die Gemüter frühzeitig zu beschwichtigen: „Was jemand plant, ist seine Sache. Jeder kann planen was er will. Eine Entscheidung ist hier noch nicht gefallen.“

Das Gemeindeoberhaupt stellte klar, dass maximal eine Änderung der Fläche beschlossen werden könnte – eine erste Entscheidung für spätere Beschlüsse. Die Gemeindevertreter ermöglichten dem Antragsteller seine Pläne zu erläutern – vor allem auch, warum ein zweiter Antrag eingereicht wurde, nachdem der erste abgelehnt worden war.

Vorhandene Supermärkte stärken

„Wir haben die Stellungnahme des Landes auch gelesen und haben unsere eigene Auffassung dazu“, sagte Andreas Krause, Projektentwickler des Investors Zündorf Immobilien aus Hamburg, und ergänzte: „Inhaltlich halten wir die Begründung für nicht richtig und sehen Gesprächsbedarf.“ Das Land hatte argumentiert, dass die mit den bereits bestehenden „attraktiven und ausstrahlungsstarken“ Lebensmittelmärkten die Nahversorgung gesichert sei.

Die Gemeinde habe einst bei der Ansiedlung von Lidl im Kreuzungsbereich der Kieler Straße entscheiden, den dort ansässigen Rewe-Markt zu stärken. „Kein Quickborner oder Pinneberger fährt nach Bönningstedt, um Lebensmittel einzukaufen“, widerlegte Krause aus seiner Sicht die Gefahr der Kannibalisierung anderer Märkte.

„Es wird definitiv in diesem Bereich eine Veränderung geben“, stellte Willi Werner (Bürger für Bönningstedt) klar. Bei einer Entscheidung sollte jeder im Hinterkopf haben, dass eine Alternative kommen könnte, die man noch weniger befürworte. „Ich kann das Entsetzen verstehen, aber wir müssen eine Entscheidung treffen“, sagte der stellvertretende Ausschussvorsitzende.

Uwe Kliewer (bürgerliches Mitglied Bündnis 90/Die Grünen) forderte eine Stärkung des Ortskerns: „Dort haben wir einen Markt, den wir stärken sollten. Was bringt unserem Ortskern ein Aldi am Ortsein- oder –ausgang?“ Zudem frage er sich, was passiere, wenn sich mit Lidl oder Rewe einer der ansässigen Nahversorger zurückziehe.

Bericht über Gespräche in Kiel

Die Grüne-Fraktionsvorsitzende Resy de Ruijsscher konnte den zweiten Antrag nicht nachvollziehen und berichtete von einem Gespräch mit der Landesplanung in Kiel: „Mir wurde gesagt, dass wir die Ablehnung aus dem ersten Antrag eins zu eins übernehmen können.“ Sie kritisierte, dass die Zeit nicht genutzt worden sei, um das Areal mit anderen Planungen voranzubringen.

Krause versuchte sein Projekt zu verteidigen: „Auch ich habe mit der Landesplanung gesprochen. Wenn wir eine Verlegung des Aldi-Marktes und einen Ausbau von 800 auf 1200 Quadratmetern planen, wird das auch aus Kiel positiv bewertet.“ Davon wird sich Bürgermeister Peter Liske selbst überzeugen können.

Der Ausschuss für Bauwesen und Umweltschutz lehnte schließlich die Änderung des Flächennutzungsplanes vorerst ab und beauftrage das Gemeindeoberhaupt, eine Stellungnahme der Landesplanung im Innenministerium des Landes Schleswig-Holstein sowie des Kreises Pinneberg einzuholen. Liske bilanzierte nach der dreieinhalbstündigen Sitzung: „Das ist eigentlich weniger als eine Vertagung.“

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