„Blutsbrüder“ bis in den Tod

Eskalation: Zwischen den ehemaligen Freunden Eddy und Mickey brechen immer mehr Konflikte auf.
1 von 2
Eskalation: Zwischen den ehemaligen Freunden Eddy und Mickey brechen immer mehr Konflikte auf.

Das neue Stück der Pinneberger Musical Company erzählt vom Beginn und dem Ende einer tiefen Freundschaft

shz.de von
09. März 2018, 16:00 Uhr

Eine Frau kniet weinend und verzweifelt zwischen den Leichen ihrer beiden Söhne. Der Auftakt der neuen Produktion „Blutsbrüder“ der Pinneberger Musical-Company ist bedrückend – und nimmt das Ende vorweg. Das Spannende in dem dramatischen Musical ist nicht, dass die Zwillingsbrüder sterben, sondern wie es so weit kommen konnte. Das können die Besucher ab Donnerstag, 15. März, im Cap Polonio, Fahltskamp 48, erleben. Um 19.30 Uhr – Einlass ab 19 Uhr – feiert „Blutsbrüder“ Premiere. Bis Sonnabend, 24. März, wird das Stück zehnmal gezeigt. „Der Vorverkauf läuft gut und die Wochenenden sind ausverkauft, aber unter der Woche gibt es noch Tickets“, sagt Andreas Hettwer. Etwa 65 Prozent der Karten, die es für 20 Euro gibt, ermäßigt 16 Euro, seien bereits verkauft.


Zwei Brüder wachsen getrennt voneinander auf

Darum geht es: Die Putzfrau Mrs. Johnstone (Annika Gebhart, Lisa Westfalen) leidet unter Armut. Sie hat fünf Kinder, erwartet Zwillinge und beschließt, eines der beiden Babys ihrer unfruchtbaren Arbeitgeberin Mrs. Lyons (Nikola Frehsee, Diana Kruse) zu überlassen. Die beiden Söhne Eddie (Pascal Pfeiler) und Mickey (Alessandro Schulze, Clemens Bernhardt) wachsen in höchst unterschiedlichen Verhältnissen auf und wissen nichts von der Existenz des jeweils anderen. Per Zufall lernen sie sich kennen und schließen Blutsbrüderschaft. Wie sie in unterschiedlichen Milieus aufwachsen stellt den Großteil des Stückes von Willy Russell, das 1983 in Liverpool uraufgeführt wurde, dar. Wie es der Zufall will, verlieben sie sich in dasselbe Mädchen. Wegen Linda (Dörte Jüdes, Julia Liebert) geraten die beiden in Streit, aber auch aus Neid und Eifersucht auf das Leben des jeweils anderen.

„Blutsbrüder“ ist die Regiepremiere von Juliane Dawideit. „Ich kenne das Stück sehr gut und hatte immer den Wunsch, es einmal umzusetzen“, sagt sie. Als Jugendliche sah sie die Produktion des Theaters Wedel. „Es war eines der ersten Musicals, die ich gesehen habe“, erinnert sie sich. Das hinterließ Spuren: „Ich habe meine Liebe für Musicals entdeckt und von da an fast mein ganzes Taschengeld für Eintrittskarten ausgegeben.“

Das Musical lief mehr als 20 Jahre im Londoner Westend und gehört zu den beliebtesten und erfolgreichsten Musicals in England. In Deutschland war es allerdings weniger bekannt. „Ich musste die Leute im Verein erst einmal überzeugen, denn keiner kannte das Stück“, sagt Dawideit. Sie setzte sich durch und leitet seit Mai 2017 die Proben. „Ich wollte gerade bei meinem Regie-Debüt früh genug anfangen, da es ein sehr schauspiellastiges Stück ist, bei dem es viel Arbeit gibt“, so Dawideit. Es seien viele Kleinigkeiten, auf die sie achten müsse – die Inhalte der Szenen sorgten für Herausforderungen. „Manchmal gibt es unterschiedliche Vorstellungen zwischen Regie und Darstellern, was eine Szene ausdrücken soll. Da muss man dann abstimmen, damit es im Gesamtkontext passt“, sagt Dawideit. Derzeit gehe es um die Feinabstimmung. Übergänge werden einstudiert und Schauspieler und Band – bisher in getrennten Proben – sollen sich abstimmen. „Es ist wie ein Puzzle, das sich Stück für Stück zusammenfügt.“

Aufgeregt sei sie vor dem Umzug ins Cap Polonio. „Dann erst haben wir das Originalbühnenbild, müssen uns schnell an die Bühnengröße gewöhnen“, sagt Dawideit. Insgesamt 70 Kostüme kommen zum Einsatz, da das Stück das Leben der Zwillingsbrüder von Ende der 1950er Jahre bis in die 1980er Jahre thematisiert. Da muss auch das Umziehen schnell gehen.

„Bei der Regie hat man mehr Verantwortung. Als Darsteller muss man sich vor allem auf seine eigene Rolle konzentrieren“, erläutert Dawideit die Unterschiede zwischen den beiden Positionen. Sie ist sich sicher: Bis zur Premiere wird die Aufregung bei ihr täglich steigen. Was nach den zehn Aufführungen kommt, weiß sie schon genau: „Dann ist erstmal Füße hochlegen angesagt.“

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen