Bis zu 2000 Menschen im Kreis betroffen

kuhs

shz.de von
16. Juni 2014, 15:51 Uhr

Etwa 1500 bis 2000 Menschen sind im Kreis Pinneberg von bipolaren Störungen betroffen. Davon geht Professor Hubert Kuhs (Foto) aus. Er ist Chefarzt an der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik am Regio-Klinikum Elmshorn. 0,5 bis ein Prozent der deutschen Bevölkerung seien erkrankt. „Das ist einer der Schwerpunkte unserer Behandlung“, so Kuhs. Im Normalfall beginne die Krankheit im jungen Erwachsenenalter mit 18 bis 25 Jahren. Männer und Frauen seien gleichermaßen betroffen. Genetische Faktoren können für die Erkrankung laut Kuhs eine Rolle spielen, seien jedoch nicht entscheidend. „Die genauen Ursachen kennen wir noch nicht. Vermutlich ist es eine Stoffwechselstörung im Gehirn. Erkranken kann theoretisch jeder – auch ich.“

Die Patienten hätten manische sowie auch depressive Phasen. In der depressiven Phase haben die Betroffenen Antriebsstörungen, haben zu nichts mehr Lust, leiden unter Appetit- und Schlaflosigkeit, grübeln und „kommen doch nicht weiter“, so Kuhs. „ In der manischen Phase ist der Betroffene distanzgemindert, traut sich unglaublich viel zu, verliert den Boden der Realität. Er kauft vielleicht einen Ferrari, bestellt noch einen zweiten für seine Ehefrau mit, obwohl er den einen weder fahren noch finanzieren kann. Er startet drei Dinge gleichzeitig und kann nichts zuende führen“, erläutert Kuhs. „Es ist eine schlimme Krankheit, wo Patienten sagen: ‚Ich bin völlig außer mir.‘“

Ob die Krankheit gefährlich sei? „Es stirbt niemand daran, aber die Gefahr besteht, dass Patienten so verzweifelt sind, dass sie Suizid begehen oder sich in der manischen Phase finanziell und sozial ruinieren.“ Es habe Fälle gegeben, da versuchten Menschen, aus dem Fenster zu springen, weil sie dachten, sie könnten fliegen. Die Erkrankung sei nicht leicht zu diagnostizieren. Kuhs rät, sich bei Verdacht an niedergelassene Nervenärzte oder eine Klinik zu wenden. Wichtig sei , sich schnell Hilfe zu holen. „Wütet die Erkrankung längere Zeit, ist es für uns ein hartes Stück Arbeit.“ Das Risiko, wieder zu erkranken, bleibe nach Ausbruch der bipolaren Störung bestehen. Bei der Behandlung spielten Medikamente eine wichtige Rolle. Doch Kuhs macht Mut: „Im günstigsten Fall kann der Patient dann phasenfrei durchs Leben gehen.“

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