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Neuer Lebensraum : Biotop- und Artenschutzmaßnahmen im Kreis Pinneberg

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Schäferhof lässt mehr als 100 Kopfweiden zurückschneiden. Baumstümpfe bieten Vögeln und Insekten jetzt einen Lebensraum.

shz.de von
erstellt am 07.Apr.2016 | 10:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Vor etwa 20 Jahren hat das Land Schleswig-Holstein mit Fördermitteln dazu beigetragen, dass entlang der Appener Au, in Nähe des Gestüts Schäferhof, zirka 100 Weiden gepflanzt wurden. Die Bäume stehen dort immer noch, allerdings sind sie derzeit kopflos, denn vor wenigen Wochen stand der Kopfweidenschnitt an. Eine Maßnahme des Biotop- und Artenschutzes, die diesmal vom Kreis Pinneberg mit 1750 Euro bezuschusst wurde, wie Kreispolitiker Helmuth Kruse (Grüne) gestern während eines Vor-Ort-Termins berichtete. Insgesamt kostete der Kopfweidenschnitt auf dem Schäferhof-Areal 3500 Euro, das meiste davon waren laut Schäferhof-Mitarbeiter Gerhard Sonntag, Personalkosten, ein Teil wurde jedoch auch für die nötigen Maschinen und Sägen verwendet. Die Arbeiten hätten insgesamt etwa drei Wochen gedauert. Eine Woche lang seien die großen Äste abgeschnitten worden, in den darauffolgenden Wochen habe es Feinarbeiten gegeben, berichtete Sonntag.

„Wenn die Bäume nicht beschnitten werden, besteht die Gefahr, dass sie auseinander brechen“, erläuterte Jörg Kastrup, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Pinneberg. Die Gefahr bestehe dann, wenn die Triebe der Bäume immer länger und dicker werden, erläuterte Kastrup. Denn dann könne die Kraft, die bei Wind auf die Äste und das Laub wirkt, so stark werden, dass der Baum sich spalte. Um dies zu verhindern, sei es notwendig, Kopfweiden im Abstand von etwa fünf Jahren zu stutzen.

Der Baumschnitt habe jedoch nicht nur für die Weiden selbst einen Nutzen, sagte Kastrup. „In den Stümpfen, die jetzt gut zugänglich sind, können Tiere ihr Nest bauen“, sagte er. Sowohl Vögel als auch Insekten würden die Bäume zu ihrem Lebensraum machen. Aus diesem Grund sei der Kopfweidenschnitt auch nur in der Zeit von Oktober bis Februar erlaubt. „Wenn man jetzt noch an den Bäumen arbeiten würde, könnte es sein, dass man Vögeln ihre Brutstätte herunterschneidet“, sagte Kastrup.

Früher wurden die heruntergeschnittenen Weidenäste zur Herstellung von Körben, Kinderwägen und weiteren Produkten verwendet. „Eine derartige Nutzung ist heute aber nur noch selten“, sagte Kastrup. Für die Appener Äste gebe es jedoch bereits eine Verwendungsmöglichkeit, berichtete Sonntag. „Wir haben seit einiger Zeit ein olzhackschnitzelblockkraftheizwerk auf dem Schäferhof, dafür können wir sie nutzen“, sagte er. Die Menge, die durch den Kopfweidenschnitt zur Verfügung steht, schätzte Sonntag auf etwa 200 Kubikmeter. Das sind etwa zehn Prozent, die für die Heizanlage notwendig sind. „Der Transportweg von der Wiese zum Kraftheizwerk ist auch sehr kurz. Das ist eine fast perfekte Kohlenstoffdioxidbilanz“, lobte Kruse.

Der Kreis Pinneberg fördert auch im kommenden Jahr die Biotop- oder Artenschutzmaßnahmen von Vereinen, Verbänden oder Privatpersonen. Voraussetzung dafür ist, dass die Kosten für das Projekt mindestens 1000 Euro betragen. Die Förderhöhe des Kreises Pinneberg kann 30, 50 oder 80 Prozent der Projektkosten entsprechen. Wer sich um eine Förderung bewerben möchte, muss bis Ende August einen formlosen Antrag an die Untere Naturschutzbehörde bei der Pinneberg Kreisverwaltung, Fachdienst Umwelt, Kurt-Wagener-Straße 11 in 25337 Elmshorn stellen.
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