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Sado-Maso-Prozess in Itzehoe : Biologische Waffen, Stalker und harter Sex

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Der Angeklagte soll eine Frau während ihrer dreiwöchigen Beziehung 2010 im Hausflur seiner Wohnung bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt haben.

shz.de von
erstellt am 17.Okt.2014 | 12:15 Uhr

Ellerhoop / Itzehoe | Der dritte Tag im Sado-Maso-Prozess am Landgericht Itzehoe hat sich gestern zur sprichwörtlichen Räuberpistole entwickelt: Eine 53-jährige Hamburgerin sagte aus, dass der Angeklagte sie während ihrer dreiwöchigen Beziehung 2010 im Hausflur seiner Wohnung bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt habe. Sie berichtete von fünf weiteren Opfern, blauen Augen, Schlägen und Würgeattacken. Als sie dem Gericht miteilte, dass sie seit 43 Jahren von einem Stalker verfolgt werde, bohrte der Vorsitzende Richter Eberhard Hülsing bei der prozesserfahrenen Frau nach. 2012 war sie als „Panscherin vom Isemarkt“ wegen unerlaubter und berufsmäßiger Herstellung von Medikamenten verurteilt worden. Laut Verteidigung sagte sie damals: „Ich bin weltweit die Einzige, die erfolgreich Multiple Sklerose behandelt.“

Nach dem Erhalt der Vorladung habe sie die Geschäftsstelle des Gerichts kontaktiert, da sie von einer „Verschwörung“ gegen den Angeklagten ausging – ausgelöst durch ihren Stalker. Gestern präsentierte sie eine neue Theorie: Der Mann, der sie stalke, sei Chef einer Einbrecherbande und verfüge über Mafiakontakte. Er sei vom Angeklagten beauftragt, sie einzuschüchtern. Am zweiten Prozesstag, am vergangenen Dienstag, hätten sie Männern verfolgt, die „aussahen wie die Führungsriege der Mafia“. Um die „Räuberpistole“ abzurunden, berichtete sie von Angriffen mit „biologischen Waffen“, nachdem sie sich vom Angeklagten getrennt habe. „Viren und Bakterien“ seien in aerosoler Form – wie bei einem Nasenspray – auf sie gesprüht worden. Auch auf dem 350 Meter langem Weg zum Gericht sei sie gestern verfolgt worden. Die notierten Kennzeichen: „SE-X“ und „KI-EZ“. Die Freundin des Angeklagten verzichtete auf ihr Zeugnisverweigerungsrecht, machte ihre Aussage allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Die Verteidigung verlas die Ermittlungsergebnisse eines Detektivs, der einen Ex-Freund des Opfers aufgespürt habe. Dieser habe von hartem SM-Sex während der siebenjährigen Beziehung berichtet. Der Mann soll ebenso wie ein weiterer Ex-Freund am 28. Oktober aussagen und vor allem über die SM-Neigung des vermeintlichen Opfers Aufschluss geben. Denn: Die Ellerhooperin hatte bei ihrer nicht-öffentlichen Vernehmung jegliche – vom Angeklagten beschriebene – SM-Vorerfahrung abgestritten (diese Zeitung berichtete). Die Aussagen der Ex-Freunde sollen helfen, die Glaubwürdigkeit der Ellerhooperin zu beurteilen.

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