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Appen : Biologin sieht Explosionsgefahr auf der Deponie

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Biologin aus Appen befürchtet finanzielle Risiken für den Schäferhof durch die Übernahme. Landesamt für Umwelt sieht keine Gefahr.

Appen | Dass sich Christiane Bergmann nicht intensiv mit der Appener Deponie auseinander gesetzt hätte, kann wohl niemand behaupten. In dem Keller der Biologin sind ganze Regalböden gefüllt mit der Thematik, die auch Bewohner der Gemeinde seit Jahrzehnten umtreibt. Bergmann widerspricht dem Bürgermeister Hans-Joachim Banaschak (CDU), der bei der Einwohnerversammlung Ende Januar verkündet hatte, „das Thema ist durch“. Den neuen Plänen, das Recyclinggelände umzufunktionieren, kann sie wenig abgewinnen.

In den 1990er Jahren saß die 65-Jährige im Gemeinderat und im Umweltausschuss, verfasste selbst Gutachten. Jetzt befürchtet sie, dass der Schäferhof, der das Monitoring der Deponie übernehmen will, die Risiken nicht tragen kann. Explosionen durch Gas, austretende, giftige Flüssigkeiten und kontaminiertes Grundwasser: All dies könnte aus Sicht der Biologin jederzeit passieren.

Etwa 50 Jahre lang war die Deponie in Betrieb. Problematisch sind aus ihrer Sicht vor allem die 1950er Jahre. Denn damals habe man einen Grundwasserteich ausgehoben und diesen mit bislang unbekanntem Müll befüllt. „Es würde mich nicht wundern, wenn da auch ein Auto drin liegt. Kühlschränke sind es auf jeden Fall.“ Mittlerweile ragt die Deponie über den Kirchturm hinaus. Was alles darin lagert, sei ungewiss. „Der Deponiekörper trocknet jetzt aus. Die Giftstoffe wie Arsen und Benzol sammeln sich und sacken nach unten. Und die kommen schubweise raus.“ Gefährlich seien die Gase, die explosionsartig austreten könnten. Sollte es tatsächlich dazu kommen, sei der Schäferhof „finanziell ruiniert“, sagt Bergmann. Dem widerspricht Rainer Adomat, Geschäftsführer des Schäferhofs. „Wir sind nur für Monitoring und Pflege zuständig. Sollte eine Sanierung erforderlich werden, ist das Land Schleswig-Holstein in der Pflicht. Wir übernehmen die Deponie nur, wenn wir das verantworten können.“ Das 25 Hektar große Gelände werde auch weiterhin von Land und Kreis behördlich überwacht. Dass das Grundwasser belastet ist, bestätigt er. „Das Problem ist lange bekannt.“ An vielen Stellen werde regelmäßig Grundwasser entnommen. Von Gasexplosionen will er nichts wissen.

Martin Schmidt, Pressesprecher beim Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume, stimmt ihm zu. „Es gibt keine Gefahr einer Gasexplosion. Es entsteht zwar Deponiegas, das ist aber nicht ungewöhnlich und beherrschbar.“ Derzeit werde an einer Lösung gearbeitet, um das Gas abzuleiten. Die Belastung des Grundwassers sei bekannt. „Das wird ganz genau kontrolliert.“ Im Falle eines Zwischenfalls seien in der Tat Land und Kreis zuständig.

Die neuen Pläne rund um „Schäferhof Recycling Plus“ kritisiert Bergmann ebenfalls und befürchtet Lärmbelästigung für die Bewohner des Schäferhofs und die Anwohner. Geplant ist, gebrauchte Baustoffe verkaufsfähig aufzubereiten und in einem Baumarkt für Gebrauchtes sowie einer Online-Bauteilbörse wieder zu veräußern. „Für mich ist es unerträglich, dass dem Projekt jetzt ein soziales Mäntelchen umgehängt wird“, findet sie. „Für Appen kommt dabei nichts rum als der Dreck“, sagt sie und spielt darauf an, dass keine der beteiligten Firmen in Appen Gewerbesteuer zahlt. Adomat erklärt, dass die Belastungen im gleichen Rahmen seien wie jetzt. Von Beeinträchtigungen wie zu früheren Zeiten der Deponie – davon könne keine Rede sein. „Dann könnte ich doch nicht mehr ruhig schlafen.“ Das Thema steht auch auf der Tagesordnung des Umweltausschuss am Donnerstag, 12. März, um 19.30 Uhr im Bürgerhaus, Hauptstraße 79 in Appen.

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erstellt am 05.Mär.2015 | 16:00 Uhr

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