„Bin in Halstenbek gut angekommen“

Bürgermeister Claudius von Rüden (SPD) ist überrascht und begeistert vom ehrenamtlichen Engagement in der Gemeinde.
Bürgermeister Claudius von Rüden (SPD) ist überrascht und begeistert vom ehrenamtlichen Engagement in der Gemeinde.

Interview mit Halstenbeks Bürgermeister Claudius von Rüden (SPD) über sein erstes Jahr in der Baumschulgemeinde

shz.de von
17. Januar 2018, 16:00 Uhr

Claudius von Rüden (SPD) ist seit dem 1.  Februar 2017 Bürgermeister in Halstenbek. Im Interview mit unserer Zeitung spricht er über seine ganz persönlichen Höhepunkte in den vergangenen zwölf Monaten und erklärt, wie in der Baumschulgemeinde die Integration von Flüchtlingen gelingen soll.

Frage: Sie sind seit fast einem Jahr Bürgermeister. Wie fällt Ihre Bilanz aus?
Claudius von Rüden (SPD): Nach fast einem Jahr kann ich einschätzen, was die Bürger von mir erwarten und ich weiß auch, was mir wichtig ist. Beides passt gut zusammen. Deswegen fällt meine Bilanz sehr positiv aus. Ich bin in Halstenbek gut angekommen.


Was hat Sie überrascht?
Überrascht hat mich das große ehrenamtliche Engagement vieler Halstenbeker, die sich einbringen, um etwas für die Gemeinde zu bewegen. Diesen Einsatz und auch die hohe Identifikation mit dem Heimatort war ich aus Hamburg nicht gewohnt. Das vorbildliche Engagement von so vielen Bürgern gibt mir Kraft für meine hauptamtliche Bürgermeister-Tätigkeit.

Ohne das Ehrenamt könnten wir in der Gemeinde nicht so leben, wie wir es tun. Deshalb kann ich auch mit gelegentlichen Nörgeleien gut leben, weil ich merke, dass die Grundstimmung positiv ist und die Gemeinde von ganz vielen Menschen getragen wird. Dass nicht jeder zufrieden ist, lässt sich nicht verhindern. Ich finde es aber unschön, wenn die Kritik an der Verwaltung unsachlich ist und unter die Gürtellinie geht. Aber damit muss man klarkommen und das tun wir.

Was war Ihr schönster Moment 2017 – beruflich und privat?
Beruflich waren es vor allem die vielen interessanten Begegnungen mit Menschen, die ich vorher nicht kannte und die sich einbringen, um etwas für die Gemeinde zu tun. Ich habe mich zudem sehr darüber gefreut, dass mich die Mitarbeiter im Rathaus mit offenen Armen empfangen haben. Das ist nicht selbstverständlich und hat mir den Einstieg enorm erleichtert. Es ist toll, dass ich ein so gutes Betriebsklima vorgefunden habe.

Privat habe ich mich besonders darüber gefreut, dass meine beiden jüngsten Kinder so gut in ihren Halstenbeker Kindergärten angekommen sind. Marieke und Felix sind ja schon da, obwohl die gesamte Familie erst im Februar nach Halstenbek umzieht. Die Vorfreude auf das neue Zuhause ist bei uns groß. Bald sind wir alle Halstenbeker.


Im Rathaus standen beziehungsweise stehen einige Personalwechsel an – wie ist die Verwaltung insgesamt aufgestellt?
Ich habe von meiner Vorgängerin Linda Hoß-Rickmann eine leistungsfähige Verwaltung übernommen. An gewissen Stellschrauben kann man aber natürlich immer drehen. So werden wir beispielsweise zwei neue Fachdienstleitungen aufbauen, um die einzelnen Fachbereiche zu entlasten und die Führung auf mehrere Schultern zu verteilen. Das ist eine Erneuerung in der Struktur. Es stehen aber auch personelle Veränderungen an. Von besonderer Bedeutung ist der Wechsel auf der Position des Büroleitenden Beamten. Uwe Grünefeldt geht demnächst in den Ruhestand. Seine Aufgaben wird ab Juni der derzeitige Kämmerer Jens Thomsen übernehmen.


Wie wichtig ist es, dass die Wirtschaftsförderung bald wieder besetzt ist?
Für eine Großgemeinde wie Halstenbek ist ein Wirtschaftsförderer unverzichtbar. Die Betriebe brauchen einen festen Ansprechpartner, der ihnen schnell weiterhilft. Es geht aber nicht nur um die Bestandspflege. Außerdem brauchen wir für die Entwicklung von Gewerbeflächen jemanden, der sich ausschließlich um diese Themenbereiche kümmert und beispielsweise für Neuansiedlungen zuständig ist. Dabei denke ich besonders an die sogenannten Greve-Flächen. Ich bin froh, dass Ute Landwehr-von Brock diese Aufgaben ab dem 1. Februar übernehmen wird.


Was sind die größten Herausforderungen für Halstenbek in den kommenden Jahren?
Wir müssen in die Bildung investieren und zum Beispiel weitere Krippenplätze oder zusätzliche Räume für die Schulen schaffen. Gerade die Verbesserung der Bildung für die Kleinsten wird immer wichtiger. Dafür müssen wir Geld in die Hand nehmen. Auch bezahlbarer Wohnraum und neue Gewerbeflächen haben Priorität. Die Herausforderung ist, in die Zukunft unserer Gemeinde zu investieren und trotz allem einen ausgeglichenen Haushalt aufzustellen.


Wie beurteilen Sie die finanzielle Entwicklung der Gemeinde?
Es tut keiner Gemeinde gut, wenn sie auf Dauer mehr ausgibt als sie einnimmt. Deshalb ist es wichtig, dass bereits unter meiner Vorgängerin die Haushaltskonsolidierung begonnen hat. Dieser Weg wird natürlich fortgesetzt. Wir müssen schnellstmöglich einen ausgeglichenen Haushalt aufstellen. Ich bin optimistisch, dass uns das 2020 gelingen wird. Noch haben wir ein Defizit von 1,3  Millionen Euro. Dieses wird sukzessive verringert.


Wie kann die finanzielle Situation weiter verbessert werden?
Dank zusätzlicher Gewerbesteuern durch Neuansiedlungen von Unternehmen auf den Greve-Flächen werden sich die Einnahmen erhöhen. Trotz allem werden wir auch weiterhin die Ausgaben im Blick haben müssen. Manche Investitionen liegen aber außerhalb unseres Einflussbereiches, weil wir Entscheidungen der Landesregierung umsetzen müssen. Wenn demnächst wieder G 9 und damit das Abitur nach 13 Schuljahren eingeführt wird, müssen wir zusätzliche Räume für die Schulen zur Verfügung stellen. Der Kieler Umgang mit dem Thema Straßenausbaubeiträge ist aus meiner Sicht fragwürdig. Es sollte ohnehin grundsätzlich so sein, dass das Land die Kommunen finanziell unterstützt, wenn in Kiel Beschlüsse gefasst werden, die die Städte und Gemeinden belasten. Ansonsten wird die kommunale Selbstverwaltung ausgehöhlt.


Ein Dauerthema ist überall Unterbringung und Integration von Flüchtlingen. Wie ist die Situation in Halstenbek?
Aktuell sind 210 Flüchtlinge in gemeindeeigenen Unterkünften untergebracht. Große Konflikte gibt es bei uns nicht. Die Zukunftsfrage ist aber nicht mehr die kurzfristige Unterbringung, sondern die Integration. Nach dem Ankommen wollen die Menschen nun wissen, wie es weitergeht. Ausbildung, Sprache, Beruf – alle diese Themen sind wichtig. Wenn wir uns damit nicht beschäftigen, werden wir langfristig große Probleme bekommen. Ohne Investitionen wird es irgendwann knallen. Wir können in Halstenbek zwar auf ein außerordentliches ehrenamtliches Engagement für die Flüchtlinge bauen. Die Ehrenamtler brauchen aber Unterstützung. Deshalb suchen wir für das Rathaus aktuell einen Sozialpädagogen oder Sozialarbeiter, der sich um die Flüchtlingsintegration kümmert.


Wie klappt die Zusammenarbeit mit der Politik?
Die Zusammenarbeit empfinde ich als sehr angenehm. Die gegenseitige Wertschätzung ist da und wir kommunizieren auf Augenhöhe. Das Zusammenspiel zwischen Politik und Verwaltung muss aber auch stimmen, um das Beste für die Gemeinde zu erreichen. Mir gefällt, wenn hier ohne parteipolitisches Gezänk versucht wird, die besten Lösungen zu finden. Erst kommt Halstenbek, dann die Partei. Es geht immer um die Sache.

Ist die Nähe zu Hamburg Fluch oder Segen?
Die starke Nähe zu Hamburg prägt logischerweise den Ort. Dennoch gibt es eine große Identifikation mit der eigenen Gemeinde. Das finde ich gut. Die Nähe zur Hansestadt ist sicherlich vor allem deshalb ein Vorteil, weil die Bürger die Vorzüge der Großstadt direkt vor der Haustür haben, aber dennoch die ländliche Ruhe genießen. Nachteilig vor allem für junge Familien wirken sich die mittlerweile sehr hohen Immobilienpreise aus.


Was fehlt der Gemeinde?
Ich würde mir eine Kneipe fürs Feierabendbier wünschen – am besten mit Live-Musik am Wochenende. Aber das ist nur ein ganz persönliches Anliegen.

Was ist Ihr Lieblingsplatz in Halstenbek?
Hoffentlich bald die Terrasse meines zukünftigen Zuhauses in Halstenbek.

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