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Weisser Ring im Kreis Pinneberg : Bilanz für 2014 - Opferhilfe in 163 Fällen

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Außenstelle des Weissen Rings im Kreis Pinneberg zieht Bilanz für 2014. Körperverletzungen an der Spitze.

shz.de von
erstellt am 10.Apr.2015 | 18:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Lisa Marie – dieser Name fällt im Pinneberger VfL-Heim öfter, während fünf Vertreter der Außenstelle des Weissen Rings im Kreis Pinneberg die Opferstatistik 2014 vorstellen. Der Fall der erst 18 Jahre alten Tornescherin, die im März vergangenen Jahres von einem 16-jährigen Nachbarsjungen erwürgt wurde, lässt auch die geschulten Helfer nicht los. Sie leisteten in diesen schweren Stunden Beistand für die Eltern der Getöteten, halfen ihnen bei der Nebenklage, bereiteten sie auf den Prozess vor, hörten zu. Das gehört zu ihren Aufgaben. Dass sie dabei auch an ihre Grenzen stoßen, räumte Heike Behrmann, eine von zwölf ehrenamtlichen Mitarbeitern, ohne Umschweife ein.

Die Mitarbeiter der Außenstelle haben im vergangenen Jahr 163 Menschen betreut. Das entspricht etwa einem Zehntel der 1685 Fälle, die der Weisse Ring Schleswig-Holstein 2014 registrierte. Insgesamt investierten die Mitarbeiter knapp 3600 Stunden, um Opfern von Straftaten zu helfen. „Bei den Delikten stehen Körperverletzungen mit mehr als 40 und Sexualstraftaten mit mehr als 30 an der unrühmlichen Spitze“, sagte Sönke-Peter Hansen, Leiter der Außenstelle. Bei ersteren handele es sich vor allem um häusliche Gewalt. An dritter Stelle stehe überraschend Stalking. 16-mal suchten Betroffene 2014 beim Weissen Ring Hilfe. „Wir raten grundsätzlich dazu, alles zu dokumentieren“, sagte Uwe Kleinig, der – genau wie Peter Wieruch – als ehemaliger Polizeibeamter wertvolle Erfahrung mit in die Gruppe bringt. „Wir können die Beweise dann mithilfe des Beratungsschecks zum Anwalt bringen, der eine einstweilige Verfügung vor Gericht erwirkt“, so Kleinig.

Solche Beratungsschecks wurden 2014 in Höhe von 5000 Euro ausgestellt. „Ingesamt haben wir 15  000 Euro ausgegeben“, sagte Hansen. Etwa ein Drittel sei in Soforthilfen geflossen. Der Rest des Betrags in Opfer- und sogenannte Ferienhilfen. Außer den finanziellen Hilfen sei Zuhören fast das wichtigste, „dass Betroffene jemanden haben, der um ihre Probleme weiß“, so Wieruch. Jeder Fall ist anders. Jeder Fall ist neu. „Manchmal zieht sich die Betreuung über Jahre hin“, sagte Hansen.

Die zwölf Ehrenamtler sind nicht nur Lotsen für Opfer von Straftaten. Sie leisten auch Präventionsarbeit – etwa an Schulen. Und sie sind auch Lobbyisten. „Ein besonderes Augenmerk für die Zukunft liegt auf der Verbesserung des Opferentschädigungsgesetzes. Wir fordern, dass es auf Fälle psychischer Gewalt ausgeweitet wird“, sagte Hansen. Das sei auch in Gesprächen mit den Bundestagsabgeordneten Ernst Dieter Rossmann (SPD) und Ole Schröder (CDU) deutlich gemacht worden. Die Bundespolitiker sollen sich in Berlin für eine Reform stark machen. Kriminalitätsopfer erreichen die Außenstelle des Weissen Rings im Kreis Pinneberg unter Telefon 0151-55164637.

Die bundesweit agierende Opferschutzorganisation Weisser Ring wurde im September 1976 in Mainz gegründet und nahm im Juni 1977 die Arbeit auf. Zu den Gründungsvätern zählten unter anderem der damalige Präsident des Bundeskriminalamts, Horst Herold, sowie der ZDF-Moderator Eduard Zimmermann. Noch im selben Jahr eröffnete der Weisse Ring in Berlin seine erste Außenstelle, im Januar 1980 die 100. und mittlerweile gibt es zirka 420 Anlaufstellen für Betroffene – so auch im Kreis Pinneberg. Ansprechpartner ist Sönke-Peter Hansen. Er und sein Team sind in Notfällen unter Telefon 0151-55164637 für Opfer von Gewaltverbrechen erreichbar.
Den ersten großen Erfolg registrierte der Weisse Ring Anfang 1979: Ihm gelang es, eine Verbesserung beim Opferentschädigungsgesetz zu erreichen. Seitdem erhalten Betroffene schon ab dem ersten Tag finanzielle Zuwendungen. Kurz darauf, im März 1980, verkündete der Verein, schon mehr als eine Million D-Mark an Betroffene weitergeleitet zu haben.
Das Modell machte schnell Schule: So wurden auch in Österreich, Luxemburg, Tschechien, Ungarn und der Schweiz Ableger  gegründet. Der Verein wird laut eigenen Angaben in Deutschland von mehr als 3000 Helfern ehrenamtlich getragen. Zu den Aufgaben  zählen persönlicher Beistand, Hilfestellung beim Umgang mit Behörden, Begleitung zu Gerichtsterminen sowie finanzielle Unterstützungen zur Konsultation eines Anwalts oder Mediziners. www.weisser-ring.de
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