zur Navigation springen
Pinneberger Tageblatt

22. Oktober 2017 | 15:54 Uhr

Bieneh-Plakate sorgen für Zoff

vom

shz.de von
erstellt am 08.Mai.2013 | 01:14 Uhr

Pinneberg | Wirbel um Wahlplakate. Es geht um Gerichtsurteile und Fakten, aber auch um politischen Stil und Takt. Seit einigen Tagen plakatiert die Bürgerinitiative Bieneh in Pinneberg. Spricht eindeutige Wahlempfehlungen gegen CDU und SPD aus - und rät den Pinnebergern, ihr Kreuzchen doch lieber bei Grünen, FDP oder Bürgernahen zu machen.

Auf einem Plakat und in Flyern greift die Bürgerinitiative die großen Parteien wegen einer möglichen Anbindung des Eggerstedt-Geländes an den Wedeler Weg an. Bei einem Bau dieser Verbindungsstraße könne die Stadt alle Bewohner des Drosselwegs und des Rotkehlchenwegs zur Kasse bitten. Deren Grundstücke grenzen an den Eggerstedter Weg. Auf einem zweiten Wahlplakat attackiert die Bieneh die Ratsherren Dieter Tietz (SPD) und Torsten Hauwetter (CDU). Sprechblasen schweben über handgemalten Porträts der Politiker. Darin: Zitate der beiden aus der Berichterstattung unserer Zeitung zur Image-Suche der Stadt. Zitate, in denen die Ratsherren den Pinnebergern eine allzu negative Sicht auf die eigene Stadt vorwerfen.

In einer gemeinsamen Pressemitteilung beziehen SPD und CDU eindeutig Stellung gegen die Plakate: "Die Aussagen zum Straßenbau sind schlicht die Unwahrheit", so Bürgervorsteherin Natalina Boenigk (CDU). Die Bieneh schüre mit Falschinformationen die Angst der Bevölkerung. Boenigk: "Das ist schon sehr grenzwertig." Es habe keineswegs - wie von der Bieneh behauptet - ein Urteil zur Anwohnerbeteiligung in Quickborn gegeben, dass sich auf Pinneberg übertragen ließe. Die Stadt sei zwar verpflichtet Beiträge für Ausbaumaßnahmen zu erheben, aber nur von einem sehr eng gefassten Kreis von Anliegern und keinesfalls "in einem 800-Meter-Radius" .

Die gezeichneten Konterfeis von Tietz und Hauwetter findet SPD-Chef Herbert Hoffmann "widerwärtig". Er könne nicht verstehen, dass man Menschen so in Karikaturen verzerren könne. "Da kann ich mich nur schütteln." Die beiden Parteien appellieren an die Bieneh, die Plakate wieder abzuhängen. Auch von den drei "empfohlenen" Parteien erhoffe man sich eine Reaktion.

Meike Oltmanns-Hase, Sprecherin der Bieneh, kann die Aufregung nicht verstehen. "Bei der Diskussion um die Anwohnerbeteiligung vergleichen CDU und SPD Äpfel mit Birnen." Nach dem jetzigen Stand müssten tatsächlich nicht alle Anwohner zahlen. "Wir sagen aber: Das kann sich im Laufe der Planung ändern." Die Bieneh wolle die Wähler auf einen "Worst-Case" vorbereiten. Auf die "Karikaturen" angesprochen, betont Oltmanns-Hase: "Ich hatte nie die Absicht, jemanden zu verunglimpfen." Sie selbst habe die Porträts nach Fotos von Hauwetter und Tietz angefertigt. "Ich habe mir Mühe gegeben, sie naturgetreu darzustellen, aber ich habe natürlich nicht Kunst studiert." Die Bieneh wolle die Plakate keinesfalls zurückziehen. "Wir wollten zeigen, dass die Politiker von CDU und SPD die Bürger von Pinneberg nicht immer für voll nehmen." Darüber müsse diskutiert werden. Grüne, Bürgernahe und FDP seien nicht über den Inhalt der Plakate informiert worden.

"Wir wussten nichts", bestätigt Uwe Lange (Bürgernahe). Seine Partei müsse sich nicht von den Plakaten distanzieren, da sie nicht verantwortlich sei. "Ich halte das aber für einen Sturm im Wasserglas." Auch FDP-Chef Werner Mende hält die Aufregung für übertrieben. "Es ist eine Lachnummer, wenn man sich so auf den Schlips getreten fühlt." Es sei "provinziell", sich so gegen Karikaturen zu wehren. Seine Partei habe nichts von der Plakataktion gewusst. Joachim Dreher (Grüne) bestätigt ebenfalls, nicht informiert worden zu sein. "Ich halte das aber für freie Meinungsäußerung und kann keine Verunglimpfung erkennen."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen