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Den Prozess gemacht : Bewährungsstrafe für einen Einbrecher

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Der verurteilte 25-Jährige hatte sich Zugang zu Wohnungen in Quickborn verschafft.

shz.de von
erstellt am 16.Jun.2016 | 13:00 Uhr

Pinneberg/Quickborn | Das Schöffengericht Pinneberg hat gestern einen 25 Jahre alten Pinneberger zu einer Freiheitsstrafe in Höhe von einem Jahr und zehn Monaten, ausgesetzt zur Bewährung, verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte dem jungen Mann zur Last gelegt, im Juni und August des vergangenen Jahres in insgesamt drei Wohnhäuser in Quickborn eingebrochen zu sein und Wertgegenstände entwendet zu haben. Beim zweiten und dritten Einbruch habe er zudem Autos im Gesamtwert von 58.000 Euro gestohlen. Außerdem habe er gegen das Waffengesetz verstoßen; die Polizei habe bei ihm sowohl ein Springmesser als auch einen Schlagring gefunden.

Verteidiger Henry Brendel kündigte gestern gleich zu Beginn der Verhandlung an, dass er ein schriftliches Geständnis seines Mandanten vorlesen werde. In diesem gab der 25-Jährige zu, die drei Einbrüche begangen zu haben. Mit einer Scheckkarte habe er sich Zutritt zu den Häusern verschafft, denn die Haustüren seien jeweils nur zugezogen, jedoch nicht abgeschlossen gewesen.

Laut Einlassung durchsuchte der Angeklagte die Wohnräume nach Wertgegenständen und nahm etwa hochwertige Sonnenbrillen und Laptops an sich. Beim ersten Einbruch habe er zudem den Autoschlüssel gestohlen, beim zweiten habe er den gestohlenen BMW-Schlüssel genutzt, um mit dem Fahrzeug vom Tatort zu fliehen. Allerdings habe er dann Angst bekommen und das Auto mit eingestecktem Schlüssel an einem ihm unbekannten Ort in Hamburg abgestellt. Dieses Fahrzeug ist laut Staatsanwaltschaft bis heute nicht wieder aufgetaucht.

Beim dritten Einbruch im August 2015 ist der 25-Jährige nach eigener Darstellung erneut mit dem Fahrzeug der Bewohner geflohen. Er habe den gestohlenen BMW dann in Hamburg abgestellt, um ihn später mit anderen Kennzeichen abzuholen. Dabei sei er jedoch von der Polizei erwischt worden.

„Gelitten wie ein Hund“

Seit Dezember 2015 sitzt der 25-Jährige in Untersuchungshaft. „Auch wenn mein Mandant hier einen ruhigen Eindruck macht, war die Zeit in Haft sehr einschneidend für ihn, seine Beziehung ist zerbrochen. Ich glaube, er hat gelitten wie ein Hund“, sagte Verteidiger Brendel gestern und plädierte für eine Freiheitsstrafe in Höhe von einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung. Die Staatsanwaltschaft hielt eine Freiheitsstrafe in Höhe von einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung für angemessen – dieser Forderung schloss sich das Gericht mit seinem Urteil an.

„Ich halte dieses Urteil weder für besonders weich noch für besonders hart“, sagte der Richter in seiner Urteilsbegründung. Die Sozialprognose des Angeklagten sei gut, er habe zum Zeitpunkt der Anklageerhebung keine vergleichbaren Vorstrafen gehabt und durch sein Geständnis dazu beigetragen, dass sich der Prozess nicht über viele Verhandlungstage hinzog, denn so gut seien die Beweismittel nicht gewesen. „Es hätte ohne Ende Optionen gegeben, die Sachlage anders darzustellen“, sagte der Richter.

Die Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes empfiehlt, die Haustür immer abzuschließen – selbst dann, wenn das Haus oder die Wohnung nur für einen kurzen Zeitraum verlassen wird. Zudem sollte überprüft werden, dass auch alle Fenster-, Terrassen- und Balkontüren verriegelt sind. „Denken Sie daran: Gekippte Fenster sind offene Fenster“, schreibt die Polizeiliche Kriminalprävention auf ihrer Internetseite. Ferner sollten keine Schlüssel für das Haus oder die Wohnung außerhalb des Gebäudes deponiert werden. Die Ermittler konstatieren: „Einbrecher finden jedes Versteck.“ Sollte einmal ein Schlüssel abhanden kommen, raten die Beamten, den Schließzylinder der Haus- oder Wohnungstür sofort auszuwechseln. Ferner empfiehlt die Polizeiliche Kriminalprävention, auf Fremde in der Wohnanlage oder auf Nachbargrundstücken zu achten. Wer etwas Verdächtiges sieht, solle sofort die Ordnungshüter verständigen. Und zu guter Letzt: „Geben Sie keine Hinweise auf Ihre Abwesenheit, beispielsweise in sozialen Netzwerken oder auf Ihrem Anrufbeantworter.“ Weitere Tipps zum Einbruchschutz gibt die Polizeiliche Kriminalprävention auf ihrer Homepage.
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