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Pinneberger Tageblatt

22. August 2017 | 22:48 Uhr

Bestseller wird zum Bühnenstück

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

„Tschick“: Jugend-Roman von Wolfgang Herrndorf mit erfolgreicher Premiere im Schleswig-Holsteinischen Landestheater

Das Schleswig-Holsteinische Landestheater hat einen Weg gefunden, ein junges Publikum anzusprechen: Dafür inszeniert Henning Bock den Bestseller „Tschick“ von Wolfgang Herrndorf als Bühnenstück. Es ist eine Geschichte über die Jugend.

Eigentlich könnte alles so schön sein. Die Ferien stehen vor der Tür und das tollste Mädchen der Klasse schmeißt eine Riesenparty. Doch Maik und Tschick sind nicht eingeladen und nicht nur das gibt den beiden 14-Jährigen das Gefühl, nicht dazu zu gehören. In einem geklauten Lada machen sich der Sohn hoffnungslos zerstrittener Eltern und der junge russische Aussiedler aus dem Staub. Mit unnachahmlichem Wortwitz und leiser Melancholie erzählt Wolfgang Herrndorf in seinem Roman „Tschick“ von Einsamkeit, Freundschaft und den wirklich wichtigen Dingen des Lebens. Robert Koall hat ein Theaterstück daraus gemacht.

Lautstark beklatscht wurde die Inszenierung von Henning Bock, die am Mittwoch Premiere im Slesvighus feierte. Vor allem die vielen Jugendlichen im Publikum verfolgten das mit drei Personen sinnvoll knapp besetzte Spiel mit hörbarer Begeisterung. Denn Bocks Inszenierung ist schnell, witzig und laut. Schwankend zwischen Wut, Enttäuschung und Angst vor der eigenen Courage tigert Erzähler Maik (konzentriert: Johannes Fast) über die Bühne, die Martin Fischer mit einer multifunktionalen Schrankwand ausgestattet hat.

Aus Schubladen und Klapptüren lassen sich daraus alle handlungstragenden Utensilien hervorzaubern – vom unvermeidlichen Schnapsvorrat für Maiks Mutter bis zum Lenkrad für den Lada, an dessen trauriges Ende ein plattgedrückter Kühlergrill im Regal erinnert. Für die Autofahrt reichen zwei Stühle und ein Sofa, das als Rückbank herhalten muss, wenn die beiden Desperados auf der Müllkippe Isa aufgabeln, ein verwahrlostes Mädchen mit kühnen Träumen von einer glamourösen Karriere. Thyra Uhde, die alle weiteren Nebenrollen mit grotesker Überzeichnung als Karikatur anlegt, lässt hier einmal leisere Töne mitschwingen, die dem meist polternden Spiel guttun. Auch Stefan Wunder, mit Rhomben-Pullunder und Kassenbrille als Maiks cholerischer Vater erschreckend brutal auftrumpfend, bringt hinter cooler Lederjacken-Fassade und noch cooleren Sprüchen Tschicks unverhoffte Empfindsamkeit zum Leuchten. Kostbare zarte Momente, die der bisweilen klamaukigen Inszenierung ein wenig mehr Tiefe geben.

„Wir könnten das Stück wie ein Weihnachtsmärchen zwei Monate lang jeden Tag spielen – es wäre immer ausverkauft“, sagte Theaterpädagogin Janina Wolf. Damit spricht sie die vielen ausverkauften Vorstellungen an, die von Schulklassen besucht werden. „Daher arbeiten wir schon jetzt daran, dass Stück auch in der nächsten Spielzeit aufführen zu können.“



> Nächste Vorstellungen: Heute, 19.30 Uhr, Kammerspiele Rendsburg; Mo, 10. Februar, 11 Uhr, Kammerspiele Rendsburg.

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erstellt am 06.Feb.2014 | 14:27 Uhr

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