20 Jahre Bücherwurm Pinneberg : Bestseller-Autor und Historiker präsentiert sein neues Buch „Provokateure “

Gute Unterhaltung: Monika Frömming vom Bücherwurm (v. l.), Schriftsteller Martin Walker und Buchhändler Thomas Bernhardt gestalteten die Lesung.
Gute Unterhaltung: Monika Frömming vom Bücherwurm (v. l.), Schriftsteller Martin Walker und Buchhändler Thomas Bernhardt gestalteten die Lesung.

Im Bann von Martin Walker - 160 Zuhörer.

shz.de von
21. Mai 2015, 16:15 Uhr

Pinneberg | Der 1947 in Schottland geborene Martin Walker ist Schriftsteller, Historiker und politischer Journalist. Er lebt in Washington sowie im Périgord und war 25 Jahre lang Journalist und Auslandskorrespondent bei der britischen Tageszeitung „The Guardian“. Am Mittwochabend konnten die Pinneberger ihn hautnah erleben.

Anlässlich der Jubiläumsfeierlichkeiten zum 20-jährigen Bestehen der Buchhandlung Bücherwurm hatte Monika Frömming, Leiterin der Belletristik-Abteilung, Walker zu einer Lesung eingeladen. „Es ist für uns eine große Ehre, dass Sie hier sind“, begrüßte sie den Schriftsteller. „Ich komme gerne nach Deutschland. Bei den Lesungen lerne ich viel von den Fragen der Zuhörer“, bekannte der Journalist, der in Washington eine Denkfabrik für bedeutende Wirtschaftsunternehmen und Politiker leitet.

Der Autor selbst trug Passagen seines neuen Romans „Provokateure“ auf Englisch vor, der Buchhändler Thomas Bernhardt las die Kapitel in deutscher Sprache vor. Zur Handlung: Es ist der siebte Fall für den Chef de police Bruno aus dem Pèrigord- Städtchen Saint Denis. Die Leiche eines brutal misshandelten Mannes wird aufgefunden. Wie sich herausstellt, handelt es sich um einen Undercover Agenten, der in der benachbarten islamischen Gemeinde verdeckt ermittelt hat. Fast zur gleichen Zeit sucht in Afghanistan ein geistig verwirrter Junge Hilfe bei den französischen Truppen, Sami will zurück nach Hause, ins Périgord.

Die Rückführung des Jungen gelingt. Doch dessen Zukunft ist ungewiss: Weiß doch niemand, ob der Junge Freund oder Feind ist. Sami hatte die Schule jener Moschee besucht, die der ermordete Agent ins Auge fasste. Bruno sieht sich mit politischen Verstrickungen konfrontiert, von denen er nie vermutet hätte, dass sie einmal seine idyllische Heimat erreichen.

Gisela Schiffmann stellte ihren Verein Karibuni vor. (Foto: Heiderhoff)
Gisela Schiffmann stellte ihren Verein Karibuni vor. (Foto: Heiderhoff)
 

Als Walker den siebten Fall für Bruno konstruierte, vermutete er nicht, dass seine Handlung schon bald von der brutalen Wirklichkeit eingeholt werden würde. „Für mich war das Attentat auf die Zeitschrift Charlie Hebdo in Paris ein Schock“, erläuterte der Bestseller-Autor.

Auch in seinem Roman zeigt der Schotte, dass Europa keine Insel ist und von den grausamen Geschehnissen in der muslimischen Welt nicht verschont bleibt. In seinem Roman kommen erneut Freunde der französischen Küche auf ihre Kosten. Mit Leidenschaft führt er seine Leser an die „haute cuisine“ seiner Wahlheimat heran. Auch das unkonventionelle Liebesleben seines Polizisten schafft eine weitere Komponente – im Gegensatz zu den politischen Verstrickungen –, die seine Romane so delikat und lesenswert machen.

Wulf Hausenberg aus Pinneberg freute sich, Walker live zu erleben. Der ehemalige Produktionsleiter des Südwestfunks Mainz genoss die anregende Lesung und ließ sich von Walker sieben Krimi-Romane signieren. „Ich finde Bruno faszinierend. Er erkennt feinfühlig die Situation“, so Hausenberg. Es sei sehr humorig, wenn sich Bruno beim Sprechen mit seinen Hühnern entspanne. Walkers Bruno-Romane erschienen bislang in fünfzehn Sprachen.

Zum Jubiläumsprogramm gehören aber noch weitere attraktive Programmpunkte. NDR-Literaturexpertin Annemarie Stoltenberg zog gestern viele weitere Leseratten in ihren Bann. Sie stellte ihrem Publikum die Neuerscheinungen „Diebe und Vampire“ von Doris Dörrie sowie „Der leuchtend blaue Faden“ von Anne Tyler vor.

Insgesamt 40 Vereine, Geschäfte und Einrichtungen aus Pinneberg präsentierten sich den Besuchern des Bücherwurms unter dem Motto „Wir sind wir in Pinneberg.“ Dazu gehörten etwa der Verein Karibuni, der Waisenkindern in Tansania unbürokratische und nachhaltige Hilfe gewährt, aber auch die Frauenberatung Pinneberg. Gourmets kommen heute unter dem Titel „Genießertag im Bücherwurm – Das Beste kommt obendrauf “ auf ihre Kosten.

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