Schenefeld : Beständig am eigenen Limit

Die Künstlerin Karin Daum zeigt ihr Werk „Step“ neben zahlreichen anderen Bildern in der Ateliergalerie von Gerd Uhlig.
Die Künstlerin Karin Daum zeigt ihr Werk „Step“ neben zahlreichen anderen Bildern in der Ateliergalerie von Gerd Uhlig.

Die Schenefelderin Karin Daum malt seit 14 Jahren. Urbane Menschen stehen im Zentrum ihrer Arbeiten.

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17. Juli 2014, 12:00 Uhr

Schenefeld | Ein Mädchen mit blondem Zopf und Schal steht allein vor einer grauen Wand. Die junge Frau mit dem gesenkten Kopf vor flächigen Grauzonen wirkt isoliert und erinnert auf den ersten Blick ein bisschen an die Figuren des amerikanischen Malers Edward Hopper. Wie Hopper hat sich auch die Schenefelder Künstlerin Karin Daum der Stilrichtung des Realismus verschrieben. Zuletzt waren zwölf ihrer Ölbilder in der Ateliergalerie von Gerd Uhlig im Schenefelder „Stadtzentrum“ zu sehen. In ihrer Ausstellung thematisierte Daum den urbanen Menschen in der heutigen Zeit.

In der Entstehungsphase ihrer Bilder arbeitet Daum mit „Kamera und guten Objekten“. „Ich stelle mich an Orten auf, wo ich die Chance sehe, Menschen in ihrem alltäglichen Tun zu sehen“, erläutert die Künstlerin. Das gleiche Prinzip findet sich auch bei Hopper. Daums Bilder zeigen Ausschnitte bekannter Orte, deren Darstellung auf einfache Formen reduziert sind. Die Strukturen erscheinen als gleichmäßig gefärbte Flächen, ohne weitere Details. In dieser abstrakten Fläche agieren detailgetreu dargestellte Menschen, eingefangen wie in einem Schnappschuss.

Bei Daums Arbeiten handelt es sich eher um Kompositionen als um Abbildungen. Die zugrunde liegenden Fotos sehen anders aus. „Auf den Bildern sehe ich genau eine Person, die ich spannend finde, und die dann in eine andere, abstrakte Umgebung hineinprojiziert wird“, erklärt die Schenefelderin.

Beispielsweise finden sich auf Daums modern realistischem Bild „Fento“ drei Jungen vor einem farbigen Elbphilharmonie-Bau, von dem die Künstlerin wiederum nur einen Teil der ursprünglichen Fassade übrig ließ. Die im Original auf einer weißen Fahne vorhandenen Schriftzüge „Hafentor“ wurden auf „Fento“ reduziert.

Beim Bild „Peer 17“ hat Daum ursprünglich einen Mann aus der Hafencity projiziert und ihn in den Hafen von New York an das Peer 17 verschoben. Wie die Bilder „Fento“und „Peer 17“ laden auch zahlreiche weitere Bilder mit spannenden Titeln wie „Chinashipping“ zum Interpretieren und Nachdenken ein. Häufig handelt es sich bei Daums künstlerischen Arbeiten um Stimmungsbilder, die die Einsamkeit von Menschen thematisieren und Aspekte wie Isolation zum Vorschein bringen.

Das Werk „Dritter Frühling“ ist derzeit auf der Gynäkologie-Station im Pinneberger Klinikum zu sehen. Es zeigt eine alte Frau im Central Park von New York, die sich mit rosa Rock und Mädchenstrümpfen gekonnt auf der Rollschuhbahn inszeniert. „Meine Vorgehensweise beim Malen ist die gleiche wie in der Forschung“, bringt es das Mitglied der Künstlergilde Pinneberg auf den Punkt. Sie versuche an die Grenzen ihrer Fähigkeiten zu gehen.

Daum ist von Haus aus promovierte Wissenschaftlerin. Sie unterrichtet als Dozentin für Physik am Desy. Mit der Malerei beschäftigt sich die 64-Jährige seit dem Jahr 2000 an. Seit 2012 ist sie auch auf Ausstellungen präsent. Tim Eitel, ein junger Maler aus der Leibziger Schule, gehört zu ihren Vorbildern.

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