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Pinneberger Tageblatt

25. September 2017 | 06:37 Uhr

Berührende Stimme der Geschichte

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Gustav Peter Wöhler liest „Hiob“ in Rellingen

Schauspieler Gustav Peter Wöhler hat 100 Zuschauer in den Bann des Romans „Hiob“ gezogen, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts spielt. Einfühlsam und mit stark akzentuierter Stimme las er in der Rathausgalerie aus Joseph Roths Roman eines einfachen Mannes. Die Vorsitzende des Kulturausschusses Marianne Stock (CDU) freute sich, den Schauspieler und Kulturrocker begrüßen zu dürfen.

Wöhler hatte gebeten, in Rellingen eine „seiner Lieblingserzählungen und zwar ‚Hiob‘“ lesen zu dürfen. Das Buch hatte er einst von Ulrich Tukur geschenkt bekommen.

Der mit dem Deutschen Hörbuchpreis ausgezeichnete Wöhler schaffte es, den farbigen und poetisch legendenhaften Tonfall des Romans zu übermitteln. Beim Vorlesen schien er die Geschichte selbst zu durchleben und erzeugte eine spannende Atmosphäre. Die Handlung dreht sich um den Leidensweg des jüdisch-orthodoxen Toralehrers Mendel Singer im fiktiven Schtetl Zuchnow in Russland, einer Siedlung mit hohem jüdischen Bevölkerungsanteil.


Der Glaube an Gott auf die Probe gestellt


Über Triest in Italien wandert Singer nach Amerika aus. Dort trifft ihn das Schicksal hart, erschüttert seine Frömmigkeit, stellt seinen Glauben an Gott auf eine harte Probe. Doch durch die wunderbare Heilung seines kranken Sohnes wird Singer zu Gott zurückgeführt.

Der durch unzählige Theaterproduktionen und Filmproduktionen bekannt gewordene Wöhler stellte zunächst den Autor Roth vor. Dessen größter Roman ist der 1932 erschienene „Radetzkymarsch“, der für Marcel Reich-Ranicki zu den zwanzig wichtigsten deutschen Romanen in deutscher Sprache gehört.

Als Korrespondent der „Frankfurter Zeitung“ reiste Roth quer durch Europa. Seine Ehe litt darunter, seine Frau Friederike wurde in eine Nervenheilanstalt eingewiesen. Die privaten Unglücke prägten seinen Stil – besonders im Roman „Hiob.“ Der Autor starb 1939 an den Folgen seiner schweren Alkoholsucht.

Die nüchterne, spärlich beleuchtete Atmosphäre in der Rellinger Rathausgalerie sowie die ausdrucksstarke Lesung Wöhlers halfen den Zuhörern, sich in die düstere Zeit vor dem ersten Weltkrieg zu versetzen. Mit Spannung verfolgten sie die Geschichte des Dorfschullehrers Mendel. Die Kulturausschussvorsitzende Stock könne sich vorstellen, auch „den Sänger“ Gustav Peter Wöhler künftig für einen Band-Auftritt in der Aula der Caspar-Voght-Schule zu gewinnen. Dies verriet sie bereits. Doch „Näheres muss noch besprochen werden“, sagte Stock.

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