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„Bock auf den Bundestag“ : Bernd Möbius will bei seiner ersten Direktkandidatur für die Grünen nach Berlin

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Im Vergleich zu weiteren Direktkandidaten bezeichnet sich der Politiker als „Berufsanfänger, der gegen Meistergesellen antritt“.

shz.de von
erstellt am 30.Aug.2017 | 12:00 Uhr

Uetersen | Bernd Möbius ist noch nicht lange dabei. Um genau zu sein, ist es sogar seine erste Bundestagswahl als Direktkandidat. Einen Nachteil sieht er dadurch nicht. „Schadet doch nicht unbedingt“, sagt er lächelnd. Sich selbst bezeichnet er im Vergleich zu weiteren Direktkandidaten sogar als „Berufsanfänger, der gegen Meistergesellen antritt“. Doch wie bei so vielem im Leben geht der lebensfrohe Politiker die Dinge getreu seinem Motto an: „Wenn man Bock auf so was hat, ist man immer dabei“. Möbius hat Bock. Auf eine umweltfreundlichere Politik. Und auf Berlin. Doch zunächst ein Blick zurück:

Geboren wurde Möbius am 24. April 1959 in Uetersen. „Eine Hausgeburt, also waschechter gebürtiger Uetersener“, sagt er und lacht. Zur Grundschule geht Möbius nur drei statt vier Jahre. Sein Abitur besteht er anschließend auf dem örtlichen Ludwig-Meyn-Gymnasium. „Ich habe sozusagen G8 gemacht“, fügt er lächelnd an. Als Leistungskurse belegt er Gemeinschaftskunde, Mathematik und Chemie. Auf die Schulzeit folgt der Wehrdienst. In Kellinghusen wird er zum Unteroffizier ausgebildet. Zunächst gab es Überlegungen hinsichtlich einer beruflichen Laufbahn bei der Bundeswehr. „Die habe ich dann aber mit Blick auf die vermeintlichen Atomwaffen damals schnell wieder verworfen“, so Möbius. Stattdessen beginnt er eine Ausbildung zum Raumausstatter bei Möbel-Jens in Uetersen. „Die Lust auf handwerkliche Arbeit war schon immer da“, so Möbius.

 

Mit einem Gesellenbrief in der Tasche, schreibt er sich 1989 an der Fachhochschule in Heidelberg ein. Studienrichtung: Informatik. „Das war ein ganz schönes Hin und Her, weil ein Jahr zuvor mein Sohn zur Welt kam“, erinnert sich Möbius. Nach weiteren beruflichen Stationen in Kiel, Pinneberg und Berlin, folgt in den Jahren 2006 und 2007 der große Bruch. „Nach der Scheidung und dem Verkauf des gemeinsamen Hauses und der Versicherungen habe ich mir die Frage gestellt: ‚Was kannst du jetzt machen?’“. Zunächst kann er wenig machen. Trotz handwerklicher Ausbildung und Informatik Diplom bleibt er erwerbslos. Und sucht sich eine neue Aufgabe: die Politik.

Um seine politische Laufbahn zu erläutern, muss Möbius ein wenig weiter ausholen. „Ich habe früher viel geturnt und habe Handball gespielt“, so der Grünen-Kandidat. Er fährt fort: „Dort war ich viel engagiert und bin unter anderem der Schiedsrichterei nachgegangen“. Dieser Wille zum Engagement überträgt sich auf sein politisches Interesse.

Flagge zeigen für die Umwelt

„Ich habe mir damals gesagt, dass vieles in unserer Welt schief läuft und das ich Flagge zeigen muss“, so Möbius. Da ihm die Erde seit jeher am Herzen liegt und die Grünen für Möbius in Sachen Umweltschutz am glaubhaftesten waren und sind, beginnt er als Wahlhelfer. Als „Bürger von Uetersen“, wie er sich selbst bezeichnen würde, wollte er „mal schauen wie so was geht“. Der befreundete Thorsten Berndt, Fraktionsvorsitzender der Grünen Uetersen, fragt ihn schließlich, ob er nicht mitmachen möchte. Möbius will – zumindest sich engagieren. „Ich habe klar gesagt, dass ich in keine Partei wollte“, erklärt er.

 

Die Grünen erzielen allerdings ein starkes Ergebnis. Möbius wird zum Ratsherrn der Stadt Uetersen. Seitdem engagiert er sich als stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Bau-, Umwelt und Verkehrswesen. Zusätzlich ist Möbius noch Mitglied im Hauptausschuss, dem Arbeitskreis Stadtentwicklung und im Kriminalpräventiven Rat sowie Mitglied im Aufsichtsrat der Stadtwerke Uetersen und der Abwasserentsorgung Uetersen GmbH. Am 1. Januar dieses Jahres tritt er der Partei bei.

2014 bei der UetersenerBürgermeisterwahl noch Andrea Hansen (SPD) unterlegen, wird er bei der diesjährigen Kreismitgliederversammlung seiner Partei in Elmshorn mit deutlicher Mehrheit als Direktkandidat für die Bundestagswahl gewählt. Die Wahl war nötig, weil die bisherige Abgeordnete, Valerie Wilms, ihre Kandidatur zurückzog.

Ruhe finden in einer anderen Welt

Neben den beiden großen Hobbys – Politik und Ehrenamt – arbeitet Möbius gern im Garten. „Zwar nicht in meinem eigenen, weil ich keinen mehr habe. Dafür bei meinen Söhnen oder Bekannten“, sagt er und blickt dabei leicht nach rechts. Möbius malt leidenschaftlich, kommt aber nur noch selten dazu. Er bedauert das sehr, da Malen für ihn wie „das Abtauchen in eine andere Welt“ ist. Er kommt bei solchen Aktivitäten zur Ruhe. Genauso wie an seinem Lieblingsort: Dem Friedhof in Uetersen. „Das mag im ersten Moment verwundern, aber ich finde Friedhöfe total spannend“, erklärt Möbius. Nach dem Tod seines Vaters zieht es ihn noch öfter dorthin. Als weiteren schönen Ort gibt Möbius Lanzarote an. „Aber entweder mag man die Insel oder man hasst sie“, fügt er an. Ansonsten muss es für den 58-Jährigen nicht ständig in den Urlaub gehen. „Mir reicht es, wenn es jedes Jahr für die Dauerkarte bei Pauli reicht“, sagt er. Durch seine Erwerbslosigkeit ist er in solchen Dingen dankbarer geworden.

Die Frage zum Thema Musik ist für Möbius dann undankbarer und „ganz ganz schwer“. „Obwohl man meinen könnte, dass ich als Veranstalter des Rock’n’Roll-Festivals in Uetersen in die Kerbe einschlage, aber dem ist eigentlich gar nicht so“, schiebt er nach und lacht wieder. Musik entwickelt sich für ihn immer weiter. „Die älteren Nummern haben ihre Zeit gehabt“, so Möbius. Volbeat und Linkin Park sind aktuell favorisierte Bands. Für Jazz und Klassiker hat er zuletzt aber auch Sympathien entwickelt und geht seit gut zwei Jahren mit einer Bekannten ins Theater. „Vielleicht mag das mit dem Alter zu tun haben“, fügt er grinsend hinzu.

Als Lesestoff hält momentan „Barfuß auf dem Sommerdeich“ von Katja Just her. „Mir gefällt dieser Gedanke ‚einfach machen’“, so Möbius und fügt an: „In der Gesellschaft fehlt ein wenig das Verständnis für den Unterschied zwischen Egoismus und dem gesunden Ich-Denken“. Auf Egoismus hat er keinen Bock. Aber auf eine bessere Umwelt. Für die will er jetzt gern in den Bundestag.

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