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Schlaganfallhilfe in Rellingen : Beratungsstelle zieht nach einem Jahr Bilanz

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Menschen aus der ganzen Region kommen nach Rellingen und suchen Hilfe. Ehrenamtliche selbst betroffen.

shz.de von
erstellt am 23.Feb.2016 | 16:00 Uhr

Rellingen | Der Raum, in dem Jürgen Langemeyer und Kirsten Gerlach sitzen, ist hell. Er ist spartanisch eingerichtet. Ein Tisch und ein paar Stühle stehen darin. Auf einem Regal steht eine Kaffeemaschine. Für eine gute Beratung kommt es eben weniger auf die Umgebung an: Wer einen Schlaganfall hatte oder Angehöriger eines Patienten ist, sucht Vertrauen und Geborgenheit. Beides vermitteln die beiden Berater auf Anhieb.

Jürgen Langemeyer und Kirsten Gerlach beraten Patienten und Angehörige Freitag vormittags in der DRK-Begegnungsstätte im Appelkamp 8 in Rellingen. Termine zwischen 10 und 14 Uhr können bei Einrichtungsleiterin Nicole Giese unter Telefon 04101-553186 oder per E-Mail an sst-re@drk-kreis-pinneberg.de vereinbart werden. Giese gibt auch Nummern für eine Telefonberatung heraus. Weitere Infos gibt’s online.

Seit einem Jahr finden sich Langemeyer und Gerlach vom Schlaganfall-Ring Schleswig-Holstein immer freitags in der DRK-Begegnungsstätte im Appelkamp 8 in Rellingen ein und bieten Patienten und Angehörigen Unterstützung nach einem Schlaganfall an. Einrichtungsleiterin Nicole Giese koordiniert die Termine. Bei ihr melden sich Menschen aus der ganzen Region. 38 Beratungsgespräche haben Langemeyer und Gerlach in ihrem ersten Jahr geführt. „Oft müssen wir den Menschen erzählen, was eigentlich passiert ist“, sagt Langemeyer. Fast immer steht eine Frage im Mittelpunkt: Wie geht das Leben nach dem Hirnschlag weiter?

Zu ihnen kämen Hilfesuchende mit Partnerschaftsschwierigkeiten, psychischen Problemen bis hin zu Depressionen und medizinischen Komplikationen, so Gerlach, die auch klar stellt: „Wir können und wollen keine medizinischen Ratschläge geben, aber wir kennen Anlaufstellen.“ Langemeyer und Gerlach sind selbst betroffen. Der 56-Jährige hatte mit 43 Jahren einen Schlaganfall, die 45-Jährige traf es zweimal – im Alter von 40 Jahren. „Die Patienten fühlen sich dadurch ernst genommen“, sagt Langemeyer. Fast immer wollten ihre Gegenüber wissen, wie es denn bei ihnen gewesen sei.

Kirsten Gerlach weiß bis heute nicht, was die Ursache für die Hirnschläge war. Ihr zufolge geht das jedem fünften Patienten so. Die Ursachenforschung werde in Kliniken oft nicht akribisch genug betrieben, kritisieren Langemeyer und Gerlach. „Dabei ist das für die Ruhe und Gelassenheit ganz wichtig“, weiß Langemeyer, bei dem eine angeborene Missstelle im Gehirn den Anfall auslöste. Genau so vielfältig wie die Ursachen – Verkalkung im Gefäß, Diabetes, Bluthochdruck, Vorhofflimmern – sind die Folgen eines Schlaganfalls. Nach einem Hirnschlag können Lähmungen oder Einschränkungen beim Sehen und Hören bleiben. Betroffene sind nicht mehr so mobil. Sie verlieren ihre Arbeitskraft – und nicht selten die Teilhabe am sozialen Leben.

Langemeyer und Gerlach raten, sich so schnell wie möglich Hilfe zu suchen. Der Schlaganfall-Ring gibt eine zeitliche Orientierung. Wann sollte ein Behindertenausweis beantragt, wann die Ergo- oder Logotherapie begonnen und wann für ambulante Pflege gesorgt werden? Die 15 aktiven Mitglieder im Verein helfen weiter – ehrenamtlich und kostenlos.

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