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Pinneberg : Benefiz-Kick gegen Kinderarmut: Jetzt will die Stadt mitkassieren

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Wählergemeinschaft lässt gegen Kinderarmut kicken – und soll jetzt Platzmiete bezahlen. Die Politik entscheidet über 110 Euro.

shz.de von
erstellt am 17.Okt.2014 | 10:00 Uhr

Pinneberg | Ausgelassene Stimmung. Ein guter Zweck. 200 Zuschauer, die fleißig Tombola-Lose kauften. Das Benefiz-Turnier der Wählergemeinschaft Die Bürgernahen sollte allein sozial benachteiligten Kindern zugute kommen. Doch jetzt wird klar, dass die Stadt Pinneberg mitkassieren will.

Den Bürgernahen flatterte kürzlich eine Rechnung ins Haus. 110 Euro müssen entrichtet werden – Nutzungsgebühren für den städtischen Sportplatz. Geld, das somit nicht bei armen Kindern landet. Sondern in der klammen Stadtkasse . Parteichefin Petra Springer ist geschockt: „Das ist skandalös“, sagt sie.

Am 13. September waren acht Freizeitmannschaften auf dem Platz an der Jahnhalle gegeneinander angetreten. Das Fußball-Turnier war komplett ehrenamtlich organisiert worden. Mitglieder der Bürgernahen hatten Preise für die Tombola eingeworben. Und Bürgermeisterin Urte Steinberg hatte es sich nicht nehmen lassen, auf dem städtischen Sportplatz vorbeizuschauen.

Der Erlös von rund 3000 Euro könnte – wie in den Vorjahren – unter anderem dem Verein Pinneberger Kinder zugute kommen. Auch die Kindertafel der Heilig-Geist-Kirche könnte profitieren. Die Pinosaurier, die sich seit Jahren für benachteiligte Familien einsetzen, ebenfalls.

Marc Trampe, Sprecher der Stadtverwaltung, begründet die zugestellte Rechnung mit den engen Vorgaben des finanzpolitischen Rettungsschirms. Die Stadt habe sich gegenüber dem Land Schleswig-Holstein verpflichtet, alle Einnahmemöglichkeiten auszuschöpfen. Auf Nutzungsgebühren dürfe nur verzichtet werden, wenn eine wirtschaftliche Notlage eines Ausrichters vorliege – oder die Politik der Veranstaltung überörtliche Bedeutung zugestehe. „Es gibt diesbezüglich eine Dienstanweisung“, so Trampe. Er spricht von einer konsequenten Linie. Laut Trampe ist richtig, dass den Bürgernahen beim Turnier 2012 noch keine Nutzungsgebühren abverlangt wurden. „Aber so etwas ist jetzt nicht mehr zulässig.“

Nach interner Rücksprache zeigt der Sprecher der Stadt einen Lösungsweg auf. Es werde jetzt eine Verwaltungsvorlage erstellt. Die Politik könne dann während einer Sitzung des Ausschusses für Schule, Kultur und Sport entscheiden.

Uwe Lange, Fraktionschef der Bürgernahen, ist fassungslos: „Wir nehmen 70 Euro beim Kuchenverkauf ein und sollen 110 Euro an die Stadt abgeben.“ Für ihn steht fest: „Das ist eine Posse.“ Susan Burmester vom Verein Pinneberger Kinder hat eine ähnliche Meinung: „Das ist äußerst peinlich.“ Es könne nicht angehen, dass Engagement gegen Kinderarmut bestraft werde. „So vergrault man das Ehrenamt.“

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