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Bunt statt nur olivgrün : Beim Diversity-Tag will sich das Militär als ein offener undtoleranter Arbeitgeber präsentieren

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Ein Video aus Appen wird in den Streitkräften gezeigt.

Appen | Die Unteroffizierschule der Luftwaffe in Appen hat 2017 zum Jahr der Vielfalt erklärt. Jetzt präsentierten Lehrgangsteilnehmer und Stammpersonal in der Marseille-Kaserne ihre Projekte. Anlass war der deutschlandweite Diversity-Tag, mit dem auf die Charta der Vielfalt aufmerksam gemacht werden soll.

Dem Konzept der Inneren Führung folgend, dessen Leitbild der Staatsbürger in Uniform ist, soll die Bundeswehr ihre Mannschaften, Unteroffiziere und Offiziere zu selbstdenkenden, offenen und toleranten Menschen formen. „Bei uns bekommen die Unteroffiziere das geistige Rüstzeug, basierend auf dem Grundgesetz“, sagte gestern Karl-Heinz Bünder, Ausbildungsverantwortlicher in der Marseille-Kaserne. Für ihn ist Toleranz nicht nur eine Pflichtübung. „Für die Bundeswehr ist das auch eine Chance, für sich zu werben.“

Fesih Güden: Die Familie des Nordrhein-Westfalen hat kurdische Wurzeln.
Fesih Güden: Die Familie des Nordrhein-Westfalen hat kurdische Wurzeln. Foto: Tobias Thieme
 

Diversity, Diversität, Vielfalt. Was die Soldaten unter diesen Schlagworten verstehen, haben sie seit Januar in Projekten, die Teil der Ausbildung sind, zusammengetragen. Etwa in einem selbstgedrehten Video. In dem Film sind Lehrgangsteilnehmer zu sehen, die über ihre Herkunft sprechen: Die Soldatinnen und Soldaten haben ihre Wurzeln in Sachsen, Thailand, Kasachstan, Österreich, Kuweit und auf den Philippinen. Der Name von Markus Kurczyk, zum Entstehungszeitpunkt des Videos Kommandeur der Unteroffizierschule: polnisch. Es geht jedoch um mehr als die Herkunft. Ein Plakat zeigt zwei sich an den Händen haltende Soldatinnen, ein anderes einen Soldaten im Gebet, wieder eines das Symbol veganer Ernährung.

Laura Karsubke: Die heutige Süddeutsche kommt aus Mecklenburg-Vorpommern.
Laura Karsubke: Die heutige Süddeutsche kommt aus Mecklenburg-Vorpommern. Foto: Tobias Thieme
 

Auch für junge Eltern und Behinderte will die Bundeswehr attraktive Arbeitgeberin sein. „Glaube, sexuelle Orientierung und Herkunft sind uns egal. Der Auftrag zählt“, sagte Christopher Bühler, Projektbeauftragter für das Mottojahr „Diversität“. Haltung zu zeigen sei derzeit besonders wichtig. „Im Zusammenhang mit dem Fall Franco A. entsteht ein völlig falsches Bild von der Bundeswehr. Die meisten Soldaten denken völlig anders“, sagte Bühler.

Lebt das deutsche Militär diese Vielfalt? Muss sie in Zukunft nur an ihrer Außendarstellung arbeiten? „Was für die gesamte deutsche Gesellschaft gilt, gilt auch für die Bundeswehr. Der Prozess ist längst nicht abgeschlossen. Aber der Diversity-Tag soll dazu dienen, Vielfalt im Bewusstsein der Bundeswehrangehörigen zu verankern. „Grundsätzlich sehe ich die Streitkräfte aber gut aufgestellt“, sagte Bünder.

Andreas Militzer: Echtes Nordlicht, dessen Eltern ebenfalls aus Schleswig-Holstein stammen.
Andreas Militzer: Echtes Nordlicht, dessen Eltern ebenfalls aus Schleswig-Holstein stammen. Foto: Tobias Thieme
 

In einem symbolischen Akt pflanzten Mitarbeiter und Lehrgangsteilnehmer bunte Blumen vor dem Unteroffizierheim. Abends gab es ein internationales Dinner: mit Essen aus Spanien, Italien, den USA, Afrika, China, der Türkei und Polen. Auch im Programm: Der Film „Monsieur Claude und seine Töchter“, der mit Vorurteilen gegen Migranten und Konflikten von Migranten untereinander spielt.

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