Behörde: „Kahlschlag ist rechtens“

Der Waldumwandlung in Appen Unterglinde fielen auch große, dicke Eichen zum Opfer. Für viele Anwohner und Politiker war der Anblick ein Schock.
Der Waldumwandlung in Appen Unterglinde fielen auch große, dicke Eichen zum Opfer. Für viele Anwohner und Politiker war der Anblick ein Schock.

Bürger und Politiker aus Appen hatten Überprüfung der Rodung in Unterglinde gefordert / Naturschutzbehörde kontrollierte vor Ort

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24. März 2018, 16:00 Uhr

Der Kahlschlag auf dem sogenannten Schwarzkopfgelände am Unterglinder Weg in Appen hat im Februar für Unmut in der Gemeinde gesorgt (unsere Zeitung berichtete). „Das waren nicht nur ein paar Bäume, sondern ein Biotop, in dem Schlangen und Amphibien gelebt haben“, sagte Monika Hagen (FDP) während des jüngsten Bauausschusses der Gemeinde. „Die Forstbehörde prüft, ob die Rodung gemäß der Absprachen durchgeführt wurde“, sagte Appens Bürgermeister Hans-Joachim Banaschak (CDU). Nun ist das Ergebnis da: Die Aktion war rechtens.

Zur Vorgeschichte: Nach dem Verkauf des Geländes hatte sich der neue Eigentümer auf einen Bebauungsplan (B-Plan) aus den 1980er Jahren berufen. Anders als berichtet liegt hierfür noch keine Baugenehmigung vor – die wäre nach drei ungenutzten Jahren ausgelaufen. Die Baugenehmigung ist aber Formsache, wenn der B-Plan Bebauung erlaubt und diese sich an die darin vorgegebenen Rahmenbedingungen hält. Inzwischen war auf dem Gelände jedoch ein Wald gewachsen. „Aufgrund des alten B-Planes blieb mir nichts anderes übrig, als die Rodung zu genehmigen“, begründete Förster Axel Suersen seine Entscheidung. Doch die tatsächlichen Ausmaße hatten Politiker wie Bürger schockiert. Sie hatten eine Überprüfung eingefordert.

Diese Kontrolle der Rodung ist durch durch Jörg Kastrup im Namen der unteren Naturschutzbehörde des Kreises Pinneberg nun abgeschlossen. Das Ergebnis: Es wurde sich an alle Absprachen gehalten, die bei einer Begehung am 19. Oktober 2017 mit Vertretern der unteren Naturschutzbehörde und dem Investor getroffen wurden. „Stehen bleiben sollten einzelne Eichen und einige Erlen im Uferbereich des Gewässers auf dem Gelände“, berichtet Kastrup. „Und so ist es auch geschehen.“

Glücklich ist Kastrup über die Rodung nicht: „Auch wir als Naturschutzbehörde hätten uns das anders gewünscht. Aber im Sinne der Rechtsstaatlichkeit konnte man nicht anders entscheiden.“

Eine positive Nachricht für Umweltschützer gibt es aber: Der See auf dem Gelände bleibt. „Das Gewässer ist als Biotop durch die untere Naturschutzbehörde und die Wasserschutzbehörde geschützt“, versichert Kastrup. „Es ist künstlich entstanden, aber das ist so lange her, dass dort inzwischen ein naturnaher Zustand vorliegt.“ Geplant ist auf dem Gelände Wohnbebauung.

Fest steht, dass sich der Investor in der Gemeinde durch die Rodung eines geliebten Waldes nicht nur Freunde gemacht hat: „Wenn man so mit der Gemeinde umgeht, muss ich sagen: Man trifft sich immer zweimal im Leben,“ hatte Heidrun Osterhoff im Bauausschuss gesagt. Der Gemeinde würden weitere Anträge des Investors vorliegen. „Wir werden genau hinschauen, ob die B-Pläne eingehalten werden“, so die FDP-Politikerin.

Unkorrektheit kann man dem Investor allerdings im Fall Unterglinde nicht vorwerfen. Er erwarb ein Gelände, das eine Bebauung vorsieht, und ließ den Baumbestand durch Förster Suersen ordnungsgemäß einordnen. Suersen definierte den Bestand als Wald und stellte entsprechende Vorgaben an den Investor, unter deren Einhaltung dieser gerodet werden dürfe – wie Ausgleichsflächen und zeitliche Vorgaben zum Schutz von Brutvögeln. Das korrekte Vorgehen des Investors ist von amtlicher Seite bestätigt.

Der einzige Akteur, der die Rodung hätte verhindern können, wäre die Gemeinde selbst durch eine Änderung des B-Planes gewesen, dessen Planungshoheit sie inne hat. Das allerdings hätte juristisch heikel werden können, sagt René Götze vom Amt Geest und Marsch: Da das Gelände im Privatbesitz ist, hätte eine Änderung des B-Planes eine größere Wertveränderung bewirkt. „Man weiß nicht, wie es juristisch ausgegangen wäre, aber da hätten Schadensersatzansprüche auf die Gemeinde zukommen können“, saget Götze auf Nachfrage unserer Zeitung.

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