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„Xaver“ im Kreis Pinneberg : Befürchtete Katastrophe bleibt aus

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Das Orkantief hat sich am Donnerstagnachmittag im Kreis Pinneberg relativ ruhig verhalten. Erst am Abend stieg die Zahl der Einsätze. Aufgrund weiter bestehender Unwetterwarnungen bleiben die Schulen heute geschlossen. Im gesamten norddeutschen Raum ist der Bahnverkehr beeinträchtigt. Ausfälle gibt es auch am Hamburger Flughafen.

shz.de von
erstellt am 06.Dez.2013 | 06:00 Uhr

Um 14 Uhr war die Welt auf Helgoland gestern noch in Ordnung. „Alles ruhig“, meldete Insel-Tourismusdirektor Klaus Furtmeier im Gespräch mit dieser Zeitung. Windstärke zehn, in Böen elf, wurde auf der zum Kreis Pinneberg gehörenden Hochseeinsen gemessen. Insulaner und Gäste blieben in den wohnungen. Nur vereinzelt wagten sich Menschen auf die Straßen. Aufgrund der Wetterlage schlugen die Wellen laut Furtmeier sowohl gegen den Süd- als auch gegen den Nordstrand. Sorgen bereitete dies Furtmeier indes nicht. Anders die Helgoland vorgelagerte Düne. „Die ist der Nordsee schutzlos ausgeliefert“, sagte er. Die Düne war zwar geräumt worden. Inwieweit Xaver dort allerdings Schäden angerichtet hat, wird sich erst heute herausstellen.

Während sich auf Helgoland Sturmtief Xaver bereits bemerkbar machte und auch die Westküste langsam in die Zange nahm, war im Kreis Pinneberg vom Orkan noch nichts zu spüren. Mit 46 Stundenkilometern und Böen von bis zu Tempo 87 zeigte sich Xaver eher als zahnloser Tiger. In der Kooperativen Regionalleitstelle in Elmshorn hatte sich derweil die Ansprechgruppe des Katastropenschutzes eingefunden, um die aktuelle Lage im Kreis zu analysieren. „Landrat Oliver Stolz hat entschieden, dass derzeit kein Katastrophen-Vollalarm ausgelöst wird“, teilte Kreissprecher Marc Trampe mit. Dennoch sei Rufbereitschaft für die Mitarbeiter im Katastrophenschutz angeordnet worden. „So kann in kürzester Zeit das Personal verstärkt werden“, so Trampe um 14.17 Uhr.

In Pinneberg entwurzelt ein Baum

Wenig später nahm Xaver dann doch noch an Stärke zu. In der Rabenstraße knickte gegen 14.45 Uhr ein 7,50 Meter hohen Baum um. Die Fichte krachte auf ein mehrstöckiges Wohnhaus. Verletzt wurde dabei niemand. „Der Wurzelteller wurde durch den Orkan aus der Erde gerissen“, sagte Uwe Kuhlmann, Chef der Pinneberger Feuerwehr. Das Technische Hilfswerk rückte mit einem Ladekran aus. Nachdem die Wurzel abgesägt worden war, konnte der Stamm gemeinsam von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk abgetragen werden. Anwohnerin Bernice Ottmann berichtete: „Ich sah den Baum direkt auf uns zukommen.“ Bereits beim Sturm Christian sei ihr Haus Opfer des Orkans geworden. „Damals stürzte ein Baum auf die andere Seite des Hauses“, so Ottmann.

Um 14.37 Uhr wurde es dann doch noch einmal etwas hektischer. Für den Kreis Pinneberg wurde der Ausnahmezustand ausgerufen. „Zusätzlich zu der eh schon engen Lagebeobachtung durch eine leitstelleninterne Unterstützungsgruppe mit allen Einsatzorganisationen werden jetzt die Katastrophenschutz-Führungsstäbe eingebunden und in der Fläche Erkundungsmaßnahmen durchgeführt“, erläuterte Trampe das Procedere.

Pegel der Elbe bei Wedel steigt

Gegen 15 Uhr versammelten sich Feuerwehrleute und Mitarbeiter des örtlichen Bauhofs im Gebäude des Bauhofs am Autal und füllten etwa 800 Sandsäcke. Gegen 16 Uhr trat die Elbe über die Ufer. Die Fluten reichten bis an die Terrasse des Schulauer Fährhauses heran. Bis 20 Uhr wurden die Fluttore geschlossen.

Unterdessen muss die Feuerwehr in Uetersen das Dach des Parkhotels Rosarium an der Berliner Straße mit Sandsäcken sichern. Starke Windböen hatten unter das Flachdach gegriffen. Die Einstzkräfte verteilten dort 50 Säcke. „Insgesamt ist die Lage aber bisher noch ruhig“, sagte ein Feuerwehrmann. Auch Kreissprecher Trampe meldete um 17.26 Uhr aus der Leitstelle: „Die Lage im Kreis Pinneberg ist derzeit ruhig.“ Und Landrat Stolz ergänzte: „Wir beobachten die Lage weiterhin sehr genau.“

Hasloh: Baum kracht auf Auto

Um kurz nach 19 Uhr hat sich die Lage auf Helgoland – trotz erwarteter Sturmflut – nicht verschärft. Auch wenn der Wind ordentlich um die Häuser pfiff. „Das einzige was sich gegenüber mittags geändert hat: Es ist dunkel“, sagte Tourismusdirektor Furtmeier.

Am Abend verschärfte sich die Lage im Kreis Pinneberg. Ab 19 Uhrnahmen die Einsätze laut Kreissprecher Marc Trampe zu. „Bis 20.45 Uhr zählten die Disponenten in der Elmshorner Leitstelle 56  Einsätze im Kreis“, so Trampe. In der Hasloher Kirschenallee war kurz nach 20 Uhr ein Baum auf ein Auto gestürzt. Verletzt wurde dabei niemand. An dem Auto entstand Totalschaden. 24 Feuerwehrmänner waren mit vier Fahrzeugen im Einsatz.

AKN kollidiert mit Baum auf Gleisen

In Ellerbek deckte Xaver das Dach einer Lagerhalle ab. Die Feuerwehr griff zunächst nicht ein, weil auch Wände einsturzgefährdet waren. Die Polizei räumte derweil in der Tangstedter Dorfstraße einen Baum von der Fahrbahn.

Gegen 20 Uhr schoss der Schreck durch die Glieder der Fahrgäste des AKN-Zugs von Elmshorn in Richtung Sparrieshoop. Der Triebwagen war am Bahnübergang „Am Friedhof“ in einen umgestürzten Baum gefahren. Während die Fahrgäste unversehrt blieben, wurde der Zugführer leicht verletzt. Die Strecke wurde bis auf Weiteres gesperrt. Die AKN richtete einen Schienenersatzverkehr mit Bussen ist ein.

Wichtige Hinweise für alle Bürgerinnen und Bürger aus dem Kreis Pinneberg

  • Schulen: Das Bildungsministerium des Landes Schleswig-Holstein hat angeordnet, dass am heutigen Freitag der Unterricht an allen öffentlichen Schulen ausfällt. Auch in Hamburg bleiben die Schulen geschlossen. Das Landesbildungsministerium in Kiel steht für Fragen unter der Hotline-Nummer (0800) 1 82 72 71 bereit.
  • Kindertageseinrichtungen: Die Aufsicht für Kindertageseinrichtungen des Kreises Pinneberg empfiehlt den Trägern, in Anlehnung an die Regelung des Landes (Schließung aller öffentlichen Schulen) die Eltern zu bitten, die Kinder zu Hause zu lassen. Über eine Schließung der Kita haben die Träger jedoch selbst zu entscheiden, teilt die Pinneberger Kreisverwaltung mit.
  • Verkehrssituation: Bei der Deutschen Bahn kommt es im gesamten norddeutschen Raum zu Behinderungen. Seit gestern ist die kostenlose Sondertelefonnummer (08 000) 99 66 33 für Reiseauskünfte geschaltet. Aktuelle Informationen gibt es außerdem auf www.bahn.de und den mobilen Services der Deutschen Bahn. Am Hamburger Flughafen kommt auch heute noch zu Ausfällen. Detail-Infos unter: www.airport.de.
  • Veranstaltungen: Die Stadt Pinneberg wird auch heute alle Sportstätten geschlossen halten. Zudem fallen der für heute geplante Glühweinstand auf dem Platz vor dem Forum in Quickborn und der Glühweinabend auf Hof Dannwisch in Horst aus. Ebenso entfällt das Treffen mit Ingo Zamperoni im Schenefelder Gymnasium für den Spendenmarathon „100 Stunden für syrische Flüchtlinge“, da der Schulbetrieb eingestellt ist.
  • Notrufe nur bei akuter Gefahr: „Es ist wichtig, dass der Notruf bei Unwetterlagen nur für Notfälle und Hilfeersuchende genutzt wird, in denen eine akute Gefahr besteht“, sagt Marc Trampe, Sprecher des Kreises Pinneberg, der mit den Katastrophenschutz-Führungsstäben in der Kooperativen Rettungsleitstelle West in Elmshorn zusammensitzt. Mit dabei sind Verbindungsmänner von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk, Rettungsdienst und Polizei. Wer lediglich einen umgefallenen Baum auf einem Privatgrundstück oder einer Nebenstraße melde, müsse damit rechnen, dass die Feuerwehr erst später zur Beseitigung eintreffe. Trampe: „Aufgrund der hohen Anzahl an Einsätzen, werden diese nach Priorität abgearbeitet.“ Auch die für den Kreis Pinneberg zuständige Polizeidirektion Bad Segeberg weist darauf hin, „den Notruf der Polizeileistelle 110 wirklich nur in Notfällen oder bei Gefahrenlagen zu wählen und alle anderen Anfragen oder Meldungen zu einem späteren Zeitpunkt einzubringen.“
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