„Klimatour Apfel” endet in Haseldorf : „Beeindruckt” und „entsetzt”: Pinneberger blickt zurück auf seine Reise durch Deutschland

Von Heidelberg nach Haseldorf: Hans Rutar kehrt von seiner „Klimatour Apfel“ zurück.
Von Heidelberg nach Haseldorf: Hans Rutar kehrt von seiner „Klimatour Apfel“ zurück.

Hans Rutar fährt mit dem E-Bike eine 1000-Kilometer-Klima-Tour von Heidelberg nach Haseldorf. So lautet sein Fazit.

shz.de von
09. Mai 2019, 12:00 Uhr

Haseldorf | Gespannt wartete das Empfangskomitee am Mittwoch am Elbmarschenhaus. Die Bratäpfel und selbstgemachten Apfelbrötchen waren bereits im Ofen, doch von Hans Rutar noch keine Spur. Mit drei Begleitern, die ihn auf den letzten Kilometern von Wedel begleiteten, trudelte er mit einer halben Stunde Verspätung an der letzten Station seiner Klimatour Apfel ein.

 

„Aus der Not heraus bin ich mit eigener Muskelkraft wieder hier“, sagte Rutar. Irgendwo zwischen der Rolandstadt und Haseldorf war der Motor seines Bambus-E-Bikes ausgefallen. „Ich habe es aber trotz der massiven Berge in der Marsch gar nicht bemerkt“, sagte Rutar lachend.

Seit dem 25. März war er unterwegs

Die Verspätung lag allerdings nicht am defekten E-Bike, sondern einem Abstecher in den Wedeler Apfelgarten. Mehr als 1000 Kilometer hat der ehemalige Gymnasiallehrer und Versicherungsmathematiker auf seiner Fahrt durch Deutschland seit dem 25. März absolviert. „In den letzten sechs Jahrzehnten hat die Blüte zwei Wochen früher begonnen. Da merkt man die Auswirkungen des Klimawandels“, so Rutar.

„Mit der Apfelblüte durch Deutschland“ hatte Rutar als Motto für seine Tour gewählt. Los ging es in Heidelberg, wo seine Töchter studieren. „Das war einfach praktisch“, erläuterte der Natur- und Landschaftsführer. Doch da von der Apfelblüte nichts zu sehen war, entschied er sich für einen Schlenker nach Freiburg. „Da habe ich tatsächlich die ersten Blüten gesehen.“

Nur eine gebrochene Halterung

Es ging weiter zu den Apfelweinwiesen bei Frankfurt, am Rhein entlang in den Rhein-Sieg-Kreis, dessen Anbaugebiete Rutar mit dem Alten Land verglich. Nach einem Abstecher ins Bielefelder Apfel-Arboretum ging es weiter nach Lemgo. „Dort gab es die einzige Fahrradreparatur, die auf der Strecke notwendig war“, berichtete Rutar. Eine Halterung am Gepäckträger war gebrochen. Jork und Stade standen auf der Liste und am Mittwoch setzte er dann mit der Fähre nach Wedel über.

„Mein Ziel habe ich klar verfehlt“, sagte Rutar. „Die Apfelblüte war deutlich schneller als ich.“ Oftmals habe er nur verblühte Pflanzen gesehen. Aus der Marsch bekam er immer wieder E-Mails von Freunden mit dem aktuellen Blütenstatus. „So schnell konnte ich gar nicht treten. Über Ostern haben sie bestimmt geschummelt. Da müssen alle Heizpilze eingeschaltet haben“, sagte der Umweltaktivist.

Kinderzimmer, Gartenhäuser und ein Zelt dienten als Schlafplatz

15 Kilogramm Gepäck hatte er dabei. „Einen Satz vornehme Kleidung, wenn ich eingeladen wurde, einen zum Radeln und jede Menge Technik“, beschrieb Rutar den Inhalt seiner Taschen. Das wichtigste sei genug Kleidung für den sogenannten Zwiebellook gewesen. „Ich bin mal im T-Shirt geradelt, aber auch bei Schnee gefahren“, sagte er.

Übernachtet wurde vor allem bei Familien, die bei der Plattform Dachgeber registriert waren. „Ich habe in Kinderzimmern und Gartenhäusern übernachtet. Zwischendurch, wenn ich nichts gefunden habe, wurde auch das Zelt aufgebaut“, erläuterte Rutar. Abends wurde dann mit den Gastgebern viel über die Aktion diskutiert. „Die Menschen“, sagte Rutar auf die Frage nach den besonderen Erlebnissen auf seiner Tour. „Ich wurde überall freundlich aufgenommen, habe viel Menschlichkeit erfahren, tolle Gespräche geführt und wurde auch immer wieder angesprochen.“

Ich habe mir die Apfelgeschichte romantischer vorgestellt Hans Rutar
 

Doch gab es auch Tage, an denen das Fahrrad stehen- und er einfach in seiner Unterkunft blieb. Auf dem Fahrrad nimmt man die Landschaft ganz anders wahr. Ich war teilweise übersättigt von den Erlebnissen“, sagte Rutar. „Körperlich hatte ich keine Probleme. Ich habe mir keinen kaputten Arsch geholt und auch die Kniegelenke haben mitgespielt.“

„Ich habe mir die Apfelgeschichte romantischer vorgestellt“, sagte Rutar. Er sei beeindruckt von der Größe der Felder gewesen, aber auch entsetzt von der „Brutalität der Feldbearbeitung“. „Landwirtschaft ist anders als in den Kinderbüchern. Auch wenn es Bio-Bauernhöfe sind, ist es trotzdem eine Industrie mit Massenproduktion“, war Rutars Erkenntnis seiner Tour.

Wie groß ist der ökologische Fußabdruck?

Eine neue Tour ist noch nicht geplant. In diesem Jahr wolle er sich intensiv mit seinem ökologischen Fußabdruck beschäftigen. „Nachhaltigkeit wird für mich das Thema des Jahres bleiben. Ich will aber nicht versprechen, dass ich nie mehr nach Mallorca fliege.“

Und worauf freut Rutar sich nun, wo er wieder zuhause ist, am meisten? „Nach dem Duschen mal wieder in sauberes Zeug steigen.“

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