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Verdacht der Untreue : Beben in Pinnebergs Tierschutzverein

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Ex-Kassenwartin des Vereins.

Pinneberg | Die Anzeige, die bei der Pinneberger Kriminalpolizei vor Wochen eingegangen ist, zeigt Wirkung: Wegen des Verdachts der Untreue hat die Staatsanwaltschaft Itzehoe jetzt ein Ermittlungsverfahren gegen eine ehemalige Kassenprüferin des Tierschutzvereins eingeleitet. Es geht um 63.000 Euro. „Wir prüfen umfassend“, sagte gestern Peter Müller-Rakow, Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Wie berichtet, war zunächst Klaus Panzer, ehemaliger Stellvertreter des Vereins und nach seinem Austritt derzeit wieder Vereinsmitglied, Gerüchten nachgegangen, um dann den Vorfall auf der Mitgliederversammlung am 29. Februar in die Öffentlichkeit zu tragen: So soll die Beschuldigte in ihrer Funktion als Kassenwartin von 2004 bis 2010 Geld veruntreut haben.

Das bestreiten Vorsitzende Brigitte Meyer und Sprecher Peter Dorendorf auch nicht. Ende 2010 wurden die finanziellen Ungereimtheiten aufgedeckt. Doch der Deal, den der Vorstand mit der Kassenwartin aushandelte, rief Panzer auf den Plan. Danach einigte man sich 2012 mit der damaligen Kassenwartin im Beisein eines Notars darauf, dass sie das gestohlene Geld in den folgenden Jahren Monat für Monat zurückzahlt.

„Das ist Verschleierung. Die Mitglieder wurden in Unwissenheit gehalten. Dorendorf und die anderen Beteiligten sind genauso schuldig wie die Kassenwartin“, sagte Panzer gestern auf Anfrage dieser Zeitung. Müller-Rakow betonte jedoch, dass man nur gegen die Ex-Kassenwartin ermittle. Aber: „Die interne Lösung hat zunächst auf die strafrechtliche Ermittlung keine Auswirkung“, so der Sprecher der Staatsanwaltschaft.

„Dadurch, dass jetzt ermittelt wird, entsteht dem Verein ein Schaden“, kommentierte Dorendorf die aktuelle Entwicklung. Dieser sollte durch die Vereinbarung mit der Ex-Kassenwartin vermieden werden. Außerdem wollte man verhindern, dass sie ihre Stelle verliert. „Dann hätten wir das Geld nicht zurückbekommen“, argumentierte Dorendorf. Jetzt befürchtet er, dass genau das passiert, was vermieden werden sollte. Bislang sollen 42.000 Euro zurückgezahlt worden sein. Dorendorf betonte, dass er Rückendeckung vom Tierschutzverband des Landes und des Bundes habe.

Panzer sieht das jedoch anders: „Lieber das Geld nicht haben, dafür aber den richtigen Weg gegangen sein.“ Deswegen wollte Panzer auch Strafanzeige stellen, doch Wolfgang Meyer, ebenfalls langjähriges Mitglied im Tierschutzverein, kam ihm zuvor. „Der Sachverhalt ist so etwas von eindeutig“, betonte er. Er sprach von „kriminellen Machenschaften“. Laut seiner Recherche sei herausgekommen, „dass Kassenprüfer unter Druck gesetzt wurden, die Kasse und somit den Vorstand zu den jeweiligen Jahreshauptversammlungen zu entlasten“. „Richtig ist sicherlich, dass alle nicht in Funktion stehenden Mitglieder gelinde gesagt hinters Licht geführt und getäuscht wurden“, so Meyer. Da er davon ausgehe, dass eventuell weitere 65.000 Euro nicht dem Tierschutz zugeflossen seien, „ist anwaltliches oder staatsanwaltliches Handeln unerlässlich“. Sein Fazit: „Die Verantwortlichen gleich in welcher Form haben mit straf- oder privatrechtlichen Konsequenzen zu rechnen.“ Doch zunächst ist nur die Ex-Kassenwartin im Fokus der Justiz: Sollte sie vor Gericht kommen und verurteilt werden, drohen ihr laut Aussagen von Müller-Rakow eine Geldstrafe und fünf Jahre Haft pro Einzeltat.

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erstellt am 22.Apr.2016 | 10:00 Uhr

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